Nuklearstreit Condi, strahlend
Nach der iranpolitischen Wende Amerikas: Wie stehen die Chancen? Eine Analyse
Österreichs Hauptstadt kennt seit Tagen, abgesehen von einem recht bizarren, aber nicht untypischen Skandal rund um gewerkschaftliches Eigentum, nur noch ein Thema: den Besuch des amerikanischen Präsidenten. Der geplante Ankunftstermin ist Dienstag, abends um halb zehn, man hat bereits Bombenattrappen gefunden und findet das gar nicht komisch. George W. Bush wird von seiner Außenministerin Condoleezza Rice begleitet, und wenn auch er der Superstar ist, so überglänzt doch sie zurzeit alles. Ihr ist es gelungen, gegen Cheney und Rumsfeld und überhaupt alle, denen zum Thema Iran nichts anderes einfällt als Das Regime muss weg, einen durchschlagenden Erfolg zu erzielen: Der Präsident ist damit einverstanden, dass seine Politiker sich an der Atomdiplomatie mit dem Iran beteiligen, und mehr noch, er gab sogar etwas Wärmestrahlung ab, als er die ebenfalls mehr verhaltene als freundliche, aber dennoch nicht feindselige Reaktion Teherans auf das jüngste Angebot zu bewerten hatte.
Das alles ist Condis Werk. Und auch das Angebot selbst, denn nun wird es nicht mehr bloß von den Vereinigten Staaten zugelassen, sondern ausdrücklich unterstützt dadurch erst gewinnen die aus Europa kommenden Angebote wirtschaftlicher Zusammenarbeit Substanz. Denn ohne amerikanische Billigung kann kein größerer europäischer Konzern Geschäfte mit Iran machen. Warum nicht? Weil dann sein Business in Amerika sauer werden würde.
Dass aus Teheran bisher nicht viel zu hören ist, lediglich diplomatisches Gemurmel, dass man sorgfältig prüfen und Gegenvorschläge unterbreiten werde, ist kein schlechtes, sondern ein gutes Zeichen; das vorige Angebotspaket, man erinnere sich, wurde postwendend und mit Schmähworten retourniert. Diesmal lässt sich das Regime Zeit, ein Verhalten, in dem freilich auch ein Stachel verborgen ist, denn man hatte es wissen lassen, dass eine Antwort vor dem Beginn des nächsten G8-Treffens Ende dieses Monats erwünscht sei. Wer sind wir denn, scheint die auffällige Ruhe Irans sagen zu wollen, dass man uns ein Ultimatum stellen wollte? geschenkt.
Oberflächlich betrachtet, sind die Chancen für eine Einigung denkbar gering ist nicht die Aufgabe der Urananreicherung für den Westen Vorbedingung von Verhandlungen und für Iran selbst als Ergebnis ausgeschlossen? Nein. Das von den USA, der EU, von Russland und China unterstützte Papier spricht nicht von cessation und damit endgültiger Beendigung des Anreicherns, sondern von suspension. Und das kann vieles heißen. Im Umkreis der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA in Wien hat sich die Unterscheidung zwischen cold stand-by und hot stand-by eingebürgert, und gemeint ist damit Folgendes. Eine Kaskade von Anreicherungs-Zentrifugen, wenn sie erst einmal läuft, hält man nur um den Preis ihrer Beschädigung an, das wäre cold stand-by. Stattdessen ist es, wenn sie nicht Urangas separieren, gängige Praxis, sie ungefüllt (oder mit ungefährlichem Gas gefüttert) weiterlaufen zu lassen hot stand-by. In diesem Zustand kann der Ingenieur immer noch mit ihnen experimentieren und sein Staatspräsident Ahmadineschad daher dröhnen, Iran betreibe großartige Forschung und Entwicklung auf nuklearem Gebiet.
Das also könnte eine vorläufige Lösung sein, die beiden Seiten erlaubte, das Gesicht zu wahren und miteinander zu verhandeln. Worüber? Eine Sicherheitsgarantie werde es für Iran nicht geben, darauf hatte sich Condoleezza Rice festgelegt (mehr war auch nicht drin gegen die Hardliner), aber wie immer gibt es diplomatische Wege ... hatten nicht die Vereinigten Staaten zusammen mit den anderen im Sperrvertrag genannten Atommächten allen Unterzeichnern des Vertragswerks wenigstens so etwas wie eine solche Garantie gegeben, wenn auch an die Bedingung der Vertragstreue geknüpft? Nun, daraus ließe sich im Falle von Verhandlungen ja etwas schmieden.
