Klimawandel Alarmstufe Dunkelrot

Die Erde wird immer wärmer, und das hat auch Folgen für die Weltmeere: Ein neues Gutachten der Bundesregierung malt ein finsteres Bild von der Zukunft unserer Ozeane und sieht schwere Folgen für die Menschheit ab.

Erst die Vereinten Nationen und der Vorbericht des Intergovernmental Panel of Climate Change (IPCC), nun auch die Bundesregierung: Die Warnungen vor den dramatischen Änderungen durch den globalen Klimawandel wollen nicht mehr verstummen. Sturmfluten, zerstörerische Hurrikans und eine Versauerung der Weltmeere sagt jetzt das Sondergutachten des Wissenschaftlichen Beirats für globale Umweltveränderungen voraus. Es wurde am Mittwoch in Berlin vorgestellt.

Das knapp 120 Seiten starke Papier prophezeit  einen Anstieg des Meeresspiegels, der auf lange Sicht ganze Küstenregionen in Nordeuropa überfluten und Inselstaaten wie die Malediven komplett im Meer versinken lassen wird. Hans-Joachim Schellnhuber, Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) und Mitglied des Gutachtergremiums, sagte, dass Wirbelstürme künftig noch zerstörerischer ausfallen werden. Die fortgesetzte Versauerung der Meere durch Kohlendioxid gefährde außerdem die Fischbestände. Fazit der Untersuchung: Der Ausstoß des Treibhausgases CO2 muss stärker begrenzt werden.

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Das Sondergutachten ist ein einziges Alarmszenario. Akut vom Klimawandel bedroht sind demnach vor allem die tropischen Korallenriffe: Sie könnten in 30 bis 50 Jahren verschwunden sein. Schmelzendes Eis indessen gefährde nicht nur die Menschen. »Es gibt Anzeichen für einen beginnenden Zerfall der Kontinentaleismassen auf Grönland und in der Antarktis, der in den kommenden Jahrhunderten mehrere Meter Meeresspiegelanstieg verursachen könnte.« Der Potsdamer Klimaforscher Stefan Rahmstorf - ebenfalls im Wissenschaftlichen Beirat der Bundesregierung (WBGU) - sagte, der Meeresspiegel könne bis zum Jahr 2100 um bis zu einen Meter steigen.

Laut Studie sind Venedig, Sankt Petersburg, aber auch Teile New Yorks von diesen Fluten gefährdet. Größere Gebiete an den Küsten Europas könnten nach Ansicht der Experten zwar erst nach mehreren Jahrhunderten betroffen sein. Dennoch droht eine gewaltige Flüchtlingswelle, wenn der Anstieg des Meeresspiegels schwere Stürme auslöst und die tieferliegenden Küstenstreifen sowie kleine Inselstaaten überflutet. Etwa jeder fünfte Mensch lebe weniger als 30 Kilometer vom Meer entfernt.

Die Experten fordern rasches Gegensteuern: Der Treibhausgasausstoß müsse bis 2050 im Vergleich zu 1990 etwa halbiert und der Anstieg der Lufttemperatur auf weniger als zwei Grad Celsius im Vergleich zum 19. Jahrhundert begrenzt werden. Damals lag die Temperatur um etwa 0,8 Grad unter der heutigen. Die Überfischung der Ozeane müsse gestoppt und mindestens 20 bis 30 Prozent der Meeresfläche sollten zu Schutzgebieten erklärt werden.

»Zum ersten Mal wird hier die zweifache Bedrohung durch den übermäßigen Kohlendioxidausstoß, nämlich der Treibhauseffekt und die Versauerung der Ozeane, aufeinander bezogen«, sagte Ulf Riebesell vom Leibniz-Institut für Meereswissenschaften in Kiel. Arbeiten seines Teams haben gezeigt, dass Kalk bildende Organismen wie Muscheln, Schnecken und Korallen im Meer durch die zunehmende Versauerung nachhaltig geschädigt werden.

