Integration Sieben für Deutschland
Türkischstämmige Abgeordnete bilden ein Netzwerk über alle Parteigrenzen hinweg - und formulieren erste Forderungen zur Integrationspolitik
Ein Bild seltener Harmonie: Sieben Politiker aus allen Parteien und Teilen Deutschlands versammelten sich am Mittwoch in Berlin, um sich und ihr neues Bündnis erstmals der Öffentlichkeit vorzustellen. "Netzwerk türkeistämmiger MandatsträgerInnen" nennen sie es, denn über die Fraktionsgrenzen hinweg haben sie eins gemeinsam: Sie sind demokratisch gewählte, deutsche Volksvertreter und ihre erste Heimat ist die Türkei. Schon seit November 2004 treffen sie sich, um Argumente und Erfahrungen auszutauschen. Jetzt traten sie mit einem Positionspapier zu Zuwanderung und Integration erstmals an die Öffentlichkeit.
Auf die Themen Migration und Eingliederung von Ausländern in Deutschland will sich die Gruppe dabei nicht beschränken, doch stehen diese Politikfelder zunächst im Vordergrund. "Wir wollen uns dafür einsetzen, dass unsere Community nicht als Problem, sondern als Ergänzung in dieser Gesellschaft anerkannt wird", sagt etwa Musa Özdemir, PDS-Abgeordneter in der Berliner Bezirksverordnetenversammlung Friedrichshain-Kreuzberg. So wie er umfasst der feste Kern des Bündnisses vor allem Kommunalpolitiker, die besonders eine Erkenntnis zusammenschweißt: "Das Thema Integration eignet sich nicht für parteipolitisches Gezänk", formuliert es Özdemirs Mitstreiter Burak Copur von den Grünen, der Stadtrat in Essen ist.
Mit ihrem Positionspapier demonstrieren die Mandatsträger jedenfalls einen gemeinsamen - und aufgrund ihrer unterschiedlichen Parteizugehörigkeit wohl auch den kleinsten gemeinsamen - Nenner. So fordern sie etwas neblig eine "innovative Integrationspolitik", die sich bei Sprache und Bildung, Ausbildung und Arbeit, Senioren und Existenzgründung, Politik und Partizipation als "Querschnittsaufgabe" begreift. "Wir müssen offen und ehrlich diskutieren, um auch die Versäumnisse und Lücken im Integrationsprozess der letzten Jahre nicht zu verschweigen", so Copur. "Trotzdem sollten wir auch nicht immer nur einseitig über Zwangsverheiratungen oder islamische Fundamentalisten reden."
Mit diesem Bewusstsein für die multikulturelle Realität in Deutschland geht das "Netzwerk" selbstbewusst in die Offensive: In einem Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel fordern die Abgeordneten die Teilhabe am so genannten Integrationsgipfel der Bundesregierung. "Wir wollen von den anderen Institutionen als Ansprechpartner akzeptiert werden", sagt der Berliner Özdemir. Und Ergun Can, SPD-Mitglied im Stadtrat Stuttgart und seit 43 Jahren in Deutschland, ergänzt: "Wir agieren überparteilich und sind so eine Bereicherung für die deutsche Politik und damit auch eines Integrationsgipfels. "
Die großen und damit auch öffentlichkeitswirksamen Namen unter dem Positionspapier fehlen allerdings. Zwar ist mit dem Europaabgeordneten Cem Özdemir (Die Grünen) ein prominentes Gesicht türkischstämmiger Politiker vertreten, doch Bundestagsabgeordnete wie Lale Akgün (SPD), Aydin Hüsevin-Kenan (Die Linke) oder Ekin Deligöz (Bündnis 90/ Die Grünen) sucht man vergebens. "Noch", wie alle Beteiligten betonen. "Dieses Netzwerk ist ein offener Prozess. Noch stecken wir in den Kinderschuhen, aber es wird wachsen", beteuert Ayse Jerfi Hein vom CDU-Landesvorstand Hamburg. Auch die Bundestagsabgeordneten würden ihr persönliches Interesse deutlich machen, "trotzdem hoffen wir natürlich alle auf ihre aktivere Teilnahme."
- Datum 15.06.2006 - 05:27 Uhr
- Quelle ZEIT online, 31.5. 2006
- Kommentare 117
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ein bisschen "labern" Sie aber schon:
"Für einen Deutschlehrer zeigen Sie bemerkenswerte Wahrnehmungsstörungen. Von Einwanderern in Bringschuld zu reden, wenn Jugendliche gemeint sind, die im Land geboren werden, das zeugt wahrlich nicht von neutraler Einstellung."
Ich unterrichte hauptsächlich Erwachsene in Deutsch als Fremdsprache und keine Jugendlichen, die hier geboren sind (zum Glück ist das noch nicht notwendig, oder wer weiß).
"Es ist genau die arrogante Haltung, die den Migranten zum Menschen mit weniger Rechten degradiert, und da wundere ich mich nicht, wenn das bedürfnis zum gemeinsamen Kaffee gering ist."
Ich bin an der Schule einer der beliebtesten, die Atmosphäre ist stets prima, es scheinen alle meine respektvolle Grundhaltung zu spüren. Dadurch bekommen die Menschen aber trotzdem nicht mehr Freiheiten bzw. Ambitionen. Was hat das eine also mit dem anderen zu tun? Übrigens funktioniert es mit Schülen aus anderen Kulturen/Ländern viel spontaner & reibungsloser.
"Abgesehen davon müsste es auch in Österreich genug Türkische Einwanderer geben,..."
Ja, SEHR viele - interessanterweise höre ich immer wieder von Einwanderern(!), in Österreich gäbe es viel zu viele Ausländer. Sie haben den Eindruck, die Österreicher machten sich selbst zu einer Minderheit, wenn das so weitergeht (z.B. Wien). Es ist generell spannend, Menschen zu diesem Thema sprechen zu hören, die vom Korsett des politisch Korrekten noch nicht eingeschnürt sind und einfahc sagen, was sie sich denken, weil sie es nicht anders gewohnt sind.
"... so dass Ihre Darstellung so nicht nachvollziehbar sind."
Was? Inwiefern?
"Es sei denn, Sie unterrichten in einer dörflichen Gegend,..."
Nein, in der Hauptstadt.
"... in der die türkischstämmigen auf gar keine vorurteilsfreien Menschen treffen ..."
Also wenn DAS jetzt gerade kein Vorurteil war! Sie tun mir aufrichtig leid. Bin selbst als Einwandererkind einer dörfl. Gegend aufgewachsen - kein Problem.
"Wie auch immer, ihre Darstellung passt gar nicht in die Erfahrungen der vielen Lehrer, die ich kenne."
Ich behaupte mal, ich kenne mehr als Sie - und praktisch alle machen ähnliche Beobachtungen/Erfahrungen. Leider.
"Wie viele türkischstämmige Schüler haben Sie denn schon unterrichtet?"
Ca. 100. Die meisten sehr nette Leute, aber darum ging's ja schließlich nicht in meinem Posting.
wie in der Schweiz waeren in der Tat gescheiter gewesen aber die Frage warum man so etwas nicht hatte muesste an die Wirtschaft gestellt werden denn von da kam doch das Verlangen nach mehr Arbeitskraeften.Niemand hat damals weiter gedacht und das Resultat dieser Ignoranz sind die Probleme mit denen sich nun die deutsche Gesellschaft rumplagt.
Die islamische Verteidigungshaltung mit den üblichen Hinweisen auf Kreuzzüge, Bibelzitate, oder die roten Schuhe des Papstes, muss man fast schon kindlich, gar unreif nennen.
Ja, der Christliche Glauben hat Dreck am Stecken... aber er bringt auch die Kraft auf sich diesen Taten in der Vergangenheit und im Hier und Jetzt auch zu stellen. Und wenn nicht in der Kirche selbst, dann in der Gesellschaft.
Und das ist ja wohl das entscheidende: Das Hier und Jetzt!
Und da gehts um keinen Schönheitspreis, oder wer hier im Besitz der letzten Wahrheit ist.
Sondern:
Wie wird dieser Glaube gelebt, wie offen ist er gegenüber anderen, und vorallem wie bleibt er privat, geistiges, und nicht weltliches Leitbild.
Ich glaube, hier schneiden die Christen in Europa nicht schlecht ab. Oder erleben Sie unter Europäern oft das die Religionszugehörigkeit im Dialog ein Thema ist?
Ist sie es bei der Partnerwahl?
Und kommen Sie mir nicht mit Opus Dei, den Pfingstgemeinden, der Christlichen Rechten in den USA, oder den Kreationisten.
Diese Extremisten bekommen im freien Westen die Ihnen zustehende scharfe Kritik und den nötigen Widerstand.
Diese Selbstkritik ist bei Muslimen, gerade auch bei den Intelektuellen, mit ganz wenigen Ausnahmen nicht existent.
Also, den Ball mal ganz flachhalten.
warum können Menschen wie Sie nicht einfach mal Meinungen, Standpunkte und Erfahrungen anderer akzeptieren, auch wenn sie von Ihren eigenen abweichen? Was ist der Grund für Ihren unangebrachten Übereifer? Was ist der Grund dafür, dass Sie mir in Ihrer "Argumentation" da mit Extremstandpunkten, Besserwisserei und Vorurteilsgeschwafel kommen, mir Urteile in den Mund legen, als hätten Sie meinen Beitrag gar nicht gelesen?
Wenn Sie ständig bloß das sehen, was sie sehen wollen, das lesen, was Sie lesen wollen, werden Ihre diskursiven Bemühungen vergebens sein, Sie Ihre Diskussionspartner nicht ernst nehmen. Denn wer will schon mit einer Wand diskutieren?
Lernen Sie, beim Lesen Ihre von Voreingenommenheit beschlagene Brille abzunehmen, lesen Sie zu Ende und nehmen Sie nicht immer das Schlimmste von Ihrem Gegenüber an.
Oder haben Sie nur Angst vor unwillkommener Erkenntnis?
In diesem Forum finden Sie sicher nicht Ihren Seelenfrieden.
Die Übersetzung von Islam ist Hingabe, Unterwerfung....
"Sachlich wäre Ihre Frage dann gewesen, warum die Deutschen damals nicht auf den Profit aus billigen ausländischen Arbeitskräften verzichten konnten. (06.06.2006 23:00:05)"
Können Sie mir bitte ihre Beurteilung nennen,warum die deutsche Politik nicht darauf verzichten konnte?
Der Grund meiner Frage: ich fühle mich selber als Opfer deutscher Ausländer- und Arbeitsmarktpolitik der frühen 80'er Jahre, weil ich damals mit vierzehn Jahren als ein Jahr vorher 1983 das Rückkehrförderungsgesetz von Kohl kam, ich mit meinen Eltern nach zehnjährigem Aufenthalt im Grunde ungewollt Richtung Heimat zurückgekehrt sind.
Der Grund: keine weitere Verlängerung der Arbeitserlaubnis meines Vaters, weil in der Berufsgruppe (Arzt in einem öffentlichen Krankenhaus), in der er arbeitete, zuviele junge deutsche Arbeitslose vorhanden gewesen sein sollen.
Auf eine Antwort würde ich mich sehr freuen.
Richtig, zorc, es ist unsinnig, Religionen zu vergleichen und irgendwelche Zitate aus dem Zusammenhang zu ziehen.
Ich habe übrigens Ihre letzten Zitate nur überfliegen können und da ist mir dann ein Fehler unterlaufen, denn ich habe doch glatt gedacht, Sie hâtten die Stelle zitiert, wo der Meister sagt im ähnlichen Zusammenhang sogar sagt, man solle seinen Vater...hassen ( Lukas-Evangelium, hier gibt es in der Tat ein Übersetzungsproblem).
Was Sie als "Unterwerfung" zitieren, naja, worum geht es denn. Jesus erklärt den Leuten, die freiwillig zu ihm gekommen sind, um bei der Verbreitung seiner Worte zu helfen, worauf sie sich einzustellen haben, mal einfach gefasst : die Ausstattung, der eventuelle"Empfang", dem Sie ausgesetzt werden könnten ... und dass, wenn sie sich engagieren, die Verbreitung der Botschaft vor allen anderen Verpflichtungen Vorrang haben muss. Das ist mit dem Satz gemeint.
Ich interessiere mich für das Christentum nicht aus dem Glauben heraus, sondern aus geistes-und kulturgeschichtlichen Bewegungen. In den Evangelien ist, ich sage es nochmals,die Basis für die Grundwerte unserer heutigen Gesellschaft, unserer Sicht des Mitmenschen gelegt.
Aber : das Engagement zum Glauben bleibt freiwillig - es werden Ihnen keine Stockhiebe angedroht, wenn Sie anders denken und handeln wollen, das haben Sie dann mit der letzten Instanz auszumachen. Vorher darf es dazu kein Gericht geben.
Keiner darf ausgegrenzt werden, keiner ist mehr oder weniger wert (auch wenn er die Regeln nicht befolgt), jeder Mensch behält seine Würde.
Mal abgesehen von dem Beispiel des sozialen Engagements..
Um sich die riesige Kehrtwende, die da im Denken vollzogen wurde, vor die Augen zu führen, müsen Sie sich natürlich auch ansehen, was vorher (AT)sowie drumherum passiert (z.B. die römische Gesellschaft). übrigens hat die Kirche ja Ihre schlimmsten Verbrechen immer dann vollbracht, wenn sie von den Forderungen im Evangelium abgewichen ist, sei es in der Judenverfolgung und der Inquisition (wie war das doch mit dem "Richten" ?). Die kritisierte Heimerziehung - wo sind da diese grundlegenden Werte geachtet worden ? in all diesen Dinge gebe ich Ihnen völlig recht.
Und nun die Frage, die mich persönlich bewegt ( unabhängig von all den anderen Problemen im Islam):
Wie kann man ihrer Meinung nach auf die Dauer friedfertig mit einer Bevölkerung zusammenleben, die einer Idee anhängt, die die Ungleichheit unter den Menschen postuliert ?
Wenn ich jetzt von "weiss" oder "schwarz" reden würde - sie würden mit der Antwort nicht zögern.
Nur ist es hier eine Religion, die dieses postuliert. Es gibt Menschen zweiter Klasse und so gar so etwas wie Nicht-Existente. Wenn ich nun zum Beispiel sage : Du sollst nicht töten - gilt das nur innerhalb der Glaubensgemeinschaft oder wie ?
Sehr schwierig. Das sieht man allein daran, inwiefern sich auch die - halbwegs - säkularisierte Türkei zur Religionsfreiheit stellt. Auch in der Blütezeit des Islam mit einer grossen Toleranz hatten Christen und Juden nicht die gleichen Rechte, schauen Sie genau hin. Und ich bin auch deshalb der Meinung, dass das teils ablehnende, sogar agressive Verhalten von Muslimen uns gegenüber nicht unbedingt auf eine schlechte Behandlung unsererseits zurückzuführen ist.
Solche Punkte müssen angesprochen und bereinigt werden, denn sie können in der Tat auf Dauer zu einem grossen Problem anwachsen, genau wie Forderungen von Herrn Erdogan nach religiösen Gerichten. Da muss man genau hinsehen, das ist hochbrisant.
Zu Aussagen wie Sozialschmarotzer, kann ich nur folgenden Artikel empfehlen, die Deutschen sind nämlich die eigentlichen Nutzniesser:
http://www.zeit.de/2006/1...
@kb26919: Ich benutze mal deine Auslegung des Wortes Integration: Ebenso bedeutet die Integration, der Deutschan an die Menschen die hier leben, dass ein haufen Probleme gelösst werden würde.
Wenn aber von den meissten Deutschen erwartet wird, dass man sich an sie anpasst, ohne dass sie einen Finger krum machen müssen, dann ist das doch unfehlbar ein Signal dass man sich ueberhaupt nicht integrieren will...
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