Demografie Überschätzung der Kinderlosigkeit
Mit dem neuen Mikrozensus präsentiert das Statistische Bundesamt keine aktuellen Zahlen zur Kinderlosigkeit. Dafür aber eine neunseitige Erklärung, warum solche Daten eigentlich nicht zu gebrauchen sind. Ein Kommentar
Die Leute vom Statistischen Bundesamt müssen einem Leid tun. Wenn man sie nach dem Anteil kinderloser Frauen fragt, können sie nur falsch antworten. Das ist nichts Neues: Der Mikrozensus als einzige amtliche Quelle liefert nur grobe Schätzungen zur Kinderlosigkeit. Dass darum weit weniger als 40 Prozent der Akademikerinnen ohne Kinder bleiben – wie es früher veröffentlicht worden war – spricht sich langsam herum. Neu ist, dass die amtlichen Statistiker das nun selbst öffentlich zugeben.
Neben dem Körpergewicht der Deutschen und allerlei Daten zu Familien und Haushalten legte das Bundesamt heute mit der Auswertung der Mikrozensusbefragung 2005 nicht etwa auch neue Zahlen zur Kinderlosigkeit vor. Stattdessen aber einen Leitfaden, wie die ehemals publizierten Werte zu verstehen seien. Von einer tendenziellen “Überschätzung der lebenslangen Kinderlosigkeit von Akademikerinnen” ist da zu lesen in der neunseitigen Erläuterung – eingebettet in ein ganzes Wirrwarr von Prozentschätzungen zu kinderlosen Frauen verschiedenen Alters mit verschiedenen Hochschulabschlüssen.
In der öffentlichen Auseinandersetzung um die Zahlen ist das ein cleverer Schachzug der Wiesbadener. Niemand kann den Statistikern mehr vorwerfen, ihre Daten seien falsch. Jede einzelne Prozentangabe aus dem Mikrozensus ist richtig. Nur steht jetzt erstmals deutlich dabei: Keine dieser Zahlen ist die endgültige Kinderlosigkeit von “Akademikerinnen”. Erstens, weil jede Veröffentlichung - auch auf Grundlage anderer Datenquellen als des Mikrozensus - unter “Akademikerinnen” etwas ganz anderes versteht: Sind es Universitäts- oder Fachhochschulabsolventinnen, oder beide? Redet man über ehemalige Studentinnen aus Ost- oder Westdeutschland, oder über einen Durchschnittswert? Werden auch ausländische Absolventinnen dazugerechnet? In jedem Fall ist das Ergebnis ein anderes – mal mehr, mal weniger dramatisch. Hier zu differenzieren wäre schon immer nötig gewesen – das hätten die Medien tun müssen.
Wichtiger ist jedoch der zweite Punkt, den das Bundesamt am Dienstag schwarz auf weiß und en detail dargelegt hat: Egal für welche Gruppe - genau können wir die Kinderlosigkeit gar nicht wissen . Weil sie im Mikrozensus überhaupt nicht erfragt wird, und aus den in den Haushalten gesammelten Daten Pi mal Daumen herausdestilliert werden muss.
Die Statistiker werden nach ihrer Erklärung vermutlich das Gefühl haben, den schwarzen Peter in der Debatte um die richtigen Zahlen endlich los zu sein. Dabei hatten sie ihn nie. Das wird nun nur noch deutlicher: Schuld am Datenmangel ist die Politik. Will sie sich in Sachen Kinderlosigkeit anständig von der Wissenschaft beraten lassen, muss sie endlich dafür sorgen, dass die eine, aber entscheidende Frage nach der Zahl der leiblichen Kinder im Mikrozensus gestellt werden darf. Genau das nämlich hatte der Bundesrat per Beschluss 2004 verhindert – sehr zum Unverständnis der Forscher.
Dass nun erstmals auch das Statistische Bundesamt den Mut findet, öffentlich eine solche Frage als “einfache und effiziente Lösung” zur aussagekräftigen Datenerhebung anzupreisen, ist ein großer Fortschritt. Endlich ziehen amtliche Statistik und Wissenschaft auch ganz offiziell an einem Strang. Jetzt kann der nächste Schritt folgen: Gemeinsam das demografische Datenbedürfnis gegenüber der Politik durchzusetzen, die über ihre eigene Handlungsgrundlage entscheiden muss.
Mehr zum Thema Kinderlosigkeit und ihren Folgen für die Zukunft Deutschlands erfahren Sie im großen Wissen-Spezial von ZEIT und ZEIT online - ab Donnerstag, in der Zeitung und hier, bei uns, im Netz
- Datum 07.06.2006 - 12:31 Uhr
- Quelle ZEIT online 6.6.2006
- Kommentare 40
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:







Männer wollen keine Kinder, weil sie Angst haben, dass andere Männer davon irgendwie profitieren könnten?
Meinen Sie das so?
Ja, haben denn Männer wirklich solche finanziellen Ängste? Warum? Mein Vater, meine Großväter, meine Urgroßväter, alle haben Familien ernährt.
Woher kommt denn, nun offensichtlich seit mindestens dreißig Jahren, diese Panik?
Haben die Männer Angst, von Frauen Scheidung mit fürstlichem Unterhalt - abgezockt zu werden, oder fürchten sie, von anderen Männern z. B. Kinderlosen, die dann fürstliche Renten kassieren, ohne Kindern Taschengeld gezahlt zu haben - übers Ohr gehauen zu werden? Oder beides?
Und welche Rolle spielt bei alledem der Mechanismus der Projektion, also die eigenen (üblen?) Absichten im anderen zu sehen und dort zu bekämpfen?
Die Gleichsetzung von Kinderlosen und Alleinstehenden im Diskurs muss aufhören!
Alleinstehende ohne Kinder sind die Verlierer bei Hartz IV, besonders, wenn sie früher gut verdienten.
