Tierschutz Sieg für Japan

Die größte asiatische Walfang-Nation hat eine wichtige internationale Abstimmung gewonnen. Nun droht die Rückkehr des kommerziellen Säugerschlachtens

Zum Ende setzten sich die Japaner durch: Gemeinsam mit 32 anderen Ländern hat der vehemente Verfechter des Walfangs eine Resolution verabschiedet, die auf die Rückkehr des kommerziellen Walfangs zielt. Damit hat sich die Mehrheit aller in der Internationalen Walfangkommission (IWC) organisierten Nationen dafür ausgesprochen, wieder in großem Stil Jagd auf die Meeressäuger zu machen. Viele Schutzbestimmungen für Wale, unter ihnen auch das Washingtoner Artenschutzabkommen, sind nun gefährdet.

Für die Tierschützer ist der Abstimmungserfolg Japans ein schwerer Schock. Die während der IWC-Tagung im Karibikstaat St. Kitts und Nevis verabschiedete Deklaration "ist ein herber Rückschlag für den Walschutz und die Wissenschaft", sagte WWF- Experte Volker Homes.

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Bis zur Tagung der IWC hatten die Walfang-Gegner noch die Mehrheit in der Kommission gestellt. Doch in den vergangenen Jahren ist die Zahl der Jagd-Befürworter unter den 70 IWC-Mitgliedsstaaten stetig gestiegen - von 9 im Jahr 2000 auf inzwischen mindestens 33 Länder. Das IWC, das eigentlich den Walfang regulieren und dafür sorgen soll, dass keine Walart ausgerottet wird, ist seit Jahren in zwei unversöhnliche Lager von Walfängern und Walschützern gespalten.

Der Grund: Die Befürworter des Walfangs sind mehr als systematisch auf Stimmenfang gegangen. Japanische Regierungsvertreter haben sogar zugegeben, Entwicklungsländer mit Hilfsgeldern ködern zu wollen, damit sie in die IWC eintreten und für die Interessen Japans stimmen. Kleinere Mitgliedsstaaten werden unter politischen Druck gesetzt oder ebenfalls mit finanziellen Vorteilen gelockt, damit sie für die Wiederaufnahme des Walfangs stimmen. Eine weitere Strategie: neue Mitglieder in die Walfangkommission aufzunehmen, wie zum Beispiel die Länder Mali und die Mongolei. Beide haben nicht einmal eine Küste - und haben sich dennoch für den Walfang ausgesprochen.

Echte Argumente spielen in der neuen Entwicklung gar keine Rolle. Dass Wale - wie in der Deklaration jetzt festgestellt - große Mengen Fische fressen, ist laut Homes Unsinn und wissenschaftlich längst widerlegt. "Die IWC-Mitglieder ignorieren die Erkenntnisse der Wissenschaft und votieren in aller Seelenruhe für das Ende des Walschutzes", kritisiert der WWF-Experte Homes. "Das ist ungefähr so, als würde man Spechte für die Entwaldung des Planeten verantwortlich macht", urteilt Meeresbiologe Thilo Maarck von Greenpeace.

In der Deklaration wird zudem behauptet, es gebe keine weitere Notwendigkeit für den Fortbestand des Walfangverbots. Dies sehen die Walschützer anders. Die Kommission müsse sich in ihrer Orientierung vielmehr den modernen Standards anpassen, sagt Meeresbiologe Thilo Maarck von Greenpeace. "Nicht nur 13 Großarten, sondern alle 80 Arten gehören in den Blick der Walschützer." Bislang würde sich der IWC auch nicht um die 300.000 Delfine und Wale kümmern, die jährlich als Beifisch in Fischernetzen verendeten, ohne das eigentliche Ziel der Fangaktionen zu sein.

Leser-Kommentare
  1. Wozu will Japan überhaupt Walfang betreiben? Die bisher zu "wissenschaftlichen Zwecken" gefangenen Wale werden schon zu Tierfutter verarbeitet oder an Schulkinder zwangsverfüttert, weil es sonst nicht genügend Abnehmer dafür gibt.
    Den paar Leuten, die noch in Walfang und -verarbeitung Arbeitsplätze haben, könnte man mit dem Geld, das die japanische Regierung schon für Bestechung und Propaganda ausgegeben hat, vermutlich allesamt bis zur Rente in Urlaub schicken.

    Aus Gründen, die wohl allenfalls ein Japanologe mit Psychologie-Zusatzstudium erklären könnte, scheinen sich zumindest Teile der japanischen Regierung hier immer weiter in eine ökonomisch und ökologisch unsinnige Walfang-Zwangshysterie hineinzusteigern.
    Ein möglichst weitgehender Boykott japanischer Waren und Dienstleistungen, und natürlich auch der korrupten Pudelstaaten, die diese Resolution unterstützt haben, könnte sicher zur Heilung dieser Abschlacht-Neurose beitragen. Auch wenn sowas in den Zeiten der Globalisierung natürlich nicht ganz einfach ist...

