Die Diskussion um die so genannte „Netzneutralität“ dreht sich um die Frage, wer den Transport von Daten im Internet bezahlt – und wer davon profitiert, dass andere zahlen. Während beispielsweise bei einem klassischen Brief von Deutschland in die USA das deutsche Postunternehmen den Zusteller an den Gebühren beteiligen muss, ist das im Internet bislang anders: Sendet ein deutscher Kunde eine E-Mail in die USA, muss er nur seinen Provider für die Übertragung bezahlen - die Weiterleitung der Daten über den Atlantik und die Zustellung in das Mailverzeichnis des Empfängers erfolgt für alle anderen kostenfrei – auch für den amerikanischen E-Mail-Anbieter. Dieser Grundsatz sorgte für den gewaltigen Boom des Internet: Wer auch immer sich mit dem Netz verband, konnte die weltweite Infrastruktur nutzen, ohne für jede Umleitung und jeden Router extra zur Kasse gebeten zu werden.

In den Anfangsjahren des Internet war das ein Geschäft auf Gegenseitigkeit: Weil fast jeder Provider gleichzeitig Inhalteanbieter und Kabeleigentümer war, hielt sich der Datenaustausch im Gleichgewicht; während der amerikanische Provider bei der ersten E-Mail draufzahlte, ging die Antwortmail zu Lasten des deutschen Anbieters.

Doch in den letzten Jahren hat sich der Internet-Markt verändert. Immer mehr Firmen erzielen Milliardeneinnahmen mit Onlineinhalten, die sie über die Leitungen anderer Unternehmen zu ihren Kunden verschicken. Und immer mehr Firmen produzieren eine gewaltige Menge an Datenverkehr, ohne für entsprechende Infrastruktur sorgen zu müssen. Aktuelle Beispiele sind der Fotodienst Flickr oder die Filmplattform Youtube . Die neuen Dienste bedeuten zwar einen massiven Innovationsschub im Internet, doch sie wecken auch neue Begehrlichkeiten.

Netzwerkanbieter, also Firmen, die in teure Kabelstränge und Vermittlungszentren investiert haben, wollen an den Medieninhalten mitverdienen – und argumentieren mit der Gerechtigkeit. Der Chef der Deutschen Telekom, Kai-Uwe Ricke, sagte: "Es kann nicht sein, dass nur der Kunde über das monatliche Grundentgelt für diese schöne neue Welt bezahlt. Auch alle Webunternehmen, die Infrastrukturen für ihr Geschäft nutzen, sollten dann ihren Beitrag leisten".

Zunächst wird nur über die Nutzung besonders schneller Datenleitungen gesprochen, doch welche weiteren Preismodelle in den Schubladen liegen, ist unklar. Die Verteidiger der Netzneutralität können sich allerhand Grausamkeiten vorstellen und sehen schon die Mauthäuschen auf der Datenautobahn stehen. Lawrence Lessing, prominenter Rechtsprofessor der Stanford-Universität, hält sogar die Freiheit des Internet allgemein für gefährdet: „Das demokratische Kommunikationsmedium wird in das Eigentum von Kabel- und Telefonkonzernen übergehen.“

Besonders in den USA streitet sich die IT-Industrie deswegen um die Meinungsführerschaft: Itsournet - es ist unser Internet - schallt es von der Seite der Neutralitätsverfechter. Hands off - Hände weg vom Internet, antworten ihre Gegner. Obwohl sich beide Seiten den Anschein von Verbraucherseiten geben, geht es im Grunde um Lobbyarbeit. Hinter Itsournet stehen nämlich die großen Content-Lieferanten wie Google, Ebay und Microsoft, die ihr Geschäftsmodell durch die Pläne der Provider bedroht sehen. Hinter handsoff stehen dagegen die Telekommunikationskonzerne wie AT+T, Bellsouth und Alcatel, die sich vom schnellen Internet neue Einnahmequellen versprechen. Doch während die Kampagnenmacher der Industrie sich gegenseitig mit Polemik überziehen, sind auch die Internetuser auf die Debatte aufmerksam geworden und wollen mitreden.