Behörden und Hilfskräfte fürchten, die Opferzahlen könnten noch weiter zunehmen. "Leichen und Überlebende sind noch immer unter den Trümmern begraben", sagte Fajar Haryono vom staatlichen Katastrophenzentrum in Yogyakarta. Die Suche nach Verschütteten wurde fortgesetzt. Nach Angaben einer Sprecherin des Auswärtigen Amts in Berlin gab es zunächst keine Hinweise auf Deutsche unter den Toten. Man sei aber in ständigem Kontakt mit der deutschen Botschaft in Jakarta. Bantul bei Yogyakarta: Eine Muslimin vor ihrem zerstörten Haus

Unterdessen ist die internationale Hilfe für die Erdbebenopfer angelaufen. Zahlreiche Länder schickten wie Deutschland Einsatzkräfte auf den Weg oder boten finanzielle Unterstützung an. Die Europäische Union will drei Millionen Euro als Soforthilfe bereitstellen. Die einheimischen Krankenhäuser in der Region sind mit der Zahl der Verletzten überfordert. Viele lagen auch am Sonntag in eilig eingerichteten Notkliniken unter freiem Himmel. Überlebende sagten, vor allem würden Zelte zum Schutz vor Sonne und Regen benötigt. Zehntausende hatten die Nacht trotz Regen im Freien verbracht.

Während in Indonesien hunderte Nachbeben die Menschen in Schrecken versetzten, erschütterten zwei weitere starke Erdbeben im Pazifik Tonga und Papua-Neuguinea. Nach Angaben der US-Erdbebenwarte traf Tonga ein Erdstoß der Stärke 6,7. Das Epizentrum habe rund 145 Kilometer nördlich der Hauptstadt Nuku'alofa gelegen. Das etwa 5000 Kilometer entfernte Papua-Neuguinea wurde von einem Beben der Stärke 6,2 erschüttert. Über Opfer oder Schäden in beiden Ländern wurde zunächst nichts bekannt, es gab auch keine Hinweise auf eine gefährliche Flutwelle durch die Erdstöße.

Am stärksten vom indonesischen Beben betroffen ist die Großstadt Yogyakarta, in der rund 500.000 Menschen leben. Sie liegt nur rund 30 Kilometer vom Epizentrum des Bebens entfernt. Einige ihrer Stadtteile wurden durch das Beben der Stärke 6,2 vom Samstag fast völlig zerstört. Überall im Katastrophengebiet lagen Trümmerteile eingestürzter Häuser. Mancherorts wurden Leichen zunächst an Straßenrändern deponiert.

Uwe Müller, Projektleiter der Deutsche Welthungerhilfe, hielt sich in Yogyakarta auf, als das Erdbeben das Gebiet erschütterte. Vor allem die Angst vor einem neuen Tsunami habe die Menschen in Panik versetzt, berichtete Müller. "Eigentlich war nach dem Erdbeben in den weniger betroffenen Regionen sofort wieder Ruhe eingekehrt. Doch dann wurde über Mobilfunk eine Tsunami-Warnung verbreitet. Sofort brach Panik aus, die Menschen flohen Richtung Norden zu Fuß, mit Motorrädern oder Autos aus der Stadt hinaus. Wir sind an vielen eingestürzten Wohnhäusern vorbeigekommen, am schlimmsten war ein sechsstöckiges Einkaufszentrum getroffen, von dem ein Teil der Außenfassade abgerissen war." Indonesische Meteorologen teilten aber mit, dass es zu keinem Tsunami gekommen sei.

Das Beben hatte die am dichtesten besiedelte Insel Indonesiens um kurz vor 6 Uhr getroffen. Die Stromversorgung und die Kommunikation in der Region seien zusammengebrochen, berichtete BBC . Auch der internationale Flughafen von Yogyakarta sei geschlossen worden, weil die Landebahn beschädigt worden sei. Der indonesische Präsident Susilo Bambang Yudhoyono habe Armeeeinheiten in die Region entsandt, um Opfer zu bergen.