Die deutsche Wirtschaft wird auch zukünftig wachsen. Fast unabhängig von der Geburtenrate bleiben zwei Drittel vom bisherigen Pro-Kopf-Anstieg des Bruttonationaleinkommens erhalten. Es liegt nach der Prognose langfristig bei etwa 1,5 Prozent pro Jahr. Wenn künftig mehr Frauen und Arbeitnehmer jenseits des momentanen (Früh)-Rentenalters arbeiten als heute, liegt es sogar höher. Dass das Wachstum um 2035 kurzfristig zurückgeht, scheint unausweichlich: Dann sind die starken Baby-Boomer-Jahrgänge in Rente und müssen von vergleichsweise wenigen Erwerbstätigen versorgt werden. Das Wachstum steigt wieder, wenn die Baby-Boomer sterben. Dann hilft eine höhere Geburtenrate vorübergehend der Wirtschaft: Weil inzwischen mehr Kinder ins arbeitsfähige Alter kommen und deswegen die Zahl der Erwerbstätigen steigt, zieht das Wachstum an. Doch der Effekt verschwindet wieder, wenn diese Gruppe an Erwerbstätigen ihrerseits in Rente geht und versorgt werden muss. Langfristig verpufft der Effekt einer höheren Geburtenrate; die Wirtschaftsleistung pro Kopf ist unabhängig von der Bevölkerungsgröße.

Die Lebenserwartung der Deutschen steigt seit hundert Jahren konstant an. Nur während der Weltkriege brach sie kurzzeitig ein.

Selbst wenn die Geburtenrate nicht ansteigt - wie in allen Bevölkerungsprognosen des Statistischen Bundesamtes - verschwindet Deutschland nicht von der Landkarte: Nach der mittleren Prognose mit moderater Lebenserwartung und Einwanderung gäbe es 2050 in Deutschland 75 Millionen Menschen, das Land wäre so dicht besiedelt wie im Jahr 1963. Zum Vergleich: hohe Variante: 81 Millionen Einwohner wie im Jahr 1993, niedrige Variente: 67 Millionen Einwohner wie im Jahr 1936. Selbst dann wäre Deutschlands Bevölkerungsdichte im internationalen Vergleich noch hoch.



Annahmen für Prognosen:

1) Geburtenrate konstant bei 1,4 Kinder pro Frau für alle Varianten

"Mittlere" Variante:
2) Lebenserwartung steigt bis 2050 für Frauen auf 86,6, für Männer auf 81,1 Jahre
3) Nettozuwanderung von 200.000 jährlich

"Niedrige" Variante:
2) Lebenserwartung steigt bis 2050 für Frauen auf 85,7 für Männer auf 78,9 Jahre
3) Nettozuwanderung von 100.000 jährlich

"Hohe" Variante:
2) Lebenserwartung steigt bis 2050 für Frauen auf 88,1 und für Männer auf 82,6 Jahre
3) Nettozuwanderung von 200.000 jährlich bis 2010, dann 300.000

Damit die Bevölkerung in Deutschland 2050 noch genauso groß wäre wie jetzt, müssten jährlich etwa 330.000 Menschen einwandern. Wie viele tatsächlich kommen werden, ist kaum vorauszusehen. Die Zahl der Einwanderer hat in Deutschland immer schon stark geschwankt. Einige Hunderttausend sind für das Land aber nichts Ungewöhnliches.

Was als gesundes Ideal der Bevölkerungspyramide gilt, ist tatsächlich ziemlich ungesund. Damit sich die Tanne mit ihrer starken Basis an Kindern nach oben hin immer weiter verjüngt, müssen jedes Jahr viele Menschen in jedem Alter sterben. In Deutschland gab es die Tanne bis etwa 1910. Damals wurde jedes sechste Neugeborene nicht älter als ein Jahr, die Lebenserwartung einer deutschen Frau lag um 1900 bei etwa 45 Jahren.