Echolot Die drei Gesichter des Robbie W.
Mr. Williams auf Welttournee: Den Auftakt in Dublin hat er verpatzt. Kommt der populäre Entertainer jetzt an seine Grenzen? Maskenhaftes Posieren kann selbst ein ergebenes Publikum auf Dauer nicht begeistern. Ziemlich hinterm Mond auch Roger Waters – Unsere Musikpresseschau
Kaum ein Thema beherrschte das Musikfeuilleton der vergangenen Woche so sehr wie der Tod des Jahrhundertkomponisten György Ligeti . Für die ZEIT blickt Claus Spahn auf Leben und Werk des in Ungarn geborenen Theoretikers zurück. Mehr als alles andere habe Ligeti Präzision, Strenge und Analytik im Denken geschätzt.
FAZ , Welt , taz , FR und NZZ richten den Fokus auf unterschiedliche Facetten.
Wolfgang Sandner verweist in der FAZ auf Atmospheres aus dem Jahre 1961, eine Komposition, die eine Revolution des Hörens einleitete und zugleich stilbildend wirkte. Zum ersten Mal in der Geschichte der abendländischen Musik verzichtete ein Komponist auf Entwicklung, auf Dynamik, auf Spannungsbögen und Dramatik. Ligetis statisches Komponieren hat den Schöpfern der Neuen Musik einen Weg aus der Sackgasse seriellen Komponierens gewiesen.
Klaus Geitel beklagt in der Welt den Verlust. Ligeti sei sein ganzes Leben lang neugierig, aufgeschlossen, unbeirrbar, konsequent gewesen.
Diese schöpferische Neugier rückt auch Christian Wildhagen in der Neuen Züricher Zeitung ins Zentrum seiner Betrachtung: Bei wenigen Künstlern, Picasso und Strawinsky ausgenommen, erscheint diese Lust am ständigen Wandel am gleichsam perpetuierenden Experiment derart ausgeprägt. Ligetis waches Interesse an den neuesten Strömungen in Naturwissenschaft, Mathematik und Informatik, aber auch der Ethnomusikologie findet darin seinen Niederschlag.
Kritisch erinnert sich Hans-Klaus Jungheinrich in der FR an den Komponisten. Sein Auftritt im Rollstuhl zur Entgegennahme des Frankfurter Adorno-Preises 2003 wirkte eher unsympathisch. In der Alten Oper offerierte Györgi Ligeti nochmals das Gerücht, Adorno sei von den 1968er Studenten umgebracht worden, und äußerte sich überheblich über die angeblich der realen Einsichten entbehrenden linken Grundlagen der Kritischen Theorie . Dass Alter und physischer Verfall nicht unbedingt mit einer durchleuchteten geistigen Würde einhergehen, wurde bei dieser Gelegenheit schmerzhaft deutlich.
- Datum 19.06.2006 - 09:53 Uhr
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Stellen Sie sich einmal vor, sie waren in Dublin auf dem Konzert des besagten Robbie W.. Zufälligerweise haben nicht nur Sie allein diese Location perplex, aufgewühlt und mit einem Glücksgefühl verlassen. Stellen Sie sich vor - oder glauben Sie mir ganz einfach - dass es den 60.000 anderen Konzertbesuchern ähnlich erging. Ausnahmen bestätigen natürlich die Regel.
Aber mir ist vollkommen schleierhaft, wie das geniale, wenn auch durch technisch Probleme beeinflusste Konzert so dermaßen falsch interpretiert werden kann.
Es war das erste Konzert einer sehr langen Tour. Die technischen Defekte haben dem Gesamteindruck keinen Abbruch getan. Vergessene Texte? Das dürfte keine neue Eigenschaft von Robbie W. sein und lässt sich verzeihen, wenn es nicht überhand nimmt und charmant überbrückt wird.
Mir persönlich haben die kleinen Missgeschicke diesen Mann nur noch sympatischer gemacht. Und letztlich zählt doch, ob die Tickets ihr Geld wert waren. Ich sage ja und fragen Sie einmal die anderen Konzertbesucher!
Und bitte Finger hoch, wer sich gelangweilt hat.
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