Atomkonflikt Boeing-Teile für die Mullahs
EU-Chefdiplomat Solana hat der iranischen Führung ein Kompromissangebot überreicht. Dazu soll die Lieferung von Flugzeugteilen gehören. Teheran will den Vorschlag prüfen
In dem Papier, das Solana am Dienstag in Teheran dem iranischen Chefunterhändler Ali Laridschani übergab, wird dem Land ein Paket von wirtschaftlichen, wissenschaftlichen und politischen "Anreizen" in Aussicht gestellt. Es soll Teheran mit »Zuckerbrot und Peitsche« dazu bringen, seine umstrittene Urananreicherung auszusetzen. Als Gegenleistung wird dem Land angeboten, langfristig die Versorgung mit nuklearen Brennstoffen für Leichtwasser- und Forschungsreaktoren zu garantieren, die mit niedrig angereichertem - also nicht waffenfähigem - Uran arbeiten.
Offiziell wurde bisher wenig bekannt, was in dem Paket enthalten ist. Angeblich bieten die USA Iran unter anderem erstmals seit 27 Jahren die Lieferung moderner Boeing-Flugzeugteilen für seine alternde Flotte an, berichtet die New York Times . Zudem könnten die Sanktionen so gelockert werden, dass Teheran der Import amerikanischer Agrartechnologie ermöglicht werde.
Wegen der US-Sanktionen seit der iranischen Revolution 1979 konnten seither praktisch alle iranischen Passagierflugzeuge nicht modernisiert werden. Die Sanktionen betrafen auch Maschinen des europäischen Konkurrenten Airbus, wenn diese Teile verwenden, die in den USA produziert werden.
Auf das Angebotspaket hatten sich die USA, die EU-Länder Deutschland, Frankreich und Großbritannien sowie Russland und China bei einem Außenministertreffen am Donnerstag verständigt. Teheran hat bereits zugesagt, die Vorschläge des Westens genau zu prüfen. Einen Stopp der Urananreicherung wird es jedoch nicht geben, "Wir werden den Vorschlag sorgfältig prüfen und dann unsere endgültige Entscheidung treffen", sagte Präsident Mahmud Ahmadineschad am Wochenende.
Ahmadineschad bekräftigte das "unbestreitbare Recht" seines Landes auf die Urananreicherung. "Bei diesem Punkt wird es keinen Kompromiss und nicht einmal Verhandlungen geben." Die Iraner seien dem Weltfrieden verpflichtet, aber sie akzeptierten keine Bedingungen und Drohungen. "Die iranische Nation ist wie die wilde Brandung des Ozeans, die jeden Angreifer an den Felsen zerschmettern würde", sagte der Präsident unter Anspielung auf militärische Drohungen im Atomstreit.
Nach den Worten von US-Außenministerin Condoleezza Rice sehen die USA in den bisherigen Äußerungen aus Teheran keine generelle Ablehnung des Angebots. Die Vorschläge müssten erst übergeben werden und danach müsse man der iranischen Führung etwas Zeit geben, die Situation zu überdenken. Die Antwort müsse dann in Wochen und nicht in Monaten erfolgen, sagte Rice. Die internationale Gemeinschaft sei nicht bereit zu warten, während der Iran weitere Fortschritte bei seinem Atomprogramm mache. "Das ist kein Angebot für den Iran zu einem großen Tauschhandel", sagte Rice.
Der EU-Außenbeauftragte Solana drohte Teheran "erheblichen Druck" an, falls das Land das Angebot der fünf Vetomächte und Deutschlands ablehnen sollte. Solana sagte der Zeitung Die Welt : "Wenn die iranische Führung das neue Angebot zurückweisen sollte, wäre das ein klarer Beweis, dass sie nicht Energie wollen, sondern Nuklearwaffen. Das wäre ein gewaltiger Fehler." Er fügte hinzu: "Iran wird dann unter erheblichen Druck kommen, und wir werden die entsprechenden Maßnahmen ergreifen."
