Rassismus No Go DeutschlandSeite 3/3

1990 wird Antonio Amadeu, ein Vertragsarbeiter aus Angola, in Eberswalde (Brandenburg) zusammengeschlagen. In der Nacht vom 24. auf den 25. November 1990 zieht eine Gruppe von etwa 50 rechtsextremen Skinheads mit Baseballschlägern und Latten durch die Stadt, um Jagd auf Schwarze zu machen. In einer Gaststätte treffen sie auf drei Afrikaner, die sie verprügeln. Während zwei Mosambikaner teils schwer verletzt flüchten können, erwacht der 28-jährige Amadeu Antonio Kiowa nicht mehr aus dem Koma. Er stirbt zwei Wochen später. Sein Sohn wird kurz darauf geboren. Ich halte ihn im Arm. Ein afrodeutscher Junge, der ohne Vater aufwachsen wird. Déjà vu.

Amadeu ist das erste Todesopfer rassistischer Gewalt im wiedervereinigten Deutschland. Es herrscht Pogromstimmung. In Hoyerswerda brennt 1991 ein Asylbewerberheim. 1992 wird in Mölln (Westdeutschland) ein Brandanschlag auf ein von Türken bewohntes Haus verübt. Drei Menschen sterben. Es gibt Lichterketten. Ein junger Mann stürzt auf der Flucht vor Neonazis durch eine Glasscheibe und verblutet. Ein Afrikaner wird auf dem Heimweg zu seiner Familie erschlagen.

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2006: Das afrodeutsche Prügelopfer aus Potsdam lebt noch; Multikulti ist für tot erklärt. Die Lichterketten sind kürzer geworden und Brandenburger Rechtsanwälte fühlen sich in ihrer Menschenwürde verletzt, weil man ihnen einen Spiegel vorhält.

Ein paar Tage nach dem Potsdamer Überfall erhielt ich einen Anruf von Kiowas Sohn. Er ist jetzt 15 und lebt noch immer im Osten. Er fragte, ob ich ihn mal wieder besuchen könne. Ich versprach es ihm, aber ich werde ohne meine Kinder fahren.

Mein vierjähriger Sohn möchte wie sein weißer Kumpel von nebenan zum Ritterfest nach Brandenburg. Ich suche Ausreden, laviere und schlage etwas anderes vor, wegen der langen Autofahrt. Oder soll ich ihm jetzt schon die Wahrheit sagen? Ihm erklären, warum wir, eine afrodeutsche Familie aus Berlin, nicht ins Umland fahren, wenn es sich vermeiden lässt? Ich will ihm keine Angst machen, noch nicht.

 

 
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