Die Presse und die Weblogs rund um die Erdbebenzone in Indonesien präsentieren das, was jetzt nötig ist: Listen der wichtigsten Hilfsgüter, Informationen über die besten Versorgungswege, Aufrufe zu weiteren Hilfeleistungen. Zwei Zeitungen freilich, und es sind bedeutende, üben auch Kritik: die Jakarta Post und die japanische Asahi Shimbun . Das indonesische Blatt wird den „Mainstream-Wissenschaftlern“ und den Behörden vor, die Möglichkeit eines Erdbebens, das mit der Aktivität des Vulkans Merapi ursächlich verbunden ist, außer Acht gelassen zu haben. Sie hätten aber Teil eines „worst case scenarios“ sein müssen, auf das man sich hätte vorbereiten können – und eben nicht nur auf Lavamassen und giftige Gase. Die Zeitung kritisiert außerdem die auch von offizieller Seite verbreitete Vorstellung, das lokale Wissen in den Dörfern und Siedlungen der Region könne einen wesentlichen Beitrag zur Katastrophenvorsorge leisten. Das sei „Romantik“, mehr nicht.

Die japanischen Kollegen weisen ebenfalls darauf hin, dass es sich nicht unbedingt um ein rein tektonisches Geschehen gehandelt haben muss, schreiben aber: „Wie auch immer, es ist in jedem Fall nötig, dass die Regierungen (der Region) zusammenarbeiten und die Plattenbewegungen beobachten.“ Eine andere Frage laute, wie die Zahl der Opfer in solchen Fällen verhindert werden könne. Viel Unheil richteten zusammenfallende Steinbauten an, ein Problem, an dem ja auch in Japan gearbeitet werde. Dort existierten Bauvorschriften für erdbebensichere Häuser – „Tatsache aber ist, dass in Entwicklungsländern die Erdbebensicherheit der Gebäude nicht oben auf der Tagesordnung steht.“ Weshalb das Blatt einen Vorschlag aus der Tokioter Universität propagiert: Unter geringen Kosten ließen sich aus Steinen gebaute Wände sichern, wenn man sie zusätzlich mit reißfestem Packband bewehrte. Der Vorschlag klingt möglicherweise ein wenig verrückt, doch wenn sich die Berechnungen der Baufachleute aus Japan als fehlerfrei erweisen und experimentell bestätigen ließen, dann könnte dies tatsächlich eine praktische Maßnahme sein, die weder Reichtümer noch Bürokratie oder besondere Fachqualifikationen voraussetzt. Eine Maßnahme von vielen freilich, die nötig wären, die gefährdeten Orte der Welt vor dem Schlimmsten zu bewahren.

Auffällig ist noch etwas anderes: Die Medien der Großregion, die Weihnachten 2004 von dem Tsunami heimgesucht worden war, halten sich mit Katastrophenberichten eher zurück. Hoffentlich ist dies nicht Ausdruck einer Abstumpfung .