Hartz IV Empfänger mit Kindern haben mehr Geld zur Verfügung als Alleinstehende. Gewinner bei Sozialleistungen sind Familien mit zwei Elternteilen und mehreren Kindern. Wenn die Eltern dann auch noch schwarz arbeiten, gewinnen die sogar ordentlich. Alleinstehende dagegen sind mies dran. Alleinstehende ohne Schwarzarbeit noch mieser. Für entsprechend sozialisierte Leistungsempfänger dürfte die finanzielle Situation mit Kind daher keinen Abschreckungstatbestand darstellen.
Ich persönlich allerdings will überhaupt kein Sozialfall werden. Ich will auch keinem Kind zumuten, Sozialfall zu sein.
Ein kinderloses Doppelverdienerpaar ist finanziell begünstigt. Wenn die Kinderlosigkeit allerdings biologisch bedingt und somit unfreiwillig ist, sollten die Leute nicht auch noch bestraft werden durch Hetze.
Die Bevorzugung kinderloser Doppelverdienerpaare sollte von der Situation echt alleinstehender Kinderloser streng getrennt werden. Die einen, die kinderlosen Doppelverdiener, sind die klaren Gewinner, die echt Alleinstehenden die klaren Verlierer des Systems. Die Familien liegen irgendwo dazwischen.
Finanzielle Anreize für Arbeitgeber, irgendwelche Leute, egal um welchen Personenkreis es sich handelt, einzustellen, halte ich für bedenklich. Dies führt nur zu Mitnahmeeffekten. Freistellung für Einkommen bis 1000,00 von allen Belastungen befürworte ich aber, damit Leute von geringem Einkommen leben können, auch als Freiberufler übrigens. Aber Anreize? Dann schickt der eine seine Ehefrau weg und der andere stellt sie als Halbtagskraft ein, kassiert den Anreiz, und die echt Alleinstehende, die den Job wirklich bräuchte und natürlich erledigen könnte, gegen die aber Vorurteile bestehen und die halt nicht drin ist im System, bleibt weiter draußen. Nein! Es müssen diejenigen Frauen und Männer mit Arbeitsplätzen versorgt werden, die sie brauchen. Die gutsituierten Ehemänner sollen für ihre abgelegten Gattinnen gefälligst Unterhalt zahlen. Die können es sich doch leisten!
Wären Frauen im Arbeitsleben gleichberechtigt, und zwar bis in die höchsten Positionen, in der Breite, nicht in Einzelfällen, und würden Männer gleichberechtigte Frauen auch in der Partnerschaft, während diese besteht, akzeptieren und die Berufstätigkeit einer Frau nicht nur als Entsorgungsmöglichkeit für abgelegte Gattinnen auffassen, wäre sicher viel gewonnen.
Wieso sollten Risiken einer Partnerschaft mit Kindern eigentlich unkalkulierbar sein? Es ist doch selbstverständlich, dass ein Vater für seine Kinder sorgen muss. Mann und Frau können einen Vertrag schließen. Dann ist die Sache geregelt.
Ich habe aber den Verdacht, dass es, wieder mal, gar nicht unbedingt um Mann und Frau geht, sondern um einen Kampf zwischen Männern. Wer haut wen übers Ohr. Kriegt der ohne Kinder vielleicht mehr von irgendwas als der mit Kindern oder umgekehrt. Die Frauen sind dabei womöglich eher egal, solange sie zum Sex bereit sind jedenfalls, und die Kinder sind sowieso wurscht.
Letztlich alles also nichts als ein Hahnenkampf?
Vorweg: ich hatte nicht die Absicht, Sie - oder sonst jemand - persönlich als "Parasiten" zu bezeichnen. Sorry, da ist mir der Gaul durchgegangen. Ich weiß ja: so, wie unser System derzeit aufgebaut ist, handelt jeder ökonomisch vernünftig, der kinderlos bleibt. Das SYSTEM ist verkehrt. Der Erfinder unseres "Generationenvertrages", W. Schreiber, hat es vorhergesehen - man wollte nicht auf ihn hören.
Der einzelne Kinderlose ist sich meist nicht bewußt, daß er ohne sachlichen Grund teilweise auf Kosten anderer lebt. Aber er tut es - und das ist nun mal die Definition für parasitäres Verhalten. Es tut mir leid, aber das ist die Wahrheit - die nun aber Kinderlose nicht hören wollen (deshalb die drastische Ausdrucksweise, die Sie kritisieren). Das nämlich ist MEINE Erfahrung, und sie deckt sich mit der vieler Vordenker, etwa des sehr engagierten Prof. Adrian aus Mainz: Kinderlose WOLLEN ES NICHT HÖREN. Sie wollen auf ihr Privileg nicht verzichten, auch nicht, wenn er auf Kosten anderer erzielt wird, wenn es auf Ausbeutung beruht.
Ihre persönliche Situation ist bedauerlich. Aber warum Sie sich von einer Hetze gegen Kinderlose bedroht fühlen, kann ich nicht nachvollziehen. Soll man über die hohe Kinderlosigkeit und ihre Ursachen, die so offensichtlich den Nachwuchsmangel in Westdeutschland hervorruft, nicht mehr reden? Ist es Hetze, wenn ich anprangere, daß vergleichbare Kinderlose gleichen Einkommens deutlich stärker von meinen Kindern profitieren sollen als die eigenen Eltern (was Sie übrigens nicht bestritten haben)? Wer will außerdem Ihnen etwas wegnehmen? Alle vorgeschlagenen Maßnahmen würden Sie erst dann treffen, wenn Sie wieder eine reguläre Arbeit haben.
