Gesellschaft Was ist männlich?

Sechs ZEIT-Autoren beantworten die Frage

Josef Joffe, Herausgeber der ZEIT

Was ist heute »männlich«? Wir wissen es nicht mehr, jedenfalls nicht, wenn wir die Ikonologie der Bewusstseinsindustrie betrachten: Film und Fernsehen, Werbung und Mode. Die Frauen zeigen zwar all die richtigen sekundären Geschlechtsmerkmale (Busen, Po, Hüften), wirken aber ansonsten heftig dominant. Die Männer (Brad Pitt, L. DiCaprio) weisen dagegen eine höchst unbestimmte Sexualität auf, die in der Modewerbung geradewegs im Androgynen landet. Die Weibchen der Postmoderne weisen männliche, die Männchen überhaupt keine deutlichen Geschlechtsmerkmale mehr aus, kein Wunder, wenn die Jungs andauernd Herrenkosmetika verkaufen müssen.

Was dann »männlich« ist? Wir wussten mal sehr genau: stark, loyal, tapfer, ritterlich - die Schwachen beschützend, die Schurken bekämpfend. Das war einmal. Wer heute einen Drachen tötet, wird vom World Wildlife Fund angezeigt. Aber genug. Ich muss jetzt los, sonst kratzen mir die Jungs in meiner Selbsterfahrungsgruppe die Augen aus.


Iris Mainka, Chefin vom Dienst:

Da fragen die Männer nun, was ich männlich finde! Aber ich weiß nicht, was männlich ist. Ich kann nur sagen, was ich herrlich finde: Witz. Und Mut. Und Klugheit. Außerdem Souveränität und Selbstironie, Verlässlichkeit und Treue. Dämlich finde ich die Abwesenheit von all dem. Es gibt dämliche Männer und herrliche Frauen. Und umgekehrt.

Ich mag abends im Bett Füße, die wärmer sind als meine. Und es macht mir Spaß, mit Männern darüber zu reden, wie Frauen sind und wie Männer sind. Mit Frauen darüber zu reden, ist ein bisschen langweiliger, denn wir sind uns zu einig; viele Frauen gemeinsam wissen immer genau, was männlich ist. Eine Frau allein ist mit dieser Frage überfordert. Doch eins steht fest: Nichts ist männlicher als die Angst, nicht männlich gefunden zu werden.


Sabine Rückert, Reporterin

Ein richtiger Mann macht sich nicht klein. Er nimmt einen (klugen) Standpunkt ein und vertritt diesen mit Verve, auch wenn das unpopulär ist und ihm Gegner einträgt. Er traut sich was, er traut sich was zu. Es gibt nichts Trostloseres als einen Mann, der den Schwanz einzieht – und sei es noch so elegant.

Ein richtiger Mann gibt etwas her. Er gönnt sich was und den Menschen um sich herum auch. Es gibt nichts Jämmerlicheres als einen Mann, der das Leben nach Sonderangeboten abtastet und versucht, wo er kann, billig davonzukommen. Der mit Zuwendung, Geld und Zeit spart. Geiz ist die unsympathischste Erscheinungsform des Egoismus. Und alles andere als geil.


Gero von Randow, Chefredakteur von ZEIT online

Ein Mensch ist männlich, wenn in seinen Zellen das X-Chromosom von einem Y-Chromosom begleitet wird. Sein Part in der Fortpflanzung ist damit festgelegt. Das geht mit einer bestimmten hormonellen Grundausstattung einher, und nun wird’s fusselig, denn mit diesen Eigenschaften sind soziale Rollen verknüpft, aber was das genau bedeutet, darüber weiß die Forschung wenig. Historisch gesehen jedenfalls ist der Mann ein Totschläger und in der Mehrzahl der Fälle einer mit staatlicher Lizenz. Aber wenn Ort und Zeit diese Rolle nicht vorsehen?

Es bleibt ihm als statistisch auffällige Eigenschaft die Aggressivität. Sie kann allerdings auch sozial erwünschte Formen annehmen und heißt dann beispielsweise Führungsstärke oder auch Konsequenz und Durchhaltevermögen. Nach Auskunft der Forschung mögen Frauen das männliche Dominanzstreben durchaus, allerdings nur an ihren fruchtbaren Tagen.


