Keine Sorge, diesmal sind es nicht unsere Nachbarn die Holländer, die der Weltmeisterschaft fernbleiben. Aber 300.000 VIPs, also besonders wichtige Fußballfans werden die WM wohl doch nur am Fernseher oder vor der Leimwand verfolgen können. Hintergrund ist ein „Fehler“ der Schweizer International Sports and Entertainment Hospitality AG, kurz ISE. Das behauptet zumindest das WM Organisationskomitee. Die Schweizer Firma hatte VIP-Karten an 5500 Unternehmen weiterverkauft, zu Preisen zwischen 900 Euro für Einzeltickets bis 180.000 Euro (!) für ein „Rundum-Glücklich-Gruppenangebot“. Echte Schnäppchen also, aber was tun Firmen nicht alles für die Zufriedenheit ihrer besonders wichtigen Kunden.

So weit so gut, das Problem ist nur, dass trotz eindeutiger Anweisung des Bundesinnenministeriums das Kartenkontingent der ISE nicht personalisiert worden ist, d. h. es liegen keine Daten über ihre Empfänger vor. Die ISE monierte, dass man zu spät über den Personalisierungszwang informiert worden sei und verwies auf technische Probleme. Das deutsche Organisationskomitee lässt solche Ausreden nicht gelten und die Behörden fürchten schon um die Sicherheit in den Stadien, wenn 300.000 nicht registrierte VIPs die Ränge stürmen. Sicherheit ist aber mitnichten das Einzige, worum sich Deutschlands Behörden in diesem Zusammenhang Gedanken machen. Ein trauriger deutscher Fan im Stadion, ein Bild dass sich bei der WM wiederholen könnte - dann allerdings außerhalb der Spielstätten BILD

Die Karten, die oft als Geschenke an gute Kunden, Prominente oder Politiker gehen sollten, stellen nämlich auch einen „geldwerten Vorteil“ dar, und werden somit hoch besteuert. Schlimmer noch, Politiker, die solche Geschenke annehmen, könnten sich gar der verbotenen Vorteilsnahme schuldig machen. In Baden-Württemberg ermittelt die Staatsanwaltschaft bereits in einigen Fällen. Dass da die Verunsicherung bei den VIPs wächst, ist doch nur verständlich. WM gucken bei Canapés, Champagner und unter seinesgleichen – Ja, dafür Extra-Steuern zahlen – wohl kaum!

Dennoch scheinen die gegenseitigen Schuldzuweisungen bei den Offiziellen von FIFA und WM-OK mehr als unangebracht. Weder die eine noch die andere Seite hat sich beim Thema Ticketvergabe mit Ruhm bekleckert. Im Spagat zwischen Sicherheit und Profitmaximierung werden alllmählich die Grenzen deutlich, an die das globale Großereignis Fußballweltmeisterschaft stößt. Die wahren Leidtragenden sind wieder mal die echten Fans. Diejenigen, die sich in stundenlanger Geduldsarbeit, durch den verwirrenden Online-Verkauf geklickt haben, dabei alle möglichen vertraulichen Daten preisgeben mussten, nur um am Ende festzustellen, dass sie doch keine der, im übrigen gerade für Nicht-VIPs immens teuren Karten, ergattern konnten.

Wen wundert’s, waren doch nur gut ein Drittel der 3.070.000 WM-Tickets für den öffentlichen Verkauf bestimmt. Es stellt sich die Frage, was sich die Verantwortlichen bei der FIFA und dem deutschen WM-OK gedacht haben mögen, als sie die Vergabe der Eintrittskarten planten. Mehr noch, an wen haben sie eigentlich gedacht. Fußball als Volkssport Nummer Eins? Das war einmal. Funktionäre, Politiker und VIPs sollen in den Stadien für Stimmung sorgen. Ungeachtet der Forderungen des OK werden sie wohl trotzdem in die Stadien gelassen werden, aus Imagegründen und weil der VIP-Status eben auch eine gewisse Vorzugsbehandlung beinhaltet. Dem „gemeinen“ Fußballfan bleibt „ Public Viewing “ und die Erkenntnis nur noch zum Kauf von Mechandising-Artikeln benötigt zu werden, denn die bekommen die VIPs ebenfalls geschenkt.