Wie spannend die Spiele der Fußball-WM werden, kann heute noch niemand sagen. Vor allem kann man über den neuen Fußballweltmeister nur Vermutungen anstellen. Ähnliches gilt derzeit auch für die Finanzmärkte. Über den Markt, der als nächstes für Furore sorgen wird, kann man ebenfalls nur Vermutungen anstellen. Eines aber ist sicher: Spannend geht es schon jetzt zu. BILD

Die letzten Wochen haben zuerst am Goldmarkt dafür gesorgt, dass die wöchentlichen Kursbewegungen einem fast den Atem geraubt hätten – erst plus 40 Dollar, dann minus 90 Dollar, alles in zwei Wochen. Dann kam der Aktienmarkt dran: Minus zehn Prozent an fast allen Märkten rund um den Globus, ein Rückgang so stark wie seit Juli 2002 nicht mehr (zur Erinnerung: Damals fand gerade die letzte WM statt). Und da die Rentenmärkte bei dem aufregenden Geschehen nicht außen vor stehen wollten, schmierten auch sie zunächst einmal ab, um sich dann aus Sorge vor einem Aktienmarktcrash wieder deutlich zu erholen. Da stellt sich dem geneigten Beobachter schnell einmal die Frage, welcher Markt als nächstes für Aufregung sorgen wird.

Hier kann man es dann ähnlich halten wie Bundestrainer Jürgen Klinsmann: Beobachten, in sich gehen, und dann mit einer Nominierung kommen, die zuletzt keiner auf der Rechnung hatte. Wie wäre es dabei mit dem Markt für Unternehmensanleihen?

In der Regel sind die Unternehmensanleihen ein guter Gradmesser für Krisen. Kaum zeigt sich einmal irgendeine Schwierigkeit oder ein Problem am Horizont, schon weitet sich der Abstand zwischen den Unternehmensanleihen und Staatsanleihen deutlich aus. Aber diesmal? Nichts. Kein kleines Zucken. Kein Einpreisen irgendwelcher Ängste. Nur Business as usual.

Kommt es zu Krisen oder zumindest zu heftigeren Marktbewegungen, so ist das meist ein Anlass, der zu Kursgewinnen bei Staatsanleihen führt, die Renditen gehen also zurück. Unternehmensanleihen können davon eher weniger profitieren. Der Abstand der Renditen zwischen diesen beiden Papieren mit gleicher Laufzeit weitete sich dann aus. Wenn diese Bewegung dann aber einmal ausbleibt, sollte dies zumindest ein erstauntes „Nanu?“ zur Folge haben.

Die Rentenmärkte sind derzeit aber auch aus einem anderen Grund für eine Überraschung gut. Auslöser des Aktienmarktrückgangs war die Befürchtung, dass die Inflation in den USA weiter ansteigt und die US-Notenbank die Zinsen stärker als derzeit erwartet anheben wird. Das Inflationsgespenst hatte auch bereits in den vergangenen Wochen dazu geführt, dass die Renditen weltweit weiter anstiegen. Aber nun? Die US-Notenbanker betonen zusammen im Chor mit ihren Kollegen von der EZB die Inflationsgefahr – und die Renditen sinken weltweit. Der Grund hierfür war die bereits angesprochene Furcht vor einem kräftigen Rückgang der Aktienkurse.