Drei Tage nach dem blutigen Amoklauf von Berlin will die Polizei an diesem Montag ihre Ermittlungen fortsetzen. Vor allem das Motiv des Täters war bis zum Sonntag weiter unklar. Die Zahl der Verletzten stieg nach Polizeiangaben auf 36. Am Sonntag schwebte zwar niemand mehr in Lebensgefahr. Allerdings bangen viele Betroffene weiter. Denn eines der ersten Opfer der Messerattacke war mit dem Aids-Erreger infiziert.

Der 16 Jahre alte Amokläufer hatte am Rande der Feiern zur Eröffnung des Berliner Hauptbahnhofs am Freitagabend 31 Menschen Stich- und Schnittwunden zugefügt. Fünf weitere Menschen seien von dem Jugendlichen geschlagen worden, sagte der Leiter der ermittelnden Mordkommission, Klaus Ruckschnat, am Sonntagabend der dpa.

Der Schüler aus dem Problembezirk Neukölln sei sehr betrunken gewesen, sagte Ruckschnat. Unter Alkoholeinfluss habe er bereits mehrfach aggressiv reagiert. Es gebe aber keine Anhaltspunkte dafür, dass der 16-Jährige zum Tatzeitpunkt unter Drogen gestanden habe. Was den 16-Jährigen zu der Bluttat veranlasst habe, sei unklar.

Der Teenager sitzt in Untersuchungshaft. Ihm wird versuchter Mord in 24 Fällen und gefährliche Körperverletzung vorgeworfen. Der Hauptschüler bestritt die Tat und verweigerte nach Angaben der Polizei zunächst jede weitere Aussage. Dem 16-Jährigen droht eine Jugendstrafe von bis zu fünf Jahren Haft.

Zwei Wochen vor Beginn der Fußball-Weltmeisterschaft löste die Bluttat eine neue Debatte über die Sicherheit während der Spiele aus. Die Bundesregierung und die WM-Organisatoren halten das WM- Sicherheitskonzept für ausreichend und warnten vor Panik. Die Gewerkschaft der Polizei forderte Eingangskontrollen auch bei größeren WM-Veranstaltungen. Zum Eröffnungsfest für den Bahnhof waren am Freitag mehr als 500.000 Menschen ins Regierungsviertel gekommen.

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