Provokationen und das Eintreten für politische und gesellschaftliche Belange gehören zur Popkultur wie Trachten zur Volksmusik. Als im März 2003 die amerikanischen Truppen im Irak einmarschierten, waren die Fronten zwischen Kriegsgegnern und Befürwortern längst verhärtet. Nicht nur in Amerika.

Wer dem amerikanischen Präsidenten die Gefolgschaft verweigerte, galt in gewissen republikanischen Kreisen der Vereinigten Staaten als Verräter der übelsten Sorte. Ein Schicksal, das neben einigen linksliberalen Hollywood-Stars, im Besonderen das Country-Frauentrio Dixie Chicks traf. Sängerin Natalie Maines hatte bei einem Auftritt in London Bush öffentlich angegriffen. Hochverrat in Zeiten des Krieges: Manche wollten das so sehen. „Schmähbriefe, nach Rache geifernde Höreranrufe, CD-Scheiterhaufen, Streikposten vor Konzerthallen, Todesdrohungen von wütenden Patrioten“ waren die Folge. Dabei hatte dieselbe Klientel die Vorzeige-Country-Band zuvor gehätschelt. Nun forderten sie Reue und Patriotismus.

Es kam aber alles anders. Die neue Dixie-Chicks-CD Taking The Long Way zeigt, wie Uwe Schmitt in der Welt schreibt: „Es gibt kein zurück.“ Das von „ Rick Rubin produzierte, verschwenderisch melodiöse Album ist wahrscheinlich der endgültige Wechsel der Dixie Chicks ins Exil der erwachsenen Popmusik.“ Der Plattenverkauf komme einem Referendum über die Zukunft des Trios gleich. Ob die Anschaffung der vierzehn neuen Songs sich deswegen lohnt?

Mit ganz anderen Dingen nervt Pop-Ikone Madonna katholische Kirche und orthodoxes Judentum gleichermaßen. Ihre populistische Aneignung der Kabbala ist nicht jedermanns Sache, die Verwendung christlicher Symbole noch viel weniger.

Beim Tourauftakt in Los Angeles stieg sie mit einer angehefteten Dornenkrone vom Kreuz herab und sorgte für die erwartbaren Reaktionen im kirchlichen Medienbetrieb. Alexander Gorkow macht sich in der Süddeutschen Zeitung Gedanken zum Thema. „In Los Angeles zeigte Madonna beim Kreuzabstieg Bilder hungernder Kinder, auch attackierte sie Bush und Blair. Sie will also plötzlich nicht nur Tanzmusik machen und von ihrer privaten Befreiung erzählen – sie hat vielmehr eine politische Botschaft. Madonna ist 47 Jahre alt. Da geht einem nicht mehr alles am Dings vorbei. Das erinnert an andere große Avantgardisten des Pop. Zum Beispiel an Phil Collins

Phil Collins und Avantgarde? Das sollte uns Alexander Gorkow bei Gelegenheit noch einmal erklären.