Sie schreiben, aus meiner Position spreche viel Neid. Das täuscht. Mir persönlich geht es ziemlich gut, glücklicherweise; und ich bedaure zutiefst jeden Menschen, der die Erfahrung eigener Kinder nicht machen darf. Außerdem bin ich davon überzeugt, daß das heutige System an die Wand fährt - und daß die heute Kinderlosen dann vergeblich darauf warten werden, von der jungen Generation gemäß dem Versprechen des Systems unterstützt zu werden. Nein, ich beneide die Kinderlosen nicht, auch nicht die in Lohn und Brot.
Aber ich mache mir tiefe Sorgen. Die Geburtenverweigerung der Mittelschichten IST TÖDLICH FÜR UNSER GEMEINWESEN, sie ist das mit Abstand größte gesellschaftliche Problem - und keiner will etwas unternehmen. In 20 Jahren werden wir den Kopf über unsere heutigen "Probleme" schütteln. Ich befürchte, daß der soziale Konsens in Europa nicht zu halten sein wird, wenn immer weniger "starke" Schultern immer mehr "schwache" unterstützen müssen. Ich befürchte weiter einbrechende Geburtenraten in den Mittelschichten, ein immer stärkeres Abwandern der Eliten, eine Verelendung und Entzivilisierung großer Bevölkerungsteile. Ich befürchte Gewaltreaktionen, bis hin zu bürgerkriegsähnlichen Auseinandersetzungen wie in Jugoslawien. Schon etablieren sich in Ostdeutschland breite rechtsradikale Subkultueren, während in westdeutschen Großstädten türkisch-arabische Parallelgesellschaften entstehen. Auch in Deutschland kann es irgendwann wieder wenn schon keinen Hitler, so doch einen Milosevic geben.
Sie schreiben: meine Ansichten zu Ende gedacht würde bedeuten, dass alle dasselbe frei verfügbare Einkommen hätten. Keineswegs! Ich will nur, daß Kinder keinen Nachteil mehr bedeuten. Ein alleinstehender Oberarzt darf und soll mehr frei verfügbares Einkommen haben als ein alleinstehender Facharbeiter. Nicht aber mehr als seine Oberarztkollegin mit zwei Kindern! Darum geht es, und dafür würde es völlig reichen, wenn man dem Oberarzt mit den Kindern die Früchte seines Investments, nämlich seiner Kinder, belässt, statt sie dem kinderlosen Kollegen zuzuschustern.
Leider denken die Menschen zuwenig über Systeme nach. Ein Beispiel ist die sogenannte Rentenversicherung - somit ich auf Ihre Einwände gegen meine Vorschläge komme. Das wird lang, aber ich wollte es sowieso mal niederschreiben und ergreife hier die Gelegenheit.
Sie schreiben: "Gerade gegen die Risiken, die darin bestehen, dass die eigenen Kinder die Versorgung der Eltern nicht leisten können oder dass keine Kinder da sind, warum auch immer, soll doch die Rentenversicherung schützen." Falsch! Das SOLL sie keineswegs. Das TUT sie nur - genau darin liegt die Fehlkonstruktion. Denn hier werden zwei Dinge vermischt, die nichts miteinander zu tun haben.
Stellen Sie sich vor, es gäbe keine Rentenversicherung - und keine Kinderlosen (so ungefähr war es bei Einführung des heutigen Systems). Statt dessen hätten Eltern individuelle Unterhaltsansprüche gegen ihre Kinder. Die "Investition" in Kinder wäre dann eine unsichere Sache, wie Sie richtig erkannt haben: schließlich können Kinder krank werden, sterben, auswandern, keinen Job finden. Aber auch für erwachsen gewordene Kinder gäbe es existentielle Unsicherheit: im Einzelfall bestünde, wenn beide Eltern sehr alt, krank und pflegebedürfitg werden, die Gefahr der völligen Überforderung. Das ist die klassische Situation für die Bildung eigentlich ZWEIER genossenschaftsähnlicher Risikogemeinschaften (vulgo Versicherungen).
Das eine ist die Gemeinschaft der Geber (GG): wer "Glück" hat (Eltern sterben früh), nimmt demjenigen die Hälfte seiner Last ab, der "Pech" hat (Eltern leben lang). Das läuft so, daß jeder einen versicherungsmathematisch über die Risiken gemittelten Durchschnittsbetrag, die Versicherungsprämie, in einen gemeinsame Pool einzahlt, der im Gegenzug anstelle des Versicherten dessen sämtliche Unterhaltszahlungen übernimmt. Der GG kann man schon bei Geburt beitreten oder erst später; je später man eintritt, desto genauer läßt sich (mit Blick auf die Eltern) das Risiko versicherungsmathematisch kalkulieren. Wer mit dem Eintreten erst mal zuwartet, ob die Eltern eine robuste Lebenserwartung zeigen, muß zum Ausgleich eine höhere Prämie in Kauf nehmen, wenn er später doch noch in die Versicherung will. Je früher man eintritt, desto mehr Risiko überträgt man auf die Versicherung; treten alle schon vor ihrer Geburt ein, kann man die Risikoprüfung auch weglassen.
Das andere ist die Gemeinschaft der Empfänger (GE): wer Glück hat (seine Kinder sind zahlungsfähig), gibt demjenigen etwas ab, der Pech hat (Kinder sind Totalausfall). Hier ist Versicherungsprämie der jeweils tatsächlich bestehende, individuelle Unterhaltsanspruch gegen die eigenen Kinder. Er wird an einen Pool abgetreten, der ihn gegenüber den Kindern geltend macht und sodann, wieder unter Herausrechnung der versicherten Risiken, verteilt. Den Wert der Prämie, dh. die zu erwartende Versorgungsleistung des Kindes, wird die GE ähnlich kalkulieren wie eine Bank den eines Bürgen: sie wird statistische Chance/Risikofaktoren herausarbeiten, die umso allgemeiner sind, je früher der Versicherte beiritt. Bei der Geburt des Kindes wird sie sich vor allem an Status und Bildung der Eltern orientieren. Auch hier gilt: je später einer eintritt, desto genauer kann kalkuliert werden. ALso: warte ich mit dem Eintreten, bis meine Kinder 16 sind, dann kann ich "Glück" haben (beide besuchen grade ein Gymnasium mit guten Noten -> hohe Renditeerwartung -> hoher Versicherungsleistung für mich) oder "Pech" (eins ist gestorben, das andere von der Schule geflogen).