    Gruß Skarrin

    • hefe60
    • 20.06.2006 um 7:52 Uhr

    Man kann solche Regierungen nur via Kommerzentzug und Boykott in die Knie zwingen. Ergo: Kauft nicht Waren von Sony & Co.

  2. Es ist eine Schande, dass Wale nun wieder gefangen werden dürfen. Ohnehin ist die japanische Fischerei, bei der jährlich viele Delpfine als Beifang sterben, ein Skandal. Es wird nicht mehr lange dauern, dann haben die die Meere leer gefischt. Wir Deutschen sollten das auf keinen Fall unterstützen, sondern am besten boykottieren. NIE WIEDER SUSHI!!!!!!!!!!

  3. Dieser Vorgang bestaetigt wieder einmal, dass der Mensch sein groesster Genger ist und um zu Ueberleben und aus Geldgier so lange sein eigenes Habitat zerstoert, bis er sich am Ende selbst ausgerottet hat.

    Ich glaube es liegen UNO-Berichte vor, die fast auf das Jahr voraussagen, welche Fischarten durch Ueberfischung
    wann ausgestorben sind. In Spanien ist dies heute schon der Fall mit der Spezies der Anchoa, deren Bestaende so zurueckgegangen sind, dass sich die Faenge nicht mehr lohnen und Hunderte von Fischern und angeschlossenen Industrien vor dem Aus stehen und jetzt nach staatlicher Unterstuetzung schreien.

    Sowas werden die Japaner dann auch noch erleben.

  4. "Nun droht die Rückkehr des kommerziellen Säugerschlachtens"! Ist damit die Behandlung von Schweinen und Kühen in unseren Schlachthäusern gemeint? Wohl nicht.

    "Japanische Regierungsvertreter haben sogar zugegeben, Entwicklungsländer mit Hilfsgeldern ködern zu wollen"! Kanada, Australien und Großbritannien drohten nun den entsprechenden Ländern wegen ihres Abstimmungsverhaltens mit einem Boykott. Das selbe in grün.

    "Mali und die Mongolei. Beide haben nicht einmal eine Küste"! Komisch, das ich das Argument nie gehört habe, als sie noch gegen den Walfang stimmten.

    "Die IWC-Mitglieder ignorieren die Erkenntnisse der Wissenschaft" Stimmt, das gilt aber besonders für die Walfanggegner. Sie weisen z.B. auf die geringe Zahl von Blauwalen hin. Niemand will Blauwale oder Grauwale jagen. Wieso auch? Früher tat man dies wegen ihres Trans, den man heute nicht mehr braucht. Interesse besteht besonders an Zwergwalen (auch Minkwale genannt). Nach IWC-Angaben gibt es z.B. bis zu 1,1 Millionen Zwergwale, ihre Zahl wächst jährlich um ca 3%, und im Gegensatz zu Orcas oder Delfinen gibt es auch keinen Grund anzunehmen, daß sie intelligenter als z.B. Schweine oder Kühe sind. Man könnte jährlich einige tausend fangen und die Populationen würden trotzdem weiter wachsen. Darf man aber nicht. Wieso nicht?

    Mit ihrem Kommentar versuchen sie, die Leser wider besseren Wissens in die Irre zu führen.

    • belua
    • 20.06.2006 um 13:17 Uhr

    Die Japaner haben schon immer Wale gefangen und sie in ihr Nahrungsmittelrepertoire aufgenommen , wie die Norweger übrigens auch. Der Westen und die Deutschen ganz besonders müssen ja immer anderen Nationen vorschreiben, was sie zu tun und zu lassen haben. Die sentimentale Neigung der Deutschen gegenüber den Großräubern der Meere (Orkas und Konsorten)gehört zu den Irrationalismen vieler Deutschen.
    Den Japanern viel Erfolg im Kampf gegen die, die sie bevormunden wollen. Jetzt erst recht Sony, Mazda usw.

  5. ja, da haben wir Menschen wirklich mal wieder bewiesen, wie beschraenkt wir doch sind. Wir koennen anscheinend wirklich nicht ueber unsere Zukunft nachdenken, sonst wuerden wir unseren Planeten nicht unaufhoerlich zerstoeren.
    Was koennen diejenigen Mitglieder dieser Spezies tun, die diese Gabe dennoch besitzen? Vielleicht der japanischen Botschaft schreiben, was sie davon halten? Kommentare zu schreiben ist gut, aber wenigstens versuchen, etwas zu tun, ist noch besser. Frohes Schreiben!

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