Rom

Mit Genugtuung und Rache hatte Silvio Berlusconi gedroht, aber nichts davon traf ein. Die Fernsehsender des Oppositionsführers hatten ihr Publikum seit Wochen darauf eingeschworen, bei den Kommunal- und Regionalwahlen am Sonntag und Montag die neue Mitte-Links-Regierung von Romano Prodi abzuwatschen. Es werde sich nun zeigen, dass die Mehrheit der Italiener noch immer hinter ihm stehe, tönte Berlusconi, und sandte sogar einen persönlichen Brief an alle europäischen Regierungschefs: "Die Hälfte der Leute ist auf meiner Seite. Erinnere dich daran, dass du immer einen Freund in Italien hast."

Doch aus der Demonstration von Stärke wurde nichts. Stattdessen erlitt das "Haus der Freiheiten" eine empfindliche Schlappe. Insgesamt gewann das Mitte-Links-Bündnis "Union" in 14 Städten und fünf Provinzen. Berlusconis Bündnis setzte sich nur in vier Städten und drei Provinzen sowie der Region Sizilien durch. Die Wahlbeteiligung unter den fast 20 Millionen Stimmberechtigten war mit 71,2 Prozent deutlich niedriger als bei den letzten Kommunalwahlen im Jahre 2001. Damals hatten 80,6 Prozent ihre Stimme abgegeben.

In der Hauptstadt Rom sowie in den Millionenstädten Neapel und Turin gewann die Linke mit deutlicher Mehrheit. Fast 62 Prozent für den römischen Bürgermeister Walter Veltroni, 66,6 Prozent für Sergio Chiamparino, den Bürgermeister, der Turin bei den Winterspielen repräsentierte. 58,1 Prozent für Rosa Russo Iervolino in Neapel. Die rechte Mitte gewann knapp in Mailand mit der früheren Bildungsministerin Letizia Moratti, und deutlich mit dem Christdemokraten Salvatore Cuffaro in der Region Sizilien.

Mit 53,1 Prozent der Stimmen ließ Cuffaro, gegen den zurzeit in Palermo ein Strafprozess wegen Begünstigung der Mafia läuft, seine Herausforderin Rita Borsellino (41,6 Prozent) weit hinter sich. Die unterlegene Kandidatin der Union ist die Schwester des 1992 von der Mafia ermordeten Richters Paolo Borsellino und als Mitbegründerin der landesweit operierenden Antimafia-Organisation "Libera", eine Symbolfigur im Kampf gegen das organisierte Verbrechen.

"Cuffaro hat gewonnen, aber ich habe nicht verloren", erklärte Rita Borsellino und kündigte an, sie werde als Oppositionsführerin in die Regionalverwaltung einziehen. Der Präsident der Region hat bei diesen Wahlen gut sechs Prozent der Stimmen eingebüßt. Von den Enthüllungen über Vetternwirtschaft in der äußerst personalintensiven Regionalverwaltung und dem Mafia-Verdacht gegen Cuffaro ließen sich seine 1,3 Millionen Wähler aber offenbar nicht beeindrucken. Die Mafia spielte auch im neapolitanischen Wahlkampf ihre Rolle: Fünf Paten der Stadtmafia Camorra wurden am Montag festgenommen, weil sie angeblich "Schutzgeld" für Wahlplakate erpresst hatten. Zwei Lokalpolitiker der linkskatholischen "Margherita"-Partei wurden angezeigt, weil sie die Camorristi als Wahlkamphelfer engagiert haben sollen.