»Die neuen wissenschaftlichen Erkenntnisse zum schnelleren Anstieg des Meeresspiegels und der Bedrohung der Meere durch Versauerung sind Besorgnis erregend«, sagte der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesumweltministerium, Michael Müller (SPD). Selbst wenn die Begrenzungsziele des Beirats eingehalten und die Kosten des dramatischen Wandels bewältigt würden, seien auch die wirtschaftlichen Folgen gravierend. Auch das Bundesforschungsministerium sprach von einem »Alarmsignal«.

 
Leser-Kommentare
    • bediko
    • 03.06.2006 um 10:07 Uhr

    Wenn die Gefahr riesengroß ist, sollte man selbst dann, wenn die wissenschaftlichen Prognosen noch nicht voll zuverlässig sind, gegensteuern. Der Homo Sapiens verdient aber die lateinische Bezeichnung nicht! - Versuchen Sie einmal, einem Säufer durch gutes Zureden die Sucht auszutreiben! Sie werden scheitern und genau dieses Scheitern erleben wir gerade. Sehr bedauerlich für meine Enkelkinder!

  1. Solange wir weltweit keinen verbindlichen Klimaschutzvor-
    gaben verpflichtet sind und die Weltwirtschft weiterhin
    die -politik bestimmt, werden wir uns auch künftig dem
    allgemeinen Klimagejammere nicht entziehen können.

    • Onno36
    • 01.06.2006 um 16:10 Uhr
    3. ÖPNV

    Mit Büroblick auf den täglichen Stau auf die Berliner Stadtautobahn fordere ich den kostenlosen öffentlichen Personen Nahverkehr zur Senkung der CO2-Gehalts. Aber was passiert stattdessen: Preise werden erhöht, Taktzeiten verlängert. Die Berliner S-Bahn spricht auf ihrer Homepage vom schnellsten S-Bahn Vollring den Berlin je hatte - Stimmt, wenn man es nach den verlängerten Wartezeiten endlich in die S-Bahn geschafft hat.

  2. Und wieder ein Gutachten, dass kurz durch die Presse geht und dann unbeachtet im Schrank verstaubt. Wenn man gutwillig ist, dürfte das Ergebnis der Studie in ähnlicher Form seit Mitte der 90er Jahre bekannt sein. Passiert ist kaum etwas.

    Wie wäre es mit einer Sofortmaßnahme, die zudem kein Geld kostet? Zum Beispiel Tempo 120 auf den Autobahnen? Das schadet der Automobilindustrie? Nun gut, dann etwas anderes. Massive Förderung der Wärmedämmung bei Altbauten! Das kostest zuviel Geld? Ok, dann eben der Kat für die Benzinrasenmäher! Das geht? Aber erst, wenn wir eine EU-einheitliche Regelung gefunden haben. Na dann, die Umsetzung folgt im Jahre 2010. Alternativ gibt es eine freiwillige Selbstverpflichtung der Rasenmäherindustrie zum Einbau von Kats (sofern es wirtschaftlich vertretbar ist).

    Auch wenn es politisch unkorrekt ist: Ich glaube nicht, dass der politische Wille da ist, einschneidende Änderungen durchzusetzen. Die Politiker bringen es ja nicht ein mal zustande krumme Gurken in der EU zuzulassen. Und dann wollen sie etwas gegen den drohenden Klimakollaps unternehmen? Und auch noch schnell? Absurd!

    Grüße aus Hamburg, wo gerade die Deiche um 1m erhöht werden.

