In Afghanistan sind innerhalb einer Woche knapp 300 Menschen bei Kämpfen, Attentaten und Ausschreitungen ums Leben gekommen. Das sind mehr Tote als im Irak im selben Zeitraum. Der Vergleich ist erhellend und erschütternd zu gleich.

Denn Afghanistan schien für den Westen gewonnen. Jedenfalls ließ man uns das glauben. Das Land hat einen gewählten Präsidenten und ein gewähltes Parlament. Es sei – hieß es – auf dem Weg zu einer Demokratie. Die Taliban, die auch nach ihrem Sturz gegen die Invasionstruppen aus dem Westen kämpften, galten als "Überreste". Ihr Verschwinden schien nur eine Frage der Zeit. Und jetzt? Jetzt wagen die Taliban nach den Worten eines afghanischen Generals wieder "offene Feldschlachten". So sicher fühlen sie sich. Gleichzeitig scheint die Stimmung in der Bevölkerung gegen den Westen insgesamt gekippt zu sein.

In Kabul reichte zu Wochenbeginn eine von US-Fahrzeugen verursachter Unfall, um gewalttätige Ausschreitungen auszulösen, die 20 Menschen das Leben kosteten . Sie richteten sich nicht nur gegen die Amerikaner, sondern auch gegen Präsident Karzai und die mühsam aufgebaute Demokratie.

Man wird sich im Westen bald mit folgender Frage beschäftigen müssen: Was tun, wenn Afghanistan wieder verloren geht?