Die Fusionswelle , die schon seit einigen Monaten rollt und bislang in der noch nicht beendeten Auseinandersetzung zwischen den Stahlkonzernen Mittal und Arcelor gipfelte, hat einen neuen Höhepunkt erreicht: BASF übernimmt den amerikanischen Spezialchemiekonzern und Katalysatorenhersteller Engelhard.

Nachdem sich die Amerikaner monatelang gegen das Angebot der Ludwigshafener gewehrt hatten, empfahl der Verwaltungsrat von Engelhard an diesem Dienstag seinen Aktionären, ihre Anteilscheine zu je 39 Dollar an BASF zu verkaufen. Gleichzeitig zog Engelhard sein Angebot zurück, 20 Prozent der eigenen Aktien zu 45 Dollar je Anteil zurückzukaufen. Die für den 2. Juni angesetzte Hauptversammlung wurde auf den 30. Juni verschoben. BASF muss insgesamt 3,9 Milliarden Euro für den Kauf aufbringen, mehr, als der Ludwigshafener Konzern jemals für eine  Übernahme ausgab. Schon zu Beginn des Jahres hatte BASF sein Interesse an Engelhard verkündet und zunächst 37 Dollar für jede Aktie angeboten. Das hatten die Amerikaner zurückgewiesen.

Finanzinvestoren rechnen damit, dass dieses Geschäft einen Herdentrieb unter den Wettbewerbern auslösen könnte. Andere Chemieunternehmen könnten versucht sein, sich durch Zukäufe und Zusammenschlüsse ebenfalls zu vergrößern.

BASF bleibt mit dem Kauf seiner Linie treu , sich in den Vereinigten Staaten weniger durch den Aufbau eines eigenen Verbundwerkes als vielmehr durch Zukäufe zu vergrößern. In der Vergangenheit war Amerika deshalb zur Problemzone des Unternehmens geworden. Denn das früher einmal zusammengekaufte Sammelsurium an Fabriken arbeitete längst nicht so effizient wie eine selbst geplante Chemiefabrik. Doch mit Engelhard fällt BASF nun ein funktionierender Chemiekonzern zu.

BASF ist der größte Chemiekonzern der Welt. Im vergangenen Jahr lag der Umsatz bei 42,7 Milliarden Euro, der Gewinn vor Zinsen und Steuern betrug 5,8 Milliarden Euro. Fast 81.000 Menschen arbeiten überall auf der Welt für den Konzern, 45.000 von ihnen in Deutschland. Im Gegensatz zu seinen einstigen Konkurrenten Bayer und Hoechst konzentrierte sich BASF in den späten neunziger Jahren nicht alleine auf das Pharmageschäft, sondern setzte statt auf Arzneien auf klassische Chemieprodukte wie Kunststoffe, Veredlungsprodukte und Pflanzenschutzmittel. Außerdem handelt der Konzern mit Erdöl und Erdgas und ist gemeinsam mit Gasprom an der Erschließung eines russischen Gasfeldes beteiligt.

Ein striktes Sparprogramm, das BASF-Vorstandschef Jürgen Hambrecht dem Konzern seit 2001 verordnete, zahlte sich aus. Im vergangenen Jahr konnte das Unternehmen im chinesischen Nanjing einen neuen Verbundstandort aufbauen. Trotz der großen Investitionen im Ausland bleibt der Konzern aber seinen Ursprüngen treu: Bis zum Ende des Jahrzehnts will Hambrecht 6 Milliarden Euro in Ludwigshafen investieren.