Wichtig ist: es sind ZWEI Versicherungen, und der Eintritt in jede von ihnen soll im Interesse eines jeden Versicherten liegen, ohne die der anderen zu schädigen. Das Risiko, gegenüber dem Zustand ohne Versicherung benachteiligt zu werden, und die Chance, besser dazustehen, muß sich immer die Waage halten. Stellen Sie sich vor, die private Versicherungswirtschaft würde solche GE und GG anbieten. Das würde halbwegs garantieren, daß jeder Versicherte versicherungsmathematisch fair eingestuft wird - sonst trägt er das Risiko lieber selbst oder geht zur Konkurrenz.
Die GE hätte den Effekt, daß Investitionen in Kinder kalkulierbar werden und dem zugute kommen, der sie tätigt. Sofort wird deutlich: eine sauber kalkulierende GE würde niemals einfach so einen Kinderlosen aufnehmen. Denn er zahlt keinen Beitrag! Man würde gegen das Versicherungsprinzip verstoßen, wenn man ihm (obwohl er keine Chance einbringt) irgendeinen Rentenanspruch, also Risikoausgleich, zugesteht. Derweil kann die GE jederzeit ANSPRÜCHE gegen den Kinderlosen haben, wenn nämlich seine Eltern dort versichert sind. Der Kinderlose kann beizeiten der GG beitreten, um diese Zahlungen kalkulierbar zu halten. Will er der GE beitreten, so muß er entweder Kinder zeugen oder das wäre möglich sich über direkte Zahlungen, also Geldbeiträge, dort einkaufen.
Nun hat der Staat ein legitimes Interesse, zu vermeiden, daß einer seiner Bürger aufgrund mangelnder Vorsorge im Alter dem Sozialstaat zur Last fällt. Zumindest in Höhe des Existenzminimums (m.E. aber auch nicht darüber hinaus) kann er daher die Mitgliedschaft in einer GE für alle Eltern zur Pflicht machen und für Kinderlose, analog dazu, eine private Kapitalvorsorge (oder aber eine GE-Zwangsmitgliedschaft gegen Geldbeitrag, den diese anlegt). Darüber hinaus kann er, auch um Unterhaltsstreitigkeiten zu vermeiden und seine Gerichte zu entlasten, auch die GG zur Pflichtversicherung erklären.
Nur die GE könnte man legitimerweise als Rentenversicherung bezeichnen, während die GG eine Unterhaltslastenversicherung darstellt. Wenn beide Zwangsversicherungen für Jedermann sind, also alle Eltern-Kind-Paare ab Geburt erfassen, dann, so könnte man meinen, spricht nichts dagegen, die beiden Pools zusammenzufassen und eine einzige Versicherung daraus zu schmieden. Unsere heutige sogenannte gesetzliche Rentenversicherung GRV - macht genau das und ist schon deshalb verunglückt. Denn bedeutende Teile der Bevölkerung (Pensionäre, Selbständige) sind NICHT plichtversichert. Schlimmer aber ist, daß die GRV gegen das Versicherungsprinzip verstößt. Sie wirkt, wie Sie richtig erkannt haben, tatsächlich wie eine Versicherung gegen Kinderlosigkeit aber sie verlangt dafür keine Beiträge von den Kinderlosen! Das vernebelt sie dadurch, daß sie die Prämien zur Unterhaltslastenversicherung zugleich wie Rentenversicherungsprämien behandelt.
Fazit: die GRV ist zu einem erheblichen Teil gar keine Versicherung, der Name ist nichts weiter als ein Schwindel. In Wirklichkeit beinhaltet sie eine Sonderabgabe für Eltern bzw. deren Kinder, die an Kinderlose weitergereicht wird.
Noch eine Anmerkung: es liegt in der Logik einer fairen GE, daß Eltern nicht über einen Kamm geschoren werden dürfen, sondern der Rentenanspruch von den Aussichten des Kindes abhängt. Anders als die GG kann die GE also nicht ganz auf eine Risikoprüfung verzichten.
Sonst würde nämlich z.B. kein Akademiker, der bei Verstand ist, einer solchen Versicherung niemals beitreten. Schließlich sind seine realen Investitionen in seine Kinder fast immer höher als die eines Ungelernten, und umgekehrt ist im Normalfall damit zu rechnen, daß seine Kinder einmal zahlungskräftiger sein werden. Berücksichtige ich das als Versicherung nicht, wird er zur Konkurrenz gehen. Wem diese Risikoprüfung suspekt vorkommt, weil sie sozial gestaffelt ist, der nehme zur Kenntnis, daß die heutige GRV noch suspekter ist, indem sie nämlich die Höhe des Rentenanspruchs an den Zahlungen zur GG und mithin direkt am Einkommen festmacht. Das System, das ich vorschlage, würde es erlauben, daß z.B. ein Langzeitsarbeitsloser, der sich für seine Kinder ein Bein ausreißt und sie zu guten Beitragszahlern macht, genauso gut dasteht wie ein Professor. Dafür würde ich die GE in zwei Teile splitten: bleibt das Kind bis zum 16. Lebensjahr aufgrund äußerer Einflüsse, insb. Krankheit oder Tod, unter seinen Möglichkeiten, dann erhalten die Eltern eine an ihrem Bildungs- und Einkommensniveau orientierte Durchschnittsrente. Ansonsten wird mit 16 das Kind selbst beurteilt, vielleicht anhand eines deutschlandweiten PISA-Tests. Das hätte den netten Effekt, daß zum einen ein für alle vergleichbares Zeugnis entstünde und zum anderen alle Eltern, gerade auch sozial schwache, eine große Motivation hätten, ihr Kind so gut wie möglich zu fördern.
