Literatur Handke verzichtet
Der Schriftsteller Peter Handke verzichtet auf den Heinrich-Heine-Preis aus Düsseldorf. Er wolle weder seine Person, noch sein Werk weiterhin den "Pöbeleien" von Lokalpolitikern ausgesetzt sehen, schrieb Handke in einem Brief an die Stadt
Eine politisch unabhängige Jury hatte Peter Handke zum Träger des diesjährigen Heinrich-Heine-Preises gekürt. Seitdem wurde der Schriftsteller und sein Werk heftig diskutiert. In der Heine-Geburtsstadt war öffentlich spekuliert worden, ob die Preisverleihung mit juristischer Satzungsfinesse zu kippen sei. Der Düsseldorfer Stadtrat drohte damit, am 22. Juni seine notwendige Zustimmung zur Vergabe zu verweigern. Nun kam Handke diesem zuvor. Am Donnerstag traf seine Absage im Rathaus der Stadt Düsseldorf ein.
Der Düsseldorfer Oberbürgermeister Joachim Erwin (CDU) sprach von einer Hetzjagd auf Handke. Werk und Aussage des Autors verdienten eine "genauere, feinere Betrachtung und Bewertung", sagte Erwin. Auch NRW-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) gehöre zu denen, die vorschnell und "reflexartig" über Handke den Stab gebrochen hätten. Die hoch angesehene politisch-literarische Auszeichnung wird in diesem Jahr nun nicht vergeben. Jeder, der jetzt ausgewählt werde, müsse sich wie eine zweite Wahl oder als Favorit der politischen Korrektheit vorkommen, sagte Erwin.
Er habe mit seiner Haltung für ein "endliches, allgemeines Auftauen" der "gefrorenen Blicke und Sprache in Hinsicht auf das jugoslawische Problem" sorgen wollen, erneuerte Handke in dem Brief an den Düsseldorfer Oberbürgermeister seine Argumentation, die ihn in die Mühlsteine zwischen Politik und Literatur haben geraten lassen. Handke war vor allem wegen seiner pro-serbischen Aussagen seines Auftritts anlässlich der Beisetzung Milosevics kritisiert worden. Deswegen sei er eines ausdrücklich für Völkerverständigung vergebenen Preises nicht würdig.
- Datum 09.06.2006 - 06:13 Uhr
- Quelle ZEIT online
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Wie großzügig von Handke auf den Heinrich-Heine-Preis zu verzichten, wo man sich doch längst einig ist, dass er ihn auf keinen Fall bekommen soll. Betretenes Schweigen hätte auf Einsicht schließen lassen können. Schade.
Handkes Verzicht geschah recht früh; sein Brief ist vom 2. Juni; die unsägliche Entwicklung im DÜsseldorfer Stadtrat wurde am 30.5. angestossen.
Neben der Ungeheuerlichkeit, dass die Entscheidung einer autonomen Jury nachträglich noch einer Gesinnungsüberprüfung durch unwissende Provinzpolitiker unterzogen werden sollte (Zustände wie in Diktaturen, die auch nur das goutieren, was sie für kommod halten), wird durch eilfertige und kenntnislose Vorwürfe Handke auch noch direkt versucht, zu desavouieren. An der Spitze ein Ministerpräsident, der sich vor einigen Jahren mit seinem Spruch "Kinder statt Inder" als wahrer Völkerverständiger entpuppte, der Handke nun gar vorwarf, den "Holocaust" zu "relativieren". Soviel Dummheit ist leider immer öfter.
Diese Gesellschaft würde ich mir auch nicht antun.
Zur seit Jahren vorkommenden Verdrehung, Täuschung und Zurechtbiegung der Handkeschen Serbienbücher siehe auch hier: [link gelöscht]
Ich danke Frau Radisch für Ihre klaren Worte und die Lanze, die sie für die Demokratie bricht. Selten ist über uns Düsseldorfer KommunalpolitikerInnen so viel Häme hereingebrochen wie in diesem Fall. Politiker werden ja oft genug als absolute Banausen beschimpft und besonders Kommunalpolitiker scheinen in der Hierarchie der "Unwissenden" besonders weit oben zu stehen.
Aber selbst wenn es so wäre, stand in diesem besonderen Fall tatsächlich eine politische Entscheidung an, und die Ratsfraktionen der Stadt Düsseldorf haben lediglich das getan, wofür sie schließlich gewählt wurden.
Und davon abgesehen: Rein literarisch gesehen scheint mir Handke auch unter den "Wissenden" nicht unumstritten zu sein, besonders sein späteres Werk, das hat die Debatte klar gezeigt. Aber darum ging es - wie gesagt - ja eben nicht.
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