Bernd Ulrich, Stellvertretender Chefredakteur

Was ist männlich? Sehr leichte Frage! Gewalt, Imponiergehabe, ewige Pubertät, mehr Monolog als Dialog und das alles im Stehen. Was ist männlich – und trotzdem gut? Schwere Frage, sehr schwere Frage. Und gefährlich dazu! Wenn es darauf eine Antwort gibt, dann wäre ja zumindest an einem Punkt der Mann überlegen. Also Vorsicht: Folgende positive Eigenschaft kommt nicht etwa bei Frauen nicht vor, sondern nur seltener; sie findet sich nicht bei allen Männern, sondern nur öfter.

Also: Männer sehen in (fast) jedem Ernst noch das Spiel, in jedem Spiel auch den Ernst. Sie sind in diesem Sinne sportlicher als Frauen. Dadurch haben sie mehr Freude (weil das schiere Spiel keine Freude macht), und sie ersparen sich allzu tiefe Verletzungen (weil der Ernst des Lebens auch ein Spiel ist). Das ist das ganze Geheimnis. In diesem Sinne ist etwa Angela Merkel männlich und Edmund Stoiber eine Frau. Aber das nur nebenbei.


Iris Radisch, Literatur-Redakteurin

Was ist ein Mann? Ich habe meine drei Töchter gefragt. Die erste Tochter sagt: Männer sind doof. Die zweite Tochter sagt: Männer finden sich selbst immer toll. Die dritte Tochter sagt: Bei den Männern klemmt es zwischen den beiden Gehirnhälften. Ich sage: Kinder, hört mir zu. Es war einmal vor langer Zeit, da waren Männer Leute, die nicht weinen konnten, die keine Töchter wollten und die ständig Krieg führten.

Das war schlimm. Und noch schlimmer als die doofen Männer waren die großen Männer. Ein großer Mann bekam nämlich nicht nur das größte Stück Fleisch und das jüngste Stück Frau. Ein großer Mann durfte auch groß denken, groß handeln und groß irren. Die großen Männer waren die gefährlichsten, denn es gab meistens niemanden mehr, der sich für noch größer hielt als sie sich selbst. Den Allergrößten unter ihnen nannte man deswegen Gröfaz. Den großen Männern haben wir das größte Unglück zu verdanken.  

 
Leser-Kommentare
  1. Na Frau Radisch, da haben Sie ja ganze Arbeit an Ihren Töchtern geleistet.
    Und das trotz all der Literatur in Ihrem Leben.
    Da sag noch einer Literatur bewirke nichts.

    • Norn3
    • 14.06.2006 um 19:02 Uhr

    "Das war schlimm. Und noch schlimmer als die doofen Männer waren die großen Männer. Ein großer Mann bekam nämlich nicht nur das größte Stück Fleisch und das jüngste Stück Frau. Ein großer Mann durfte auch groß denken, groß handeln und groß irren. Die großen Männer waren die gefährlichsten, denn es gab meistens niemanden mehr, der sich für noch größer hielt als sie sich selbst. Den Allergrößten unter ihnen nannte man deswegen Gröfaz. Den großen Männern haben wir das größte Unglück zu verdanken." Man fragt sich, mit welchen kleinen Männern (mit Strickjacke, Strickmützerl und Suhrkamp-Taschenbuch) Frau Radisch drei Töchter erzeugen konnte und wer, ob Mann, Frau oder Kind, überhaupt länger mit so einer politisch korrekten Antifa-Tränentrine länger zusammenleben möchte. Zu Männern fällt ihr nur doof oder Hitler ein? Große Männer waren z.B. Thomas Jefferson und Benjamin Franklin, Jacob Grimm, Marc Aurel, Friedrich von Schiller, Hans Holbein der Jüngere, Charles Darwin, J.S. Bach, Franz Schubert, Adam Smith, Jan van Eyck, Lord Alfred Tennyson, Sophokles, Sokrates, Alexis de Tocqueville - ich könnte die Reihe endlos fortsetzen, möchte auch als Österreicherin die militärischen Leistungen des Prinzen Eugen von Savoyen, des Erzherzogs Karl und Don Juan d'Austrias nicht verschweigen. Für politisch korrekte Watschen halte ich gern beide Backen hin, es wird mir eine Ehre sein.