***
Sie schreiben, es gebe nicht genug "verantwortungsbewußte" Männer für die Frauen mit Kinderwunsch. Gemeint war wohl: verantwortungsBEREITE Männer, also solche, die Verantwortung für Kinder und eine Frau übernehmen wollen. Nun, das ist auch mein Eindruck: daß sich die Männer stärker verweigern als die Frauen. Aber sehen Sie: es hilft nichts, darüber zu lamentieren und wortgewaltige Beschwerden an die Männer zu richten. Statt dessen muß man die Ursachen finden, WARUM Männer keine Familien mehr gründen wollen, und ihnen entgegenwirken. Einer dieser Gründe ist, dabei bleibe ich, das objektiv gewaltige ökonomische Risiko, das eine Familiengründung heute bedeutet. Das gilt auch für viele Frauen einschließlich Ihnen, valeria, wenn sie schreiben, sie wollen erst mal einen vernünftigen Lebensstandard, den sie dann gern mit der Familie teilen. Ist ja ganz nett, bloß: ein für einen Alleinstehenden vernünftiger Lebensstandard wird, wenn er auf z.B. drei Köpfe verteilt werden muß, schnell höchst armselig. Also wird die Familiengründung häufig aufgeschoben, bis ein Nievau erreicht ist, das für alle drei vernünftig erscheint und der Kinderwunsch derweil immer wieder aufgeschoben, bis es zu spät ist.
Ihre Ausführungen über Männer, die ihre Ex-Ehefrauen ins Berufsleben abschieben, verstehe ich nicht. Ich will ja gerade erreichen, daß diese Frauen auf dem Arbeitsmarkt gleichwertige Chancen haben! Ein Grund für die Bindungsunfreudigkeit vieler Männer scheint mir, ehrlich gesagt, das Anspruchsdenken vieler Frauen. Einerseits wollen sie selbständig sein, der Mann soll bitte ihre Karriere unterstützen, eifrig im Haushalt und bei den Kindern helfen. Zugleich aber wollen Sie weiterhin die Option einer Vollversorgerehe, je nachdem, wie es gerade passt. Ehefrauen sollen nach Ihrer Vorstellung, weil sie doch gut versorgt sind, beruflich zugunsten Alleinstehender bei der Jobvergabe zurückstecken also: vom Ehemann abhängig bleiben, das beiderseitige Einkommen halbieren. Würden wir Arbeitsplätze nach solchen Kriterien vergeben, dann willkommen im Sozialismus. Zugleich erklären Sie, daß Sie, um Kinder zu bekommen, neben einem Ehemann zusätzlich Wiedereingliederung in den Beruf bräuchten.
Nebenbei: nicht nur die bösen Männer sind schuld, daß es für Akademikerinnen schwer ist, einen Partner zu finden. Die Frauen leiden auch am eigenen Erfolg. Tatsacheist, daß Frauen heute höhere Bildungsabschlüsse erzielen als Männer. Kaum eine Frau aber akzeptiert einen Mann, der ihr nicht mindestens gleichsteht -- während so mancher Mann eine weniger gebildete Partnerin findet. Kumulierte Folge: zu wenig potentielle Männer für Akademikerinnen.
Sie schreiben:
"Andere Länder machen uns sehr wohl vor, dass auch unser Hauptschulklientel weitgehend eine Hochschulzugangsberechtigung erhalten könnte - und zwar auf gutem Niveau."
Bitte nennen Sie mir ein solches Land! Ich wäre sehr froh, wenn es das gäbe. Nur ein kleines Beispiel: im hochgelobten Finnland schneiden Kinder mit Migrationshintergrund im Verhältnis zum Landesdurchschnitt deutlich SCHLECHTER ab als in Deutschland. Dabei beträgt deren Anteil in Finnland nur 1,5% der Schüler (statt 25% bei uns). Auch in Neuseeland schneiden Kinder aus sozial schwachen Elternhäusern im Schnitt sehr viel schlechter ab als solche aus gutbürgerlichen Familien (wenn auch nicht so viel schlechter wie in Deutschland).
***
Sie schreiben: "Der tatsächliche Schulabschluss in diesem Land ist aber nicht von den theoretischen, sondern von den praktischen Möglichkeiten abhängig und die bestehen weitgehend aus den finanziellen Ressourcen der Eltern." Wie kommen Sie zu dieser Behauptung? Denken Sie, die Eltern der kleinen Jessica (zur Erinnerung: das Kind, das die Eltern einsperrten und verhungern ließen) hätten nur einen Lottogewinn benötigt, um zu liebe- und verantwortungsvollen Erziehern zu mutieren? Sie verwechseln Ursache und Wirkung! Nicht Geld macht Eltern emotional, sozial und erzieherisch kompetent, sondern kompetente Menschen sind häufiger als andere imstande, einen vernünftigen Lebensunterhalt für ihre Familie zu erwirtschaften.
Es ist wissenschaftlicher Konsens, daß die entscheidenden Grundlagen für Sozial- und Lernverhalten schon im Kleinkindalter gelegt werden. Da kommt es nicht auf den Geldbeutel der Eltern an, sondern auf den Umgangston im Elternhaus, die gegenseitige Empathie, die Beschäftigung mit dem Kind, das Vorbild der Eltern an (lesen sie Zeitung oder hängen sie vor der Glotze).