Solana sagte, er sei nicht sicher, ob die iranische Regierung das Angebot annehmen werde. "Wir haben jedenfalls ein großzügiges und substanzielles Angebot geschnürt. Es soll dem iranischen Volk, aber auch der ganzen Welt zeigen, dass wir dem Iran helfen wollen, das zu bekommen, was sie haben wollen: Elektrizität, produziert von Nuklearanlagen."
Der Ölpreis war am Montag, nach den jüngsten Drohungen Ahmadineschads, in dem Konflikt Öl als Waffe einzusetzen, auf den höchsten Stand seit drei Wochen gestiegen. Ein Barrel (159 Liter) leichtes US-Öl der Sorte WTI hatte sich im asiatischen Handel auf 73,25 Dollar verteuert. Wegen der Hoffnung auf eine Einigung mit dem Iran sank er jedoch am Dienstag wieder. Ein Lieferstopp des iranischen Öls, das derzeit immerhin fünf Prozent des weltweiten Angebots ausmacht, könnte Schätzungen der Internationalen Energieagentur zufolge durch andere Förderländer nicht ausgeglichen werden.
- Datum 06.06.2006 - 04:11 Uhr
- Quelle ZEIT online, dpa 5.6.2006
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Der Vergleich hinkt. Drogen sind illegal, Erdöl kann man problemlos kaufen! Und der letzte der durch Beschaffungskrimminalität beim Erdöl aufgefallen ist, war Saddam Hussein! In Deutschland gingen damals übrigens hunderttausende auf die Straße und forderten das man ihm die Kuwaitischen Ölquellen lässt... J.S.
Es mutet merkwürdig an, Verhandlungen für den Fall in Aussicht zu stellen, wenn der Gegenstand, um den letztlich verhandelt werden soll, von der einen Seite erst einmal aufgegeben werden muss.
Das hat dann mit einem "Angebot" nichts zu tun. Verhandlungen sollten dahingehend offen sein, dass eine Seite nicht die Punkte, die strittig sind, als Voraussetzung definiert.
Den Konflikt ausschliesslich unter der Betrachtung des Ölpreises wahrzunehmen, ist schon arg zynisch. Ein hoher Ölpreis hätte viele Vorteile - er würde endlich einmal einen Zwang ausüben, sich ernsthaft um Alternativen zu kümmern die jenseits einer Scheindichotomie "Öl - Atomkraft" liegen.
Spielen nur kurzfristig eine Rolle, wir haben es aber mit einem mehrjährigen Anstieg des Öl-Preises zu tun. Um spekulieren zu können, muss man etwas lagern können, das an Wert zunimmt. Das ist bei Erdöl aber schwierig, weil das sehr viel Platz erfordern würde. Der Titel des Artikels lautet aus gutem Grund "Drohung treibt Ölpreis"! Ebenso daneben ist der Versuch die Öl-Preissteigerung den Ölkonzernen in die Schuhe zu schieben, denn die Leben nicht vom Öl-Preis, sondern von der Differenz zwischen dem Öl-Preis im Förderland und dem Preis an der Tankstelle. Wie viele hier wissen eigentlich was die Buchstaben OPEC bedeuten? Und wie viele, haben schon mal von "Angebot und Nachfrage regeln den Preis" gehört? J.S.
Die Terroristen im Irak sorgen durch Sabotage der dortigen Erdölindustrie ebenfalls für einen satten Anstieg bei den Öl-Preisen. Zeitweilig kam der gesamte Erdölexport des Irak zum erliegen. Und auch da gibt es Hinweise auf Verbindungen zwischen Iran und den Terroristen. J.S.
Nach meiner Ansicht ist nicht die iranische Ankündigung eines Lieferstopps im Falle eines militärischen Angriffes Ursache für eine erneute Teuerung
Es sind die (vorwiegend amerikanischen) Ölkonzerne, die jedes noch so abstruse Argument als Vorwand missbrauchen, den Ölpreis hoch zu schrauben. Der Pfingstverkehr ist gelaufen, da kommen die iranischen Mullahs gerade recht. Aber wir haben ja die westliche Marktfreiheit, wir sind ja so liberal und brauchen den Staat am Ende nur noch für polizeiliche und militärische Aufgaben.