Vertragstreue. Das ist so eine Sache im iranischen Fall, und es sind ja nach wie vor Forderungen der IAEA unerfüllt. Dokumente müssen herausgerückt, Interviews mit bestimmten Atomwissenschaftlern genehmigt werden. Aber vielleicht kann Iran diesen Forderungen aus politischen Gründen gar nicht nachgeben: Denkbar, dass geheime, längst aufgegebene Nuklearprogramme existierten, deren Aufdeckung jegliche politische Lösung des Konflikts schwer oder unmöglich machen würde. Denkbar auch, dass durch gewisse Enthüllungen das Establishment in Teheran durcheinander geraten würde; und wer weiß, wer dann gehen müsste und wer bliebe, womöglich die Hardliner. Kein schönes Resultat. Gewiss, die IAEA muss auf Erfüllung ihrer Forderungen pochen, aber vielleicht ist der jetzige Schwebezustand fürs Erste nicht der unzuträglichste.
- Datum 21.06.2006 - 03:01 Uhr
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21. Juni 2006
Sehr geehrter Herr von Randow!
In ihrem Bericht loben sie Condi Rice. Ist das neu? Oder wussten Sie von Ihr schon so gut Bescheid als Colin Powell im State Dept arbeitete und sie im White House als sowas wie ein "Bush Papagei"?
Ob das so war, vielleicht/wahrscheinlich ist es nicht wichtig.
Denken Sie jedoch sorgfaeltig ueber was Sie schreiben! In Ihrem/gegen das Ende des zweiten Paragraphen, stellen Sie die Frage: "Warum nicht?"
Dann kommt Ihre Antwort. Ist sie, ihre Antwort, richtig? Wirklich? Ist es die Wahrheit?
Zwischen den zwei Golf-Kriegen, haben nicht zahlreiche (mehrere, nicht wenigere!) europaeische Firmen mit Saddam&Co doch beinah taeglich mehr als Klein-Geschaefte gemacht? Nein? Sie wissen das? [Und mit Iran? Besonders deutsche! Welcher Bereich war ausgeschlossen? Kennen Sie einen?]
Und zu Ihrer Behauptung: Aus all diesen Gross- und Klein-Firmen, wem hat Washington das Leben in den US sauer gemacht? Kennen Sie ein einziges Beispiel?
Auch wenn man Zeitungsleuten viel erlauben kann/soll/muss(?), mit solchen Aeusserungen die relative Wahrheit auf den Kopf zu stellen, dazu braucht man mehr als Mut!
Ja, es tut mir leid, dass Washington sich bemueht wieder mit Europa zu arbeiten. (Was wohl Frau Merkel zusammen mit Mrs. Rice geschafft haben.) Waere das nicht der Fall, wuerde ich nicht die ZEIT lesen, oder wenigsten waeren mir Ihre Behauptung nicht aufgefallen.
Warum tut es mir/uns leid? Weil wir glauben, dass es nicht besser auslaufen wird erst als nach vor beinah hundert Jahren und dann wieder seit 1945.
Wie der SPIEGEL, die Suedeutsche Zeitung (oft, wenn nicht immer), und natuerlich die ZEIT, ihre Redakteure und Leser es taeglich beweisen: Wenig denkt man von den US. Die ZEIT und ihre Leser waren gut verteten von Herrn Schroeder.
Der allgemeine Unterschied zwischen Europa und Amerika, wie wird er empfunden/wie aeussert er sich?
Wir gefallen Ihnen nicht.
Sie sind uns (dem Grossteil unserer Bevoelkerung) noch/wieder seit dem 8.Mai1945 total egal.
Ich kann Ihnen sogar vorschlagen, dass Bush und Schroeder sich naeher standen als Sie und die grosse Mehrheit ihrer Leser (alle gute Deutsche, nicht?) und meine Freunde (nicht zu sprechen von mir).
Denen hier, den Europa nicht egal ist (und ich gehoere leider zu ihnen, wenn auch nicht voellig oder immer), zweifeln dass die "Wiener"-Typ Zusammenarbeit "at the end of the day" (wie wir es hier sagen) zu einem (auch fuer uns, nicht nur fuer Europa) guten Schluss kommt.
