Ein Tonstudio? Ein Bus? Der Jamliner ist beides. 14 Tonnen Kabel und Geräte auf Rädern, von außen mit Graffiti besprüht. Sieht nicht nach Musikschule aus, ist aber Musikschule. Innen ein professioneller Arbeitsplatz mit Rechner und Anhörmöglichkeit, hinter einer Trennwand der Bandraum. Blumfeld könnte hier proben. Doch im Jamliner spielen Hamburger Jugendliche zwischen 12 und 16, Chilli Shocker, 44 Fette Cent oder BornBorne : Von ihnen ist Vater

Jenfeld, Steilshoop, Osdorfer Born. Der Bus hält in Hamburger Stadtteilen, in denen Kinder nicht selbstverständlich mit Blockflöte und Geige aufwachsen. Dienstags steht er am Hein-Köllisch-Platz auf St. Pauli. Morgens proben Schulkinder, vom Unterricht befreit, jede Stunde eine andere Gruppe. Nachmittags gehört der Bus den Jugendlichen aus dem Viertel. Vom Jamliner erfährt mancher im Kaufhaus, per Lautsprecherdurchsage

Wann spielen wir endlich? Hülya, links neben Aysun, will am liebsten gleich ans Schlagzeug. Aber jede Stunde fängt mit Hören an, um wieder reinzukommen. Der Mitschnitt vom letzten Mal ist im Computer gespeichert

Der Song ist halbfertig. King von Hamburg - Idee und Text von Aysun, ein Mädchentraum. Hülya liest und träumt mit

Ihr geht mir alle auf die Nerven
Ich kann euch nicht mehr ertragen
Ihr kleinen hässlichen Pisser
Ich kann euch sagen
Wenn ich euch seh
Dann könnt ich schreien
Ich will der King von Hamburg sein ...

"Schlimme Wörter", findet Baris, der Keyboarder. "Wenn wir nach Hause gehen und der Vater das hört!"