Wann soll denn der kommen? Und wie? Wohl kaum ohne ausländische Hilfe, wo wir wieder bei der Einmischung des Auslands in interne Angelegenheiten wären und damit auch "Völkerrecht" gebrochen werden würde. In 20 Jahren müssten sich die Amis wohl dann anhören, dass die erst einmal einen Schah an die Macht gebracht haben und dann widerrechtlich das Mullah-Regime gekickt hätten. Das müssen sie sich ja auch schon wegen Afghanistan anhören. Man kann auch zu lange warten.
Der Ölpreis wird nicht von Ölfirmen bestimmt, sondern von Spekulanten, die auf möglichen Angebot-Nachfrage Situationen reagieren. Hätten die Ölfirmen darüber Macht, hätten die schon viel früher hohe Ölpreise druchgedrückt, sonst wären die ja sehr bescheuert, solange darauf zu warten.
Das sind alles ein paar Verschwörungstheorien zu viel.
In den letzen Jahren hat wohl jeder Pups den Ölpreis in die Höhe getrieben.
Egal aus welcher Richtung Drohungen kommen, es wäre doch wohl ein leichtes, nicht immer sofort mit Ölpreiserhöhung zu reagieren. Oder sehe ich das falsch?
Mir geht diese GANZE hysterische Preistreiberei auf den Nerv.
Und dann wagt es auch noch der Iran druck auszuüben. Na sowas!
Wieviel Druck hat denn der Iran einstecken müssen? Egal wer und wie man diesem Land begegnet, es sind immer Ultimaten und Druck dabei.
Die Reaktion des Iran wundert mich nicht wirklich.
Und da zeigt sich in dem Beitrag von @Iceman mehr Wahrheit, als manche hier denken.
Die Spannung und der Druck werden mit aller Macht aufrecht erhalten. Von einer Entspannung ist keine Spur!
Wir müssen auf den Iran wie ein schmieriger Versicherungsvertreter wirken, der eine obskure Versicherung anbietet, die unbedingt noch heute abgeschlossen werden muss, weil sonst...
Eines noch: Ein "aufgeklärter" Iraner kann meines Erachtens kein Freund der USA sein.
Aber bilden Sie sich bitte ihre eigene Meinung.
http://www.zeit.de/2003/3...
http://www.zeit.de/2004/0...
http://www.zeit.de/2004/4...
Es geht ja beim Problem "Iran" wohl weniger um den Ölpreis als vielmehr um die Frage, ob dieses Land die Fähigkeiten zum Bau einer Atombombe haben sollte. Und darauf erscheint es fast unausweichlich mit "Nein" zu antworten. Obwohl ich jetzt schon den Aufschrei der Geschichtsverdreher und Schlusspunktexperten höre, fühle ich mich gezwungen, Parallelen zwischen München 1938 und Teheran 2006 aufzuzeigen. Damals dachten die Franzosen und Engländer auch, den Frieden durch Nachgeben kaufen zu können. Aber das Verhalten und vor allem die Worte des iranischen Präsidenetn erinnern doch allzu sehr an das Geschrei des deutschen Führers und auch an seine alle Gutmenschen zum Einknicken bringenden Worte, man wolle ja nur erlittenes Unrecht wiedergutmachen.
Was folgte, weiss man ja und was die Konsequenzen der Atombombe in iranischer extremistischer Hand sein könnten, wagt man sich nicht auszumalen.
Um den bösesten Kritiken gleich den Wind aus den Segeln zu nehmen: jeder einigermassen aufgeklärte Mensch weiss, dass die Iraner ein hochkultiviertes und sicher in den weitesten Teilen friedlienbendes Volk sind, der Propaganda sind sie aber doch unterworfen. Und war nicht eine der Beweggründe der 68er Bewegung zumal in Deutschland, dass Kultur und Bildung nicht vor Völkermord und Krieg schützen?
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