  2. Iris Mainka, Chefin vom Dienst:

    "Da fragen die Männer nun, was ich männlich finde! Aber ich weiß nicht, was männlich ist. Ich kann nur sagen, was ich herrlich finde: Witz. Und Mut. Und Klugheit. Außerdem Souveränität und Selbstironie, Verlässlichkeit und Treue. Dämlich finde ich die Abwesenheit von all dem. Es gibt dämliche Männer und herrliche Frauen. Und umgekehrt."

    das sind ja alles eigenschaften, durch die sich frauen nicht auszeichnen
    witz und mut sehe ich bei frauen nie, selbstironie schon gar nicht (sagen sie mal zu einer frau du hast aber nen dicken arsch)
    verlässlichkeit und treue ist auch nicht gerade gegeben, wenn angeblich mittlerweile mehr frauen fremd gehen als männer
    dass klughjeit fehlt, sieht man an dem statement

    verlässlichkeit und treue? was haben diese frauen nur für eine angst vor männern und wollen laufend über deren leben entscheiden

    ein mann nimmt sich was er will, und das ist in erster linie die freiheit selbst zu entscheiden was er macht, mit wem er schläft und mit wem er sich abgibt; treue das ist ein alter zopf, der abgeschnitten gehört, ein mann ist nicht privatbesitz einer frau
    ein mann sagt was er denkt, ohne rücksicht darauf ob es andere verletzt, und ein mann will eine junge hübsche frau, keine alte frustrierte

    Sabine Rückert, Reporterin

    "Ein richtiger Mann macht sich nicht klein. Er nimmt einen (klugen) Standpunkt ein und vertritt diesen mit Verve, auch wenn das unpopulär ist und ihm Gegner einträgt."

    dann liebe frauen aber in zukunft nicht aufregen, wenn die arbeitswelt so funktioniert, wie sie funktioniert

    "Er traut sich was, er traut sich was zu. Es gibt nichts Trostloseres als einen Mann, der den Schwanz einzieht – und sei es noch so elegant."

    dazu sage ich nur, zu solchen männern sagt man wenigstens "schlappschwanz", bei frauen gibt es nichts vergleichbares, das wort frauen zeugt ja schon von, kraftlos, schwanzlos, mutlos, witzlos, also es genügt frau zu sagen

    "in richtiger Mann gibt etwas her. Er gönnt sich was und den Menschen um sich herum auch. Es gibt nichts Jämmerlicheres als einen Mann, der das Leben nach Sonderangeboten abtastet und versucht, wo er kann, billig davonzukommen. Der mit Zuwendung, Geld und Zeit spart. Geiz ist die unsympathischste Erscheinungsform des Egoismus. Und alles andere als geil."

    ein richtiger mann gibt also was her, vorwiegend geld und die frau den körper oder wie? ich nenne so etwas prostitution gute frau;
    in einer gleichberechtigten zeit sollte es klar sein, dass beide für ihre kosten aufkommen und nicht der man ein "flittchen" aushält, ich komme mir da wie ein freier vor und so eine frau kann ich nicht respektieren

    frauen sparen ja laufend und suchen sich schnäppchen, sind frauen dann nicht geil?

    Iris Radisch, Literatur-Redakteurin

    in dem leben dürfte vieles falsch gelaufen sein, mehr braucht man zu dem statement als mann nicht sagen

    sie und ihre töchter tun mir leid

    Eine Leser-Empfehlung
  3. es geht hier nicht darum, sexismus gegen männer zu wenden, es geht hier um dinge wie partnerschaftlichkeit, verantwortung, und den sinnvollen einsatz von "männlicher" aggression (NICHT agressivität!).
    keine frage dass auch frauen aggressiv sein können -ich zum beispiel- aber das soll getrost in einer anderen zeit-serie besprochen werden.

    von einem mann erwarte ich ein selbstbewußtsein, dass mit kritik umgehen kann und ihn zur not auch mal über sich selbst lachen lässt.

    anstatt angesichts schnippischer sprüche pubertärer redakteurs-töchter in humorlose weinerlichkeit zu verfallen.

