Allfinanz Schmerzlicher Schnitt

Mehr als jede sechste Vollzeitstelle soll im Allianz-Konzern gestrichen werden. Die Gewerkschaften sind entsetzt. Die Börse honoriert den Abbau

Deutschlands größter Versicherer, die Allianz, will bis 2008 insgesamt 7.500 Arbeitsplätze streichen. Rund 5.000 der Stellen sollen nach Angaben des Konzerns im deutschen Versicherungsgeschäft wegfallen, das entspricht jeder sechsten Vollzeitstelle. Weitere 2.480 Arbeitsplätze werden bei der Allianz-Tochter Dresdner Bank gestrichen, die ein neues Geschäftsmodell erhält. Einer Mitteilung der Allianz vom Donnerstag zufolge ist mit den Beschäftigtenvertretern bereits ein Sozialplan vereinbart worden.

An der Börse gewannen die Allianz-Aktien bis zum Mittag um 1,5 Prozent auf 121,39 Euro. Zeitgleich legte der deutsche Leitindex DAX um 0,75 Prozent auf 5544,79 Zähler zu.

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Verbandsvertretern zufolge werden weitere Stellenkürzungen bei anderen Unternehmen folgen. In der Versicherungsbranche seien etwa drei Prozent der Arbeitsplätze gefährdet, gibt der Verband der Versicherungswirtschaft an, vor allem aufgrund von Ausfällen bei Kraftfahrzeugversicherungen.

Die Gewerkschaft ver.di hat bereits heftigen Widerstand gegen den geplanten Stellenabbau bei der Allianz angekündigt. Kurzfristig würden Aktionen und Warnstreiks vorbereitet, sagte das Vorstandsmitglied Uwe Foullong. Angesichts eines Rekordgewinnes des Konzerns von 4,5 Milliarden Euro hätten die Beschäftigten kein Verständnis dafür, dass 7.000 Mitarbeiter entlassen und ein Dutzend Standorte geschlossen werden sollen.

Auch die Betriebsräte der Allianz zeigten sich erschüttert über den drastischen Stellenabbau. »Mit Entsetzen mussten wir zur Kenntnis nehmen, dass erheblicher Personalabbau und Standortschließungen geplant sind«, sagte der Konzernbetriebsratsvorsitzende Norbert Blix. »Wir bedauern es, dass sich die Allianz in die Konzerne einreiht, die trotz Milliardengewinnen Standorte schließen und Tausende von Arbeitsplätzen vernichten.« Durch die hohe Teilzeitquote seien weitaus mehr Menschen von den Maßnahmen betroffen, als Arbeitsplätze gestrichen würden.

Der Chef der Allianz Deutschland AG, Gerhard Rupprecht, verteidigte das Vorgehen des Konzerns. Er sprach von »schmerzlichen Schritten«, die aber nötig seien, um die Wettbewerbsfähigkeit der Allianz zu erhalten. Der Konzern habe in den vergangenen Jahren in Deutschland vor allem im Versicherungsgeschäft kontinuierlich Kunden und Marktanteile verloren. »Es wäre verantwortungslos, dieser Entwicklung untätig zuzusehen«, sagte Rupprecht. Allein in den vergangenen drei Jahren sei die Zahl der Kunden um eine Million auf nun noch rund 19 Millionen zurückgegangen.

Die Zahl der Allianz-Standorte soll nun von bisher 21 auf 10 reduziert werden. An den verbleibenden Standorten will die Versicherung 25.000 Vollzeitarbeitsplätze erhalten.

Leser-Kommentare
    • SRCD
    • 23.06.2006 um 5:06 Uhr

    Mir war schon immer suspekt warum ein bunt beleuchtetes Luftkissenboot am Stadtrand einem Meisterwerk der Architektur im Münchner Olympiapark vorgezogen wird.
    Aufgeblasen, überdimensioniert, einsam so muss ich wohl ein Konzern fühlen, der solche Schritte einleitet. Auch wenn der Vergleich hinken mag: Ich lese in Äußerlichkeiten meist mehr als in jeder Managerphrase.

