Iran/WM Freiheit ist der Kick

Die Iraner sind fußballbegeistert. Das Regime weiß das und versucht mühevoll, damit umzugehen. Ein Kommentar

Der Fall Iran fügt der immer wiederkehrenden Frage, wie denn mit Sportlern aus Ländern umzugehen sei, in denen menschenverachtende Regimes herrschen, nur einen neuen Aspekt hinzu, nämlich den deutschen: Schließlich bewegt sich der Präsident des Landes auf einer ideologischen Linie wie hiesige Neonazis. Das darf selbstredend auch während der WM nicht ausgeblendet werden. Deshalb wird an diesem Sonntag gegen den Regierungsantisemitismus aus Teheran demonstriert - gut so. Darüber sollte man aber nicht vergessen, dass die Teilnahme Irans am Turnier im Lande selbst eine politische Bedeutung hat.

Iran ist fußballbegeistert. Zum Qualifikationsspiel gegen Japan in Teheran kamen 110.000 Zuschauer , ein Besucher-Weltrekord für WM-Qualifikationsspiele. Mit der Ideologie, wie sie von führenden Mullahs vertreten wird, will die Ausgelassenheit rund um den Rasen freilich schlecht zusammenpassen ; sie wünschen sich derartige Glückzustände nur aus religiösem Anlass. Und schon gar nicht in der Form wie vor einem Jahr in Teheran, als sich die Nationalmannschaft für die WM qualifizierte – bis tief in die Nacht feierte und tanzte das Volk auf den Straßen, und junge Frauen lockerten ihre Schleier, einige legten ihn gar ab. Es kommt hinzu, dass derartige Ereignisse mit Massencharakter den (schwachen) oppositionellen Strömungen Gelegenheit bieten, zu protestieren. Besonders, wo es sich um den Ball dreht, denn dass sie den Spielern nicht zuschauen dürfen, empfinden viele weibliche Fans als patriarchalische Unterdrückung. Was sie gelegentlich auch zum Ausdruck bringen.

Der Präsident Ahmadineschad hat kürzlich versucht, das Problem zu entschärfen und das Verbot zu lockern, doch die Mullahs pfiffen ihn zurück. Ein Randthema ist es also ganz offenkundig nicht. Um so peinlicher für die Herrschenden, wenn der für Hannover und an diesem Sonntag für Iran spielende Torjäger Vahid Hashemian in der ZEIT erklärt: „Natürlich sollen Frauen Fußball gucken. Da finde ich es schon besser, wie es hier ist.“

Die Verbundenheit mit der Nationalelf stärkt allerdings das Nationalbewusstsein, und dieses bindet eine weitaus größere Menschengruppe an das Regime als der Islam. Die weit verbreitete Zustimmung der Iraner zur Teheraner Nuklearpropaganda konnte nur dadurch erreicht werden, dass diese die Atomtechnik zur Frage der Ehre und des Nationalstolzes stilisierte. Fußball dient dem Regime auch als Mittel, seine internationale Isolierung zu verdecken . Doch wie immer ist der Sport politisch mehrdeutig, und „entscheidend is’ auf’m Platz.“ Feiern wir mit den Iranern (nicht: mit ihrem Hasskappenmann im Präsidentenamt), freuen wir uns über ihre Begeisterung, und drücken wir den Teilnehmerinnen der für Montag in Teheran geplanten Frauendemonstration die Daumen, dass alles gelingt, und auch, dass ihnen kein Leid zugefügt wird.

 
Leser-Kommentare
    • reza
    • 13.06.2006 um 10:47 Uhr

    (....Montag in Teheran geplanten Frauendemonstration die Daumen, dass alles gelingt, und auch, dass ihnen kein Leid zugefügt wird.....)

    leid zugefügt wird .....

    hier paar bilder von der demonstration der frauen für frauenrechte in teheran.

    Fazit: frau schlägt frau , man schlägt man:

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    • reza
    • 12.06.2006 um 11:55 Uhr
    2. Reza

    Auszug aus einem iranischen Blog als kommentar zum iran-mexiko spiel:

    "....das spiel und die spieler haben mir leid getan. ich schlage vor, dass herr präsinden dem "ALI DAIE" ein löffel mit 5% angereichertem uran verabreicht, damit er zum mindest im nächsten spiel besser und stärker spielt....)

    • Anonym
    • 19.06.2006 um 22:08 Uhr

    ... mal wieder ein Beweis dafür, dass Fußball die Menschen verbindet. Da können komische Mullahs predigen was sie wollen.

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