  3. Ich finde, die positiven Seiten dieser Entwicklung werden viel zu wenig beachtet:

    1. Wir sterben sowieso aus. Kaum vorstellbar, dass die Schrumpfung unserer Fläche mit der unserer Bevölkerungszahl mithalten kann. Arktis hin, Antarktis her.
    2. Flüchtlingsströme sind mit der letzte Hinweis in den Nachrichten, dass es uns nicht so schlecht geht wie 95% der restlichen Menschheit (die weniger jammern) - gut für die Stimmung.
    3. Über Wirbelstürme mag man denken, was man will - in der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung wirken sie sich jedenfalls positiv, weil inlandsproduktsteigernd aus. Auch gut für die Stimmung.
    4. Ok, die Malediven saufen ab. Geschenkt! Die Temperaturen kriegen wir ja dann hier. Alles, was wir jetzt noch tun müssen, ist aufzuhören, unseren Müll zu verbrennen, und ihn stattdessen in lustigen Formationen in der Lüneburger Heide abzuladen, z.B. als Weltkarte oder Palme. Viel billiger, als es die Jungs in Dubai machen!

  4. Wie wär's denn eher mit weniger Verpackungsmüll ? Unsere Vorfahren haben den Käse nicht dreimal verpackt !

    Keine Subventionen mehr, um irgendwelche Güter in der EU herumzukutschieren ? Lieferungen auf ein Minimum drücken.

    Keine Flugreisen mehr - jaja, der Flugverkehr spielt eine sehr grosse Rolle in dem Problem !

    Auto stehen lassen, öffentliche Verkehrsmittel nehmen oder mal wieder zu Fuss gehen...

    Alles zu anstrengend, na und auf den Urlaub verzichten will man ja auch nicht. Und Arbeitsplätze verlieren !

    Ein umweltschonendes Leben heisst auch viel Konsumverzicht- aber nun werden ja die Chinesen entsprechend aufrüsten, dann waren's wenigstens nicht wir!

    In sofern ist auch die Wärmedämmung in Deutschland eher bürokratischer Pipifax und für's gute Gewissen

    Und in der Tiefe des Ozeans warten unermessliche Methanmassen, zur Zeit noch durch die Kälte gebunden - wenn die hoch gehen, dann haben wir die Apokalypse !

  5. Da hat man endlich mal wieder etwas Freude: der Dax stabilisiert sich auf hohem Niveau, der Goldpreis entwickelt sich prächtig, die Weisen aus Wirtschaft und Politik sind vorsichtig optimistisch .....und nun wieder so ein Kram, ausgeheckt von 68-ern, Grünen und Gutmenschen.
    Wo doch all unsere Probleme schlagartig gelöst werden könnten: nämlich mit 2% Wirtschaftswachstum!!! Aber das begreifen diese Penner einfach nicht. Man muß doch heute erstmal etwas Rendite erzielen, die man dann später vielleicht (bei entsprechenden Anreizen)in Umwelt investieren könnte. Warum nicht, wenn die Zahlen stimmen ...
    Was mich ärgert ist, daß da wieder Steuegelder verschleudert wurden um Erkenntniss zu gewinnen, die niemand hören will. Mit dem Geld hätte man beispielweise das Flugbenzin stärker subventionieren können, schließlich beginnt bald die Urlaubssaison, da hätten wir dann alle was davon (gehabt).

  6. Im Jahr 2100 wird es schwierig? Na, wenn dann nicht ein Jean Luc im Orbit einfach das Kommando erteilen kann:"Data, Klimaregulierungssequenz jetzt einleiten!", dann sind wir aber schwer hinter unseren Visionen zurückgeblieben.

    Wir müssen uns mal entscheiden, ob zukünftig Bärtige Typen im Selbstgestrickten zufrieden das Toben kleiner Eisbärchen beobachten sollen oder ob unsere Helden im All mit kompetent zusammengepressten Lippen und scharfem Blick einfach die korrekten Anweisungen erteilen und - alles wird gut. Naja, wir wollen doch aufsehen zu Jemandem, der es richtet - oder? Na klar!

    Wenn unsere modernen Mythen sich so ganz an der Realität vorbei entwickeln, dann haben wir ein Problem, in dessen Kielwasser die Erderwärmung einfach so mitschwimmt. Versteht ihr nicht? Richtige Helden wie G.W.B. KÖNNEN sich mit solchem Kram nicht befassen! Ist doch wahr!

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