Das Dokument ist verfasst, und es sieht ganz danach aus, als könnte es am Donnerstag dieser Woche beschlossen werden: Diplomaten der „EU-3“ (Frankreich, Großbritannien, Deutschland) haben in enger Abstimmung mit amerikanischen Kollegen und unter den Augen der Russen und Chinesen ein Kompromissangebot an Iran zusammengestellt, das möglicherweise die Billigung (oder Duldung) aller fünf Parteien findet. Am Donnerstag wird es von den Chefdiplomaten der drei Europäer abgesegnet, sodann ihren Außenministern sowie Condoleezza Rice vorgestellt – anschließend begibt man sich in Wien zum Abendessen in die britische Botschaft, mit russischen und chinesischen Gästen. Das komplizierte Vernehmlassungsverfahren ist zwar enervierend, aber unumgänglich, denn nur wenn Einmütigkeit dieser Beteiligten erreicht wird, kann es zu einer Einigung mit Teheran kommen.

Das Angebot bewegt sich auf der Linie, wie sie der IAEA-Chef ElBaradei stets gezeichnet hatte: Technische und wirtschaftliche Kooperation (besonders mit der iranischen Luftfahrt- sowie der Schwerindustrie), Unterstützung für den Aufbau einer zivilen Nuklearbasis, Garantien für die Brennstoffversorgung, Uran-Anreicherung auf iranischem Boden nur im Labormaßstab, dafür aber allerlei Andeutungen, die in Teheran auch so verstanden werden könnten, dass eine Art Sicherheitsgarantie in Aussicht gestellt wird. Sollte das Regime nicht einverstanden sein, so streben die Autoren des Papiers eine Resolution des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen an, in der „Kapitel 7, Artikel 41“ der UN-Charta erwähnt wird – Sanktionen also - , nicht aber Artikel 42, also militärische Maßnahmen.

Iran wird das Angebot aller Wahrscheinlichkeit nach ablehnen. Und dann?

Mitte Juni tagt der „Gouverneursrat“ der IAEA, der sich erneut mit dem Thema befassen wird. Der Termin ist vor allem eine Gelegenheit, Lösungswege zu eruieren. Ahmadineschads Überraschungsdiplomatie ist auch in dieser Hinsicht allerlei zuzutrauen, zumal sich auch auf westlicher Seite mehr tut als auf der Oberfläche ersichtlich. So ist es immer noch denkbar, dass es – in Analogie zur Nordkoreafrage – zu „ six party talks “ kommt, während derer amerikanische und iranische Unterhändler einander direkt begegnen würden. Das wäre dann auch ein Ort, an dem Sicherheitsgarantien konkretisiert werden könnten.

Aus Iran kommen unterdessen recht unterschiedliche Signale. Einigermaßen verrückt die Behauptung, man mache nun auch große Fortschritte in der Kernfusion; für diese Technologie fehlt es dem Lande nun wirklich an fast allem. Auch, was über die vorgeblichen Fortschritte in der Uran-Anreicherung durchsickert (die ominösen 164 Zentrifugen in Natanz drehten sich die meiste Zeit ungefüllt; was angereichert wurde, war hochreines Urangas aus China, das Iran selbst nicht herstellen kann), nimmt der Atomgefahr etwas von ihrer Unmittelbarkeit. Insofern hat ElBaradei mit seiner wiederholt vorgetragenen Anmerkung Recht, dass Iran keine „gegenwärtige Bedrohung“ sei – unverständlich, wieso dies an diesem Mittwoch Stoff für Agenturmeldungen ist.

Vielleicht aus Mangel an interessanterem Material? Nun, von Donnerstag an ist dieses Problem behoben.

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