Debatte : Freibrief für politische Idiotie

Botho Strauß nimmt Peter Handke nicht nur in Schutz, er stilisiert ihn gar zum neuesten Märtyrer einer "Lea-Rosh-Kultur", in der sich deutscher Geist nur geduckt bewegen soll. Ein Kommentar

Wer solche Verteidiger hat, braucht keine Ankläger mehr: Botho Strauß nimmt seinen Schriftstellerkollegen Peter Handke in Schutz gegen die Kleingeister, die Handke wegen seiner Äußerungen zu den Kriegen in Jugoslawien den Heine-Preis nicht gönnen mögen. BILD

In der FAZ stellt Strauß Handke in eine Reihe mit Ezra Pound, dem Mussolini-Bewunderer, mit Carl Schmitt, dem Kronjuristen des Dritten Reiches, mit dem Heidegger der Rektoratsrede von 1933, und mit Bertolt Brecht, der den Massenmörder Stalin im Namen der Dialektik in Kauf nahm.

Welch eine infame Reihung: Schmitts Beteiligung an den Nürnberger Rassegesetzen, Pounds Judenhass, Heideggers NS-Begeisterung und Brechts Inhumanität im Namen der marxistischen Geschichtslogik werden als bedauerliche Irrtümer großer Dichter und Denker in einen Sack zusammengepackt. Nebenkosten der Genialität, Kollateralschäden denkerischen Eigensinns. Nachfragen unerwünscht.

Trotz alledem bleiben, so Strauß, diese Autoren „überragend“, „einflussreich“, „nachhaltig“, „beherrschend“. Und so bleibt auch der „angebliche Sänger des großserbischen Reichs, Peter Handke (...) nicht nur der sprachgeladenste Dichter seiner Generation, sondern wie nur Überragende es sind, ein Episteme-Schaffender, eine Wegscheide des Sehens, Fühlens und Wissens in der deutschen Literatur.“

Der „sprachgeladenste“? Der falsche Superlativ - ausgerechnet dort, wo Handkes Sprachmacht gepriesen werden soll – ist kein Unfall. In Strauß’ Text läuft ganz grundsätzlich etwas schief. Solch kitschiger Bombast unterläuft Strauß immer wieder, wenn er vom Ressentiment davongetragen wird.

„Schuld und Irrtum“ sollen wir also als „Stigmata (im Grenzfall sogar Stimulantien) der Größe“ erkennen. Und damit basta! Wer noch Fragen hat, sieht sich als politisch korrekter Spießer verunglimpft, der „unserer konsensitiv geschlossenen Öffentlichkeit“ das Wort redet.