Mit einer Energieleistung und zwei späten Toren hat die deutsche Fußball-Nationalmannschaft im vorletzten WM-Test gegen Japan eine bittere Niederlage abgewendet. Durch Treffer von Miroslav Klose in der 76. Minute und Bastian Schweinsteiger (80.) erkämpfte das Team von Bundestrainer Jürgen Klinsmann am Dienstagabend in Leverkusen ein 2:2 gegen den Asien-Meister und erhielt damit die Hoffnung auf einen positiven Weltmeisterschafts-Start gegen Costa Rica in zehn Tagen. Vor 22 500 Zuschauern in der ausverkauften BayArena hatte WM- Teilnehmer Japan nach einem Doppelschlag durch den künftigen Frankfurter Naohiro Takahara (57./65.) schon wie der sichere Sieger ausgesehen. Bis zum WM-Start am 9. Juni hat die deutsche Mannschaft am Freitag in Mönchengladbach gegen Kolumbien nur noch eine Gelegenheit zum Testen.

"Es war ein wichtiger Test für uns. Eine Erkenntnis war, dass wir zu viele Chancen zugelassen haben. Positiv war, dass wir das Tempo über 90 Minuten durchgehalten haben", sagte Klinsmann. "Wir hatten am Anfang schwere Beine. Dass wir nach dem Rückstand noch einmal zurückgekommen sind, zeigt, welche Moral in dieser Mannschaft steckt", lobte Kapitän Michael Ballack seine Kollegen. "Ich glaube, man hat gemerkt, dass wir aus dem Trainingslager gekommen sind", betonte Torhüter Jens Lehmann, der mit seinen Paraden die erste Heimniederlage des DFB-Teams seit dem 2:3 gegen Brasilien beim Confederations Cup vor einem jahr verhindert hatte.

Die Welle der Begeisterung, mit der die erst am Morgen aus Genf angereiste Mannschaft von den Fans beim Betreten des Rasens begrüßt worden war, schlug schnell in Ernüchterung um. Denn drei Tage nach dem lockeren 7:0-Aufgalopp gegen Luxemburg leistete sich das Team gegen die ballsicheren und laufstarken Asiaten zahlreiche Ballverluste und Missverständnisse. Dabei konnte Klinsmann nach der Genesung von Michael Ballack erstmals wieder aus dem Vollen schöpfen und schickte eine Elf ins Rennen, die in dieser Formation auch beim WM-Auftakt auflaufen könnte.

Der Bundestrainer nutzte den vorletzten WM-Test noch einmal als Experimentierfeld, doch seine ungewohnte taktische Ausrichtung erwies sich als Fehlgriff. In neuer Rolle auf halbrechts erzielte Ballack nach gerade auskurierter Kapselverletzung zwar mehr Wirkung als Tim Borowski, der ebenfalls in der Startelf Berücksichtigung fand, war aber noch längst nicht wieder der Alte. Nach seinem Doppelpack gegen Luxemburg blieb Torjäger Klose, der aus privaten Gründen das Trainingslager in Genf vorzeitig verlassen hatte und erst am Mittag wieder zum Team gestoßen war, 75 Minuten lang erfolglos. Dann traf er doch noch zum 24. Mal im Nationaltrikot.

Probleme offenbarte das Team einmal mehr in der Rückwärtsbewegung und bei Ballverlusten. Dabei sah auch die Innenverteidigung, in der sich immer mehr das Duo Christoph Metzelder/Per Mertesacker als WM- Lösung abzeichnet, alles andere als souverän aus. Vor allem der Hannoveraner blieb den Nachweis seiner Turnier-Tauglichkeit schuldig und wirkte häufig orientierungslos. In der 66. Minute kam der Dortmunder David Odonkor als zwölfter Debütant unter Klinsmann aufs Feld.

Ein Ballverlust von Borowski im Mittelfeld bescherte Lehmann in der 13. Minute die erste Prüfung, die der Torhüter des FC Arsenal gegen den frei vor ihm auftauchenden Hidetoshi Nakata mit Bravour löste. Vier Minuten später stand der Keeper erneut im Brennpunkt des Geschehens, als er an der Strafraumgrenze einen Schuss von Atsushi Yanagisawa abfing. Dieser Szene ging eine Unachtsamkeit von Torsten Frings voraus.

Auf die erste gelungene Offensivaktion ihrer Mannschaft mussten die deutschen Fans bis zur 21. Minute warten, als Ballack nach schönem Zusammenspiel mit Bernd Schneider über das Tor zielte. Drei Minuten später verfehlte ein 16 Meter-Schuss von Klose sein Ziel. Nach einem Doppelpass mit Klose vergab der Leverkusener Schneider (42.) die nächste Chance, ehe Lukas Podolski in der Nachspielzeit der ersten 45 Minuten mit einem von Torhüter Yoshikatsu Kawaguchi parierten Schuss noch ein Achtungszeichen setzte.

Nach dem Seitenwechsel übernahmen die besser eingespielten Japaner das Kommando und ließen auch Jens Nowotny, der nach zwei Jahren sein Comeback im Nationalteam feierte, schlecht aussehen. Zwei Minuten nach seiner Einwechslung wurde der Noch-Leverkusener von Takahara überlaufen, der die vierte Großchance der Gäste zur hochverdienten Führung nutzte. Vor seinem zweiten Treffer setzte sich Takahara gegen Ballack durch, Nowotny konnte nicht mehr eingreifen. Nach dem Ausgleich musste Lehmann in der Schlussphase erneut Kopf und Kragen riskieren.