***
Sie schreiben:
"Die bösen, dummen bildungsfernen Haushalte, am besten sollten wir die Erlaubnis der Geburt an den Schulabschluss koppeln?"
Bitte teilen Sie mir mit, welcher Kommentar so etwas fordert. Es geht hier ausschließlich um Anreize. Anreize für die Mittelschichten, sich für Kinder zu entscheiden -- und Abbau von entsprechenden (Fehl-) Anreizen für die Unterschicht. Es muß, insbes. wenn man Familien insgesamt besserstellen möchte, verhindert werden, daß Kinder für sozial schwache Eltern zur Einkommensquelle werden -- und genau das ist aber heute der Fall. Der Sozialrichter Jürgen Borchert, anerkannter Vorkämpfer für die Rechte von Familien und völlig Faschismus-unverdächtig, hat dies wiederholt kritisiert und eindringlich vor pauschalen, kindbezogenen Sozialleistungen gewarnt.
Sozialhilfe- und ALG-II Empfänger sind seit langem die einzige Gruppe in Deutschland, die durch die Geburt eines Kindes keinerlei finanzielle Beschränkung erleidet. Das an sich wäre noch nicht zu beanstanden, nur: der Staat tut ein Übriges. Das Erziehungsgeld, auch der Sockelbetrag beim neuen Elterngeld, fordert die Geburt von Kindern geradezu heraus. Denn ALG II deckt genau das Existenzminimum ab, will heißen: man hat keinerlei frei verfügbares Einkommen. Erziehungsgeld/Elterngeld wird aber auf das ALG II nicht angerechnet! Es gewährt 300 ZUSÄTZLICHE Euro im Monat. Das ist, wenn man sonst nichts hat, ein Vermögen! Hinzu kommt, daß die Regelsätze nach ALG II (und Sozialhilfe) für einen Säugling dieselben sind wie für ein 6-jähriges Kind, Kleinstkinder aber deutlich weniger Kosten verursachen. In den ersten Jahren bleibt daher Geld für andere Ausgaben übrig, und sozial schwache Menschen sind nicht dafür bekannt, langfristig zu planen. Jeder erfahrene Sozialarbeiter weiß, wie stark der Anreiz für ungelernte Frauen ist, einfach Kinder in die Welt zu setzen.
***
Sie reden von "sozialfaschistischen" Ansätzen. Sie irren sich. Gerade die Unterschicht ist auf eine breite, zahlungskräftige Mittelschicht angewiesen. Ohne die gibt es nichts zu verteilen. Schauen Sie in die neuen Bundesländer! Die Klugen, Gebildeten, Fähigen wandern ab, bislang nur nach Westdeutschland, wo sie über ihre Steuern und Abgaben weiter hohe Transferleistungen in die alte Heimat ermöglichen. Was, wenn die Eliten morgen in die USA abwandern? Leidtragende werden die sozial Schwachen sein, die sich - siehe die "No-Go-Area" - und Integrationsdebatte - heute schon abschotten und radikalisieren.
***
Sie schreiben: "kann es sein, dass 22 Jährige nur selten über einen akademischen Abschluss verfügen? Und damit auch nicht als Akademikereltern registriert werden können?" Fragen Sie mal alle Ihre Bekannten, die eine Universität besucht haben, an wie viele Kommilitonen mit Kindern sie sich erinnern. Wie viele solcher Studenten müßte es geben, um die Statistik maßgeblich zu beeinflussen? Bei Ihnen ist der Wunsch Vater des Gedankens.
Die Lösung besteht für Sie beide in einem System, in dem Kinder für NIEMANDEN mehr finanzielle Nachteile oder Vorteile bedeuten.
Stellen wir uns einen Moment vor, JEDER Mensch in Deutschland müßte (je nach seinen Verhältnissen) in etwa DASSELBE für Kinder aufbringen. Entweder für eigene (falls vorhanden) oder halt für fremde Kinder (über erhöhte Steuern und Sozialabgaben). Also: ein Harz-IV-Empfänger mit Kind hätte dasselbe frei verfügbare Einkommen, dieselben Ansprüche (etwa an die Rentenkasse) wie einer ohne Kind. Dasselbe gälte für eine ChefärztIn. Das würde natürlich auch bedeuten: die Chancen von Frauen, mit Kind in den Arbeitsprozeß zurückzukehren, müßten massiv erhöht werden, und zwar durch finanzielle Anreize für die Arbeitgeber - vielleicht einem Bonus bei den Sozialbeiträgen?
Dann würden Männer sich nicht mehr vor unkalkulierbaren Unterhaltslasten drücken. Vor die Wahl gestellt, ob sie lieber in EIGENE oder in FREMDE Kinder investieren möchten, würden sich viele für die erstere Lösung entscheiden. Frauen bräuchten nicht mehr zu fürchten, letztlich doch dauerhaft auf die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit des Erzeugers angewiesen zu sein. Trennungen mit Kindern würden für beide Elternteile kein unkalkulierbares Risiko mehr bedeuten - wie es heute der Fall ist, außer man lebt ohnehin von der öffentlichen Fürsorge.
Ich bin davon überzeugt: diese letztlich ökonomischen Gründe, das gewaltige mit Kindern verbundene Risiko, ist der wichtigste Grund für die "Paarungsunwilligkeit" der Europäer, für ihre extreme Vorsicht bei der Parnerwahl, für das lange Hinausschieben von Kinderwünschen.
Ein solches System wäre vermutlich gerecht, in jedem Falle aber ökonomisch und volkswirtschaftlich wünschenswert. Leider erfordert es zwei Paradigmenwechsel: den Abschied von einer Familienpolitik, die in Wahrheit Sozialpolitik ist, und - vor allem - das Ende der Privilegien für Kinderlose und Kinderarme.
