»Wir werden das Geld nicht zur Verfügung stellen«, kündigte Manfred Neuenhaus, Geschäftsführer der FDP-Ratsfraktion, am Dienstag an. Auch in der CDU-Fraktion wird es keine Mehrheit für Handke geben, sagte Bürgermeister Dirk Elbers. Eine unabhängige Jury aus Literaturexperten, Mitgliedern des Stadtrates und einem Vertreter des Landes hatte für Handke als Preisträger votiert. »Eigensinnig wie Heine verfolgt Peter Handke in seinem Werk seinen Weg zu einer offenen Wahrheit«, hieß es zur Begründung. Die für den 13. Dezember geplante Vergabe des mit 50.000 Euro dotierten Heine-Preises an den Autor hätte in der Ratssitzung am 22. Juni vom Stadtparlament bestätigt werden müssen. Kein Heine-Preis an Handke: Düsseldorf will nicht zustimmen BILD

Der Autor Peter Handke ist jedoch wegen seiner pro-serbischen Haltung umstritten. »Wir sind der Auffassung, dass Handke sich mit seinem öffentlichen Verhalten einem autoritären, verbrecherischen Regime angedient hat«, sagte Neuenhaus am Dienstag. Mit überlieferten Äußerungen Handkes zum Balkankrieg wie »Die NATO hat kein Auschwitz verhindert, sondern eines geschaffen« sei aus FDP-Sicht eine Grenze erreicht. Das Jury-Votum für Handke sei ein Fehler gewesen.

Der Heine-Preis ist »eindeutig ein politischer, kein Literaturpreis«, begründete Karin Trepke, Geschäftsführerin der Düsseldorfer Grünen, das »einhellig« ablehnende Votum ihrer Partei. Grund: »Der Preis kann nicht an jemanden verliehen werden, der sich wie Handke in die Nähe Slobodan Milosevics begeben hat.« Die Ablehnung sei der »einzige Weg«, auf einen nicht wiedergutzumachenden Schaden zu reagieren, sagte Annette Steller, Geschäftsführerin der SPD-Ratsfraktion. Handke könne nicht mit einem Preis ausgezeichnet werden, mit dem eine Persönlichkeit geehrt werden soll, die sich um Grundrechte und Völkerverständigung verdient gemacht habe.

Nach Vorstellungen der SPD-Ratsfraktion wird es in diesem Jahr keinen Heine-Preis geben. Die FDP möchte das diesjährige Preisgeld im Geiste des »in der Pariser Matratzengruft armen Heine« an die Deutsche Künstlerhilfe stiften. Den Preis statt Handke einem anderen Autor zuzuerkennen - etwa dem diesjährigen Konkurrenten Amos Oz oder Irene Dische -, kommt aus Sicht von CDU und FDP nicht infrage. Gemeinsame Befürchtung: Die Ausgezeichneten könnten das Gefühl haben, »zweite Wahl« zu sein.