Raubkopierer

Schlag gegen eDonkey

Haussuchungen, Beschlagnahmen, Strafanzeigen: Industrie und Polizei gehen gegen Musiktauscher vor.

Im Kampf gegen den illegalen Tausch von Musiktiteln im Internet ist der Kölner Staatsanwaltschaft der bisher größte Schlag in Deutschland gelungen. Bundesweit gab es 130 Hausdurchsuchungen, insgesamt wurden 3500 Verdächtige identifiziert. Sie sollen jeweils bis zu 8000 Dateien über die Tauschbörse eDonkey angeboten haben. Gegen alle Beschuldigten wurde ein Ermittlungsverfahren eingeleitet. Die Aktion soll zusammen mit der IFPI (International Federation of Phonographic Industry) und der „proMedia Gesellschaft zum Schutze geistigen Eigentums“ durchgeführt worden sein, wie heise online berichtet.

Erst im Februar hatten belgische Behörden einen eDonkey-Server in Zaventem - und damit einen der letzten großen Server der Tauschplattform - beschlagnahmt. Über den Server "Razorback2" sollen nach Angaben des amerikanischen Filmbranchenverbands MPAA (Motion Picture Association of America) bis zu 1,3 Millionen Nutzer gleichzeitig auf einen Index von urheberrechtlich geschützten Dateien zugegriffen haben.

Dank einer ausgefeilten Technologie lassen sich über eDonkey selbst große Dateien wie ganze TV-Serien und Kinofilme in relativ kurzer Zeit verbreiten. Auch deshalb soll die Popularität von eDonkey vor allem in den vergangenen zwei Jahren deutlich gestiegen sein. Zudem war die alternative Plattform KaZaa zunehmend ins Visier der Musik- und Filmindustrie geraten und wurde in der Vergangenheit massenhaft mit fehlerhaften Dateien überschwemmt.

Da über ein großes Nutzer-Netzwerk urheberrechtlich geschützte Dateien wie Musik schnell und unkompliziert verbreitet werden können, ist die Technik selbst - die dieses Tauschen ermöglicht - wiederholt in die Kritik geraten. Sie funktioniert nach dem Prinzip der Dezentralisierung mit vergleichsweise wenig Rechenkapazität und kann so besonders günstig große Mengen an Informationen schnell verfügbar machen. Damit ist diese Technik aber auch in Universitäten oder Forschungseinrichtungen ein attraktives und viel genutztes Kommunikationsmodell.

Lesen Sie hier eine Analyse und Kritik des neuen Urheberrechts.

Anzeige
Anzeige
Leser-Kommentare

  1. Es mussten wohl der Musikindustrie mal ein paar Erfolge präsentiert werden, obwohl doch das Recht auf die 'Privatkopie' gerade erst eingeschränkt wurde. Ein Freund von mir war unter den 130 Hausdurchsuchungen und dies wohl zu unrecht. Es wurde der Geschäftnotebook beschlagnahmt auf dem sich auch seine ganze MP3 Sammlung von sage und schreibe SIEBEN Liedern befindet und noch ein paar selbstgebrannte CDs mit Urlaubsbilder und darunter wohl auch ein Kinofilm. Die Ausbeute ist also Denkbar mager, von 8000 Files keine Spur. Hier werden große Erfolge verkündet obwohl man dann doch nur wieder die falschen erwischt hat. Ich kenne dutzende Leute, die es mit größerer Berechtigung htte treffen sollen. Naja, Sie drucken solche Meldungen ja trotzdem ohne Überprüfung.

  2. Es ist schon erstaunlich: Da existiert eine neue Technologie - die P2P Tauchbörsen - zum nutzen aller. Jedenfalls der allermeisten. Genau gesagt: zum Nutzen derer, die es sich aus Mangel an finanziellen Mitteln nicht leisten können, in der Woche Dutzende von CD's und DVD's zu kaufen. Schüler, Studenten, Arbeitslose. Das passt natürlich den Herstellern dieser Medien nicht, schließlich kann sich jeder eine CD leisten, wenn er nur auf drei oder vier Mahlzeiten in der Woche verzichtet, das Volk wird ohnehin immer fetter.

    Flugs nutzen die Produzenten also ihre Lobbymacht. Und wohl wissend, dass die Gegenseite über keine Lobby verfügt, wohl wissend um die technische Unbedarftheit der Volksvertreter, drückt sie ein Gesetz durch zu ihrem eigenen Frommen. Fortan sind alle, die die grundgesetzlich garantierte Freiheit der Information für sich in Anspruch nehmen, kriminell.

    Dass nun die Strafverfolgungsbehörden beim Zuschlagen helfen, ist nicht weiter verwunderlich. Das sind Beamte, deren Pflicht es ist, dem Gesetz Geltung zu verschaffen. Es bleibt zu hoffen, dass wenigstens ein Staatsanwalt darunter war, der insgeheim auf ein Grundsatzurteil von höchster Stelle hofft.

    Denn die Tatsache, dass sich unter den Anbietern auf solchen Tauschbörsen welche mit mehreren tausend Abgeboten befinden, kann man auch so interpretieren: als Beweis für die Selbstverständlichkeit, mit der Musik heute in der Bevölkerung als Information betrachtet wird - und nicht als Produkt, für das es zu bezahlen gelte.

    Nicht die Tauschbörse ist skandalös, das Gesetz ist es, auf dessen Grundlage sie unterdrückt werden. Denn sowohl unseren Volksvertretern, als auch (und vor allem) der Medienindustrie sollte man es immer wieder um die Ohren schlagen: Eine Zensur findet nicht statt.

    Ach ja: Musiker und Komponisten finden immer ein Publikum, das bereit ist, für ihre Kunst zu bezahlen: nämlich auf Live-Konzerten. Zu dumm aber auch, das dabei der Betriebswirt leer ausgeht. Und Dieter Bohlen vermutlich auch.

  3. Ich möchte nur mal eine kleine These aufstellen die mir nicht aus dem Kopf geht, die ich aber nirgend wo anders bisher gelesen habe. Was denn wenn diese ganze Hausdurchsuchungs-großer-Schlag-gegen-die-dunkle-Seite-der-Macht nur eine Ente ist???

    Nichts, aber auch wirklich gar nichts hat sich seitdem geändert die emule-Link-Seiten laufen weiterhin über, mit validen Links auf sämtliche Pop und Kino-Perlen der letzten 60 Jahre. Niemand schert sich um die ganze Geschichte, ja noch nicht einmal Server sind aus den Listen verschwunden.

    Ich glaube das das ganze ein billiger Versuch ist die größten Teils unwissende Bevölkerung generell vor dem Herunterladen von Raubkopien abzuschrecken.

    Meine Meinung! Peace!

    • 20.08.2006 um 0:13 Uhr
    • bbonur

    sicherlich kein Schritt zur positiven Entwicklung des weltumspannenden Potentials, das in diesem Medium steckt.Der Versuch mit unserer habgier geschulten Hundeleine einen Löwen gassi zu führen.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service