Wer befasst sich dann einmal mit dem Wesentlichen? Wie Deutschland mit seinen Kindern (und Müttern) umgeht, ist das eigentliche Drama. Vor zwei Wochen erklärten mir auf einem gemütlichen Grillabend im Verein zwei nicht berufstätige (und nichtakademische) Mütter von einem bzw. zwei Kindern, was ich als berufstätige Akademikerin bei meinen vier Kindern alles in der Erziehung völlig falsch mache und was für eine Rabenmutter ich bin. Ich weiß jetzt Bescheid. Ihr auch????? Was hält mich eigentlich noch in Deutschland?
@cmr: Verstehe ich nicht. Sie schreiben, dass Deutschland schlecht mit Müttern umgeht, und erzählen dann, dass zwei Mütter Ihnen dumme Kommentare zu Ihrer Kindererziehung gegeben haben. Ist vielleicht ein wesentliches Problem der Mütter in Deutschland, dass sie sich eher gegenseitig anfeinden anstatt gemeinsam für ihre Interessen einzutreten? Pauschalvorwürfe helfen wenig, weder in Deutschland noch irgendwo sonst auf der Welt.
Staatliche Partnervermittlung von Akademikern an Akademiker? Come on! Sind wir denn jetzt alle gaga?
Meiner Meinung nach ist zumindest das Privatsache und sollte es auch bleiben. Viel zu oft mischt sich der Staat in unser Leben ein, weil irgendwann mal jemand geglaubt hat, dass sei gut für uns......wohin das geführt hat, kann man jeden Tag auf den Straßen unseres Landes sehen.
Der Blick über die Grenzen in nahezu fast alle unsere Nachbarländer zeigt uns, das weniger Staat oft mehr ist - natürlich an den richtigen Stellen.
Deswegen: Betreuungsangebote erhöhen oder private Angebote ermöglichen und fördern - ja.
Weitere absurde Einmischungen - nein!
Sie sollten mich nicht beleidigen. Die Unterstellung, ich sein ein Parasit, geht entschieden zu weit. Denken Sie mal darüber nach, was Sie da schreiben.
Ich meinerseits wollte Sie nicht beleidigen. Wenn irgendwas so angekommen sein sollte, tut es mir leid, es war keine Absicht.
Ich habe mich ausdrücklich FÜR Familiengründung ausgesprochen. Sie schreiben: ...Sie potentiellen Eltern den Mut nehmen, das Lager der Parasiten zu verlassen und in jenes Lager überzuwechseln, auf dessen Ausbeutung Sie eigentlich spekulieren. Wieso ich durch ein Plädoyer FÜR Familiengründung irgendwem den Mut nehme, das sollten Sie mir schon erklären!
Falls Sie es noch nicht gemerkt haben sollten: Ich lebe von der Substanz meines Vermögens (hab ich schon geschrieben, aber nun gut). Wenn die aufgezehrt ist, muss ich Hartz IV beantragen, es sei denn, ich bekomme sehr bald doch noch eine Chance. Ich bin unfreiwillig kinderlos und unfreiwillig arbeitslos, und andere sind dies auch. Ich beute niemanden aus.
Noch mal: Ich kann mir ökonomisch keine Kinder leisten, weil ich alleinstehend und langzeitarbeitslos und wegen offensichtlich unüberwindlicher Vorurteile gegen Langzeitarbeitslose beruflich trotz akademischer Qualifikation, Mobilität und Flexibilität perspektivlos bin und nicht mit Kindern von Almosen leben will. Meine Erfahrung und Beobachtung in anderen Fällen ist, dass Männer sich zurückziehen, wenn das Thema Familiengründung auf den Tisch kommt. Diese Männer gründen überhaupt keine Familien, mit keiner Frau.
Ich lehne keine Wiedereingliederungsmaßnahmen von Müttern ab. Ich finde nur, dass Langzeitarbeitslosen beiderlei Geschlechts, ob mit oder ohne Kinder, der Vorzug vor gutversorgten Ehepartnern bzw. -partnerinnen gegeben werden muss. In einer Partnerschaft sollte mindestens einer, besser beide, erwerbstätig sein. Es kann aber nicht richtig sein, dass manche Paare Doppelverdiener sind, während andere gar keine Arbeit, ob als Alleinverdiener, Alleinerziehende oder Alleinstehende, bekommen. Und es kann auch nicht richtig sein, dass manche Männer ihre Frauen ins Berufsleben abschieben wollen, wenn sie älter werden, um sich bei einer Scheidung vor Unterhaltszahlungen zu drücken. Für die Langzeitarbeitslosen nämlich muss, ebenso wie für eventuelle Anreize, der Steuerzahler aufkommen der zahlt dann im Ergebnis den Unterhalt für die abgelegte Ehefrau. Das wollte ich ausdrücken, mehr nicht.
Kinder habe ich mir immer gewünscht. Aber nicht als Sozialfall. Dann lieber kein Kind. Ich bräuchte zweierlei: Wiedereingliederung ins Berufsleben und einen Partner, der bereit ist, seinen Teil zur Familienernährung beizutragen, vorübergehend die Alleinversorgerrolle zu übernehmen und dann eine Partnerin zu akzeptieren, die einem Beruf nachgeht und ja, wenn möglich, auch Karriere macht. (Und dass ich fürs Kinderkriegen inzwischen zu alt sein könnte, müsste er natürlich auch akzeptieren, ebenso wie die Drillinge, die womöglich kämen, wenn schon, denn schon.)
Eine Mann gegen Frau Position hab ich nie vertreten. Es gibt natürlich verantwortungsbewusste Männer. Es gibt aber auch viele, die Verantwortung explizit ablehnen. Genug verantwortungsbewusste Männer für alle Frauen mit Kinderwunsch sind einfach nicht vorhanden.