  4. Ich teile die Verwunderung der voranstehenden Kommentare. Wählt man als Einstieg in die 'Was ist männlich'-Serie der Zeit die Kommentare der Zeit-Autoren, dann kann einem nur mulmig zumute werden. Der Kritik an Frau Radisch möchte ich gar nichts hinzufügen. Ihr Kommentar ist schlicht überflüssig und enttäuschend.

    Hintergründig fällt zumindest der Kommentar von Frau Mainka aus. Ihr Schlusssatz 'Nichts ist männlicher als die Angst, nicht männlich gefunden zu werden.' weißt auf einen problematischen Bruch in unserer Gesellschaft hin, der womöglich nur über die Abwesenheit von Männern und Vätern, die historisch faktische (Krieg) wie die gegenwärtige soziale (Familie, Erziehungswesen), erklärt werden kann. Und das erklärt womöglich auch die unsichere bis unsinnige Kommentierung der Zeit-Autoren. Es ist Zeit für männliche Selbstvergewisserung oder besser gesagt: die Selbstvergewisserung der Gesellschaft über die Rolle der Männer. Die der Frauen wird seit mindestens 40 Jahren intensiv neu verhandelt.

    Mehr Männer- und Jungenforschung bitte und mehr Geschlechtergerechtigkeit für beide Frauen und Männer - auch journalistische Gerechtigkeit in sogenannten Qualitätszeitungen wie der Zeit.

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  5. Frau Radisch,
    wo nehmen sie nur ihren Frust gegen Männer her (siehe auch den Artikel 'Typisch Mann; Er ist älter; Kontra')?
    Männer beenden eine Beziehung, weil die Beziehung nicht mehr funktioniert ... nicht weil sie jüngere Frauen suchen!
    Und mal ehrlich, eine lebenslustige 30jährige macht auch eindeutig mehr Spaß als eine frustrierte 50jährige.

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  6. ich bin ganz Ihrer Meinung. Und da Frauen hierzulande in dieser Eigenschaft meist besonders weiblich sind (mich eingeschlossen), sind sie so selten in Chefetagen zu finden.

    Vielleicht sollte dazu mal eine anonyme Befragung stattfinden. Ich wette, dann erübrigen sich einige Emanzipationskämpfe.

  7. "Was ist ein Mann? Ich habe meine drei Töchter gefragt. Die erste Tochter sagt: Männer sind doof. Die zweite Tochter sagt: Männer finden sich selbst immer toll. Die dritte Tochter sagt: Bei den Männern klemmt es zwischen den beiden Gehirnhälften..."

    Interessant, Sexismus bleibt salonfähig! Sofern er sich gegen Männer und Jungen richtet versteht sich. Ein kleiner Junge mit diesen Vorurteilen müsste natürlich sofort zur präventiv antisexistischen Jungenarbeit geschickt werden.
    Schade, hätte Frau Radisch einen Sohn, würde sie vielleicht ihr einseitiges Männerbild korrigieren müssen.

    Wie sehr sich das Gebiet als vermintes Gelände für Männer darstellt, demonstriert Bernd Ulrich dagegen in Vollendung:

    "Was ist männlich – und trotzdem gut? Schwere Frage, sehr schwere Frage. Und gefährlich dazu! Wenn es darauf eine Antwort gibt, dann wäre ja zumindest an einem Punkt der Mann überlegen. Also Vorsicht: Folgende positive Eigenschaft kommt nicht etwa bei Frauen nicht vor, sondern nur seltener; sie findet sich nicht bei allen Männern, sondern nur öfter..."

    Frauen können Männer als Idioten und Massenmörder bezeichnen, Männer dagegen haben sich an politisch korrekte Geschlechterthesen zu halten.

    Eine Leser-Empfehlung

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