Mindestens 20 Menschen seien bei den antiamerikanischen Unruhen am Montag getötet und 15 weitere schwer verletzt worden, meldete die afghanische Nachrichtenagentur Pajhwok. Ein dpa-Reporter vor Ort sagte, möglicherweise seien Dutzende Menschen getötet oder verletzt worden. Demonstranten skandierten »Tod für Amerika«. Demonstranten in Kabul bewerfen am Montag ein US-Militärfahrzeug mit Steinen BILD

Über Kabul stiegen Rauchwolken auf. Randalierer warfen Steine. Läden wurden geschlossen. Menschen flohen von den Straßen. Mindestens eine Polizeiwache wurde in Brand gesteckt. In der Stadt waren Schüsse zu hören. UN-Sprecher Adrian Edwards sagte: »Es ist klar, dass eine Tragödie passiert ist.« Er rief zur Ruhe auf.

Alle amerikanischen Soldaten in Kabul wurden einem Bericht des US-Nachrichtensenders CNN zufolge zurück ins Hauptquartier beordert. Die rund 1400 Bundeswehr-Soldaten der Internationalen Schutztruppe (ISAF) in Kabul sind nach Angaben des Einsatzführungskommandos in Potsdam nicht von den Unruhen betroffen gewesen. ISAF-Sprecher Luke Knittig sagte, die Schutztruppe nehme die Lage sehr ernst und habe Schutzmaßnahmen ergriffen. Die ISAF wurde seinen Angaben vom Nachmittag zufolge nicht zum Ziel der Demonstranten.

Die US-Streitkräfte teilten mit, ein Lastwagen mit einem mechanischen Defekt habe zwölf zivile Fahrzeuge gerammt. Nach ersten Erkenntnissen seien ein Zivilist getötet und sechs weitere verletzt worden. Es gebe Anzeichen, dass mindestens aus einem Armeefahrzeug heraus über die Menge geschossen worden sei, als diese nach dem Unfall begann, sich feindlich zu verhalten. »Dies war ein tragischer Vorfall.« Man bedauere, dass es zu Opfern gekommen sei.

Pajhwok meldete unter Berufung auf offizielle afghanische Quellen, ein Afghane sei bei dem Unfall getötet und 17 weitere verletzt worden. Ein Augenzeuge sagte, sieben Menschen seien bei dem Unfall getötet und neun andere verletzt worden. Nach dem Unfall habe eine aufgebrachte Menge den Konvoi mit Steinen beworfen und »Tod für Amerika« gerufen. Die Soldaten hätten in die Luft geschossen, um die Menge aufzulösen.