    Ähnlich verhält es sich übrigens mit dem "grandiosen" Bauwerk zur Automobilschau an einer der meist befahrenen und Feinstaub verseuchten Brücken der bayerischen Landeshauptstadt. A new star was born? Das ich nicht lache....

  1. 2. \N

    Gewinne privatisieren und Risiken nationalisieren echt clever!
    Diese Form des Wirtschaftens a la Allianz und Co ist zerstörerisch und menschenverachtend.
    Ich finde die Staaten der EU sollten so bald wie möglich eine Entlassungssteuer bzw. Regularien zur deutlichen Bekämpfung solcher unmoralischen Partikularinteressen einführen.

  2. 3. @srcd

    Nach meiner Erinnerung hat der Allianz-Konzern direkt nichts mit der Architektur des Fußballstadions in München zu tun. Für eine im Vergleich zu den Baukosten zahlte der Konzern eine moderate Summe, dass man diesem „Kissen“ den Namen „Allianz Stadion“ gab. Was mich nur wundert ist, dass während der Fußballweltmeisterschaft das Stadion so nicht genannt werden darf. Hat man da beim „Namen-Vertrags-Wording“ bei der Allianz etwa geschludert?

    Zur ernsten Sache der 7500 Arbeitsplätze: Hier muss die Allianz schleunigst auch die Öffentlichkeit informieren, wie die Entlassenen abgefunden werden sollen. „Hoffentlich Allianz versichert“ muss auch für ihre Mitarbeiter gelten, die letztendlich, zusammen mit der Kundschaft, den Erfolg dieser Gruppe ermöglicht hat.

    • SRCD
    • 23.06.2006 um 13:18 Uhr
    4. CI

    @donbolko
    es ist mir prinzipiell egal, wer oder was dieses Bauwerk verantwortet hat. In erster Linie steht Allianz Arena drauf. Wo Allianz drauf steht, damit identifiziert sich Allianz,da ist auch Allianz im Geiste drin.

    • wercho
    • 22.06.2006 um 18:53 Uhr

    Auch für mich bedeuten diese und ähnliche Meldungen schmerzhafte Konsequenzen. Ich werde meine Versicherungen prüfen und die bei der Allianz bzw. deren Tochtergesellschaften kündigen. Ich mache das auch mit anderen besonders soziopathisch agierenden Firmen wie Continental und Elektrolux/AEG.
    Es ist für meine Begriffe auch derzeit ein Fehler, daß das Geschäftsziel einer Firma sich nur durch die Renditenhöhe definiert. Das ist sicher wichtig, noch wichtiger für den dauerhaften Erfolg einer Firma ist aber die Kundenzufriedenheit. Ein derartiger Personalkahlschlag verschlechtert ganz sicher die Qualität der von der Allianz erbrachten Leistung und damit automatisch die Kundenzufriedenheit.

  3. Ich hatte beim Lesen des Artikels exakt dieselben Gedanken. Offenbar kapieren diese Vorstaendler/ Aufsichtsraete (etc.) gar nicht, dass sie mit solchen Massnahmen auf gar keinen Fall ihr Geschaeftsergebnis in der Zukunft verbessern koennen. Du hast es exakt formuliert, besser als ich es koennte.

    Sie argumentieren also damit, dass das Ergebnis (trotz Gewinnen, oder verstehe ich das falsch??) zu schlecht sei und daher die Leute gehen muessen?? wer soll denn in Zukunft deren produkte erwerben?

    Ich habe das Gefuehl, dass diese Leute aus den sogenannten oberen Etagen gar keine Ahnung haben, wie das bei ihren Kunden ankommt. Die denken wohl, wenn sie dann ein-zwei Millionen in neue werbekampagnen stecken, dann kriegen sie schon neue Kundenabschluesse? Oder was?

    Ich wohne ja nicht mehr in Deutschland und habe daher auch keine Konten oder Versicherungen mehr dort. Aber wenn ich noch in D waere und irgendwelche Geschaeftsbeziehungen mit diesem feinen Konsortium haette - dann wuerde ich es genau wie wercho machen: alles kuendigen!
    Fuer alles, was die anbieten, gibt es Alternativen!! Man muss sich nur umsehen. Und im Zeitalter des Internets braucht ja niemand mehr einen Berater einer bestimmten Firma!

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