Wir denken, es waere besser, wir wuerden endlich verstehen, dass unsere 60-Jahre-"shotgun" Ehe mit einer ehrlichen Scheidung aufhoert. Eine Scheidung, die uns durch unsere Ozean-weite Entfernung erlauben wird, zu verfolgen was in unseren eigenen Interessen liegen.
Anstatt zu versuchen, nach der Scheidung, die schon statt gefunden hat (seit Reagan's Pershings am Fulda-Gap oder eher, nicht seit 9/11 oder Schroeder, der es bei Ihnen nur "salon-faehig" machte), immer zu versuchen, an dem anderen Mangel zu finden. Kurz zu sagen, sich Muehe zu geben, sich egal zu werden.
Wir goennen Ihnen, "soft-power", das Sie lieben, ein Europa mit oder ohne der Ukraine oder Tuerkei, mot oder ohne Strassburg und die Bruessel-Paragrafen-Welt, ein Europa wie immer sie sich es vorstellen mit oder ohne Microsoft oder Boeing. Nur wollen wir nicht zu Ihrer Verwandtschaft gehoeren.
Weil unsere Ansichten/unser "pursuit of happiness" so ganz anders ist. [Die Chinesen stehen Amerika naeher als die Menschen zwischen Rhein und Elbe. - Scheinbar zwischen Elbe und Oder und zwischen Oder und Volga, ist das Urtail noch nicht gefallen. Aber die Chancen sind, dass man sich Ihnen naeher kommt in den naechsten Jahrzehnten. Was uns recht ist, da wir wohl diejenigen, die es satt haben als Einwanderer begruessen werden, Was uns noetig und erwuenscht ist, und an was wir 200+ Jahr lange gewoehnt sind.]
Anti-American Sentiment/Gefuehle (verschaerft von "Ami-go-home" auf die globalisierenden [.. was fuer ein reiner Unsinn!...] "Schurken aus der Wall St"), sollte es Sie nicht ueberzeugen: Waere es nicht besser, wir wuerden uns darauf verlassen, dass "distance makes the heart grow fonder", so dass wir uns nicht ein drittes Mal in die Haare fahren?
Und denken Sie zu Ihrem Thema nochmal nach: Wer ist mehr interessiert an "Keine AtomBomben" im Iran und in Nord-Korea? Mehr als Japan-China oder Israel-Europa. Wir? Sie glauben das doch wirklich nicht!?! Ja. die US haben einen Vertrag mit Japan und Israel, und Amerika kann sich nicht druecken, noch diese zwei Staaten mit Anti-Missile Verteidung schuetzen. Aber die US werden wohl "alles was es hat" diesen zwei Voelkern zur Verfuegung stellen, und hoffen dass MAD noch einmal ernst genommen wird.
China weiss selbst, wie es mit ihrem "Nachbarn" fertig wird. Es ist hoechste Zeit, glauben wir, dass Europa es auch in "ihrer" Ecke der Welt lernt, wie es das kann. Nein?
J Gerbeth
Worcester, NY
Fragen Sie Fritzfernando doch einfach mal, ob er was mit dem Fritzfernando aus dem Teheran hörigen Muslim-Markt Forum zu tun hat! J.S.
es ist wohl mein schlechtes Gewissen diesem System anzugehören das mich treibt ;-)
Was macht dich so stolz arbeitsteilig an den verbrecherischen Schäden und Terror die diesses System in der Welt hinterlässt mitzuwirken ?
Was spricht für dich dagegen Kriegsverbrecher aus den eigenen Reihen aus dem Westen vor Gericht zu stellen, und so als Europäer und Deutscher dich für rechtmässige Verhältnisse und eine bessere Aktzeptanz des Westens bei der Mehrheit der Menschheit einzusetzen, und nicht abzuwarten bis das andere für dich tun müssen , und dich gleich mit zur Verantwortung ziehen.
Wie kommt es eigentlich, dass in unserem Land Menschen leben, die mit dem westlichen System so absolut unzufrieden sind und ganz und gar überzeugt davon sind, im Islam die Lösung zu finden? Ist es nicht billig von einem System zu profitieren, während man es verachtet?
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