Also: kein Arbeitsplatz, kein Einkommen, keine Perspektive, kein Partner zur Familiengründung kein Kind. Das ist dann halt das Resultat. Ich weigere mich einfach, alles allein zu machen: mich allein zu ernähren, die Kinder allein zu ernähren, die Kinder allein aufzuziehen, das alles ohne Arbeitsplatz. Und dann soll ich dem Erzeuger der Kinder auch noch Sex bieten, wenn dem danach ist. Nein, nein, nein und nochmals nein.
Männer und Frauen sind gleichberechtigt. Das heißt natürlich in einer Partnerschaft auch gegenseitige Abhängigkeit. Eigentlich klar. Nicht wenige Männer wollen aber unabhängig bleiben. In Ordnung. Können sie. Aber dann darf nicht von Frauen erwartet werden, dass sie dafür gewissermaßen aufkommen und die Verantwortung für die Fortpflanzung dieser Männer übernehmen. Und wenn diese Frauen dann unfreiwillig kinderlos bleiben, sollten sie nicht auch noch angegriffen werden.
Wie Eltern ihre Arbeit beruflich und häuslich - aufteilen, müssen sie selber wissen. Aber ich finde, aufteilen sollten sie sie. Und an den unangenehmen Arbeiten, wie Müll raustragen oder Hintern abwischen, sollten sich Männer durchaus beteiligen. Wenn eine Frau sich dazu überwinden kann und überwinden muss sie sich -, dann kann ein Mann das auch.
Ich finde auch nicht, dass ich jammere. Ich stelle nur die Lage dar, wie sie ist.
Ich hatte fürs Alter vorgesorgt. Aber das Geld ist größtenteils weg. Ich musste es für meinen Lebensunterhalt als Langzeitarbeitslose aufwenden.
Ich würde wieder Geld für mein Alter zurücklegen wenn ich denn ein Einkommen hätte. Ich würde jede Arbeit annehmen, bekomme aber immer nur Ablehnungen. Vorurteile, statistische Diskriminierung. Hätte ich den richtigen Partner gehabt, hätte ich Kinder. Den hatte ich aber nicht. Was soll ich denn machen? Vielleicht ändert sich ja noch was. Aber ich fühle mich von dieser Hetze gegen Kinderlose bedroht! Die kommt zu den Hetzkampagnen und Schuldzuweisungen gegen Langzeitarbeitslose noch hinzu. Ich werde von allen Seiten angegriffen und kann persönlich überhaupt nichts machen. Einen Arbeitsplatz, ein Einkommen, und ich fang sofort an, fürs Alter zu sparen, wie ich dies immer getan habe. Aber von nichts kann ich auch nichts zurücklegen.
Übrigens zahlen auch Leute in die Rentenversicherung ein, deren Eltern und Großeltern bereits verstorben sind. Was ist mit denen? Müssen die nichts mehr zahlen, weil sie ja persönlich niemanden mehr versorgen müssten? Wenn Eltern besser gestellt werden sollen als Kinderlose, können sich auch andere Gruppen melden, die ebenfalls bessergestellt werden wollen und dies ebenfalls begründen könnten. Was ist, wenn heutige Kinder erwachsen, aber arbeitslos oder erwerbsunfähig oder Geringverdiener oder ausgewandert sind? Können dann deren Eltern Rente beanspruchen? So geht das doch nicht. Rentenansprüche hat, wer eingezahlt hat. Gerade gegen die Risiken, die darin bestehen, dass die eigenen Kinder die Versorgung der Eltern nicht leisten können oder dass keine Kinder da sind, warum auch immer, soll doch die Rentenversicherung schützen
Das Problem des frei verfügbaren Einkommens sehe ich nicht als gravierend an. Mir ist egal, wie viel frei verfügbares Einkommen andere haben. Ich will einen vernünftigen Lebensstandard, und den teile ich dann mit meiner Familie, falls ich eine haben sollte. Wenn ich keinen vernünftigen Lebensstandard für mich habe, kann ich auch nichts teilen. Dann kann ich mir auch kein Kind leisten. Almosen sind nun mal kein vernünftiger Lebensstandard.
Bei Ihnen, das muss ich aber doch noch sagen, klingt viel Neid durch. Wenn Sie einen Arbeitsplatz, ein Einkommen, von dem Sie in Anstand leben können, Frau und Kinder haben und alle gesund sind was wollen Sie eigentlich noch? Irgendwie sind manche Leute nie zufrieden. Ich dagegen habe keine Arbeit, kein Einkommen, keine Familie, lebe jetzt schon am Existenzminimum, habe meine Rücklagen fürs Alter größtenteils aufgebraucht und muss mit Altersarmut rechnen und doch scheinen Sie zu meinen, mir ginge es zu gut. Versteh´ ich nicht, wie kann denn jemand Leute wie mich beneiden...
Ihre Ansichten zu Ende gedacht würde bedeuten, dass alle dasselbe frei verfügbare Einkommen hätten in jeder Lebenslage. Darauf kann man kommen, das wäre dann aber ein ganz anderes System. Vielleicht ist die Kinderlosendebatte auch wieder nur eine Sündenbockdebatte. Die Kinderlosen werden angegriffen, weil an die Reichen und an die Steuerhinterzieher und an die Schwarzarbeiter und an deren Auftraggeber und an die Sozialbetrüger nicht ranzukommen ist.
Natürlich sind Eltern belastet. Alleinstehende aber auch, ich weiß, wovon ich rede. Auf diesen wird jedoch zusätzlich noch herumgehackt.
Kennen Sie die Geschichte von den Blinden, die einen Elefanten beschreiben? Einer fühlt die Beine und sagt, es handele sich um Säulen. Ein anderer tastet den Bauch ab und erklärt, er stehe vor einer Tonne. Der Dritte hält den Rüssel in der Hand und sagt, er habe einen Schlauch. Vielleicht befinden wir uns in einer ähnlichen Lage.
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren