Über Snows Abgang war seit Monaten spekuliert worden. Er hatte Anfang 2003 Paul O'Neill abgelöst, der das Weiße Haus mit seiner Unabhängigkeit und Offenheit verärgert hatte. Im Gegensatz zu O'Neill galt Snow als verlässlich und loyal, doch schon nach Bushs zweitem Wahlsieg hatte der Präsident ihm nur zögerlich eine Verlängerung der Amtszeit angeboten. Schon damals kritisch beäugt: Snow mit Bush beim ersten gemeinsamen Auftritt im Dezember 2002

Im Weißen Haus hieß es, Snow sei kein gutes Aushängeschild für die robuste US-Konjunktur gewesen. Der Präsident habe nach einer in den Medien und auf dem internationalen Parkett präsenteren Figur gesucht. In Paulson dürfte er diese gefunden haben: Der Investmentbanker ist Konzernchef und Verwaltungsratsvorsitzender der Goldman Sachs Group, einer der größten und einflussreichsten Investmentbanken der Wall Street. Es ist nicht das erste Mal, dass ein US-Präsident einen Minister aus den Reihen der Goldman-Sachs-Manager beruft. Auch Robert Rubin, zwischen 1995 und 1999 sehr erfolgreicher Finanzminister unter Bill Clinton, hatte zuvor bei der Investmentbank gearbeitet.

"Er hat lebenslange Geschäftserfahrung, beste Kenntnisse der Finanzmärkte und die Fähigkeit, die Wirtschaft in klaren Worten zu erklären", sagte Bush über Paulson. Dieser leitet Goldman Sachs seit acht Jahren und hat die Belegschaft in dieser Zeit auf mehr als 20.000 Mitarbeiter verdoppelt. Der Gewinn stieg im vergangenen Jahr um 24 Prozent auf 5,6 Milliarden Dollar.

In Finanzkreisen genießt Paulson hohes Ansehen. Als seine Nominierung als neuer US-Finanzminister durchsickerte, erholte sich der Dollar von vorhergehenden Verlusten. Noch am Dienstagvormittag hatten Investoren die Währung verkauft, als bekannt wurde, Bush könne den ehemaligen Wirtschaftsminister Don Evans als neuen Chef des Finanzressorts berufen. Evans gilt als Befürworter eines weichen Dollar, so dass die Anleger fürchteten, unter seiner Ägide werde die US-Regierung die Währung nicht konsequent genug stützen. Die Aktien von Goldman Sachs hingegen verloren an der Wall Street um 2,87 Prozent auf 150,07 Dollar.

Nicht nur die Finanzmärkte bewerteten Paulsons Nominierung als positiv für die US-Wirtschaft. Der demokratische Senator Chuck Schumer, Mitglied des Finanz- und Bankenausschusses des Senats, nannte Paulson "die beste Wahl" für die USA. Der Senat muss Paulson noch bestätigen, doch dies gilt als reine Formsache. Der künftige Finanzminister versprach, alles daran zu setzen, dass die US-Wirtschaft stark und wettbewerbsfähig bleibe. "Die Welt ist auf die USA als Wachstumsmotor angewiesen", sagte er.

Eine der größten Herausforderungen Paulsons wird das Rekordhandelsdefizit von 726 Milliarden Dollar im vergangenen Jahr sein, vor allem mit China. Die US-Regierung drängt Peking, eine Aufwertung seiner Währung zuzulassen, muss aber gleichzeitig den Kongress auf Distanz halten, der China Dumpingpreise vorwirft und Sanktionen fordert. Beobachter rechnen zudem damit, dass Paulson Bush helfen wird, seine Steuersenkungspolitik weiter durchzusetzen und darüber die Konjunktur anzukurbeln.

Wie viel Spielraum der neue Finanzminister haben wird, gilt jedoch als fraglich. Unter Bush war das Finanzministerium bislang kaum mehr als ausführendes Organ der Anweisungen des Präsidenten.