Bär Bruder BrunoSeite 2/2

Bruno war dabei nur der Erste, er war das erste Opfer, es werden die Brüder und Schwestern dieses „halbstarken“ JJ1 kommen, JJ2 und JJ3 und JJ4 und so weiter, in einer ganz anderen Art der Völkerwanderung, in diesen künftigen Jahren, wo Migranten mal wieder die Hauptdarsteller der Weltbühne sein werden. Bruno kann also durchaus als Symbol verstanden werden, er war der Einbruch des Fremden ins Freizeitparadies, er hätte das Zeug dazu gehabt, dass Verteidigungsminister Jung mit dem ewigen Halbstarken Trittin in diesem letzten Sommer von Sabine Christiansen über das weitere Vorgehen diskutiert.

Bruno wird es in jedes anständige Geschichtsbuch schaffen, er wird diesen Platz haben im Sommer 06, zwischen dem Abstieg von Christiansen und dem Aufstieg von Klinsmann. Die eine markiert das durchplauderte Konsensgeklüngel der späten neunziger Jahre; der andere die zupackende Emphase der neuen Zeit. Und dazwischen war irgendwie kein Platz für Bruno.

Sie werden eine Pressekonferenz halten, sie werden uns vielleicht den toten Bruno zeigen, wie sie uns den toten Oberterroristen al-Sarqawi gezeigt haben. Spätestens dann werden wir wissen: Es war eine große Komödie, das kurze, lustige, traurige Leben von Bruno, und wie alle wirklichen und guten Komödien war es natürlich eine einzige Tragödie. Bruno jedenfalls wird bleiben, in unserer Erinnerung, in einer Reihe mit Karl dem Käfer und dem Maulwurf namens Grabowski.


 
Leser-Kommentare
    • adhoc
    • 26.06.2006 um 19:42 Uhr

    Sehr geehrter Herr Georg Diez, der Nachruf ist ihnen wirklich gelungen, musste dabei an Enzensbergers Gedicht "Erinnerung an den Tod" denken. In Ihnen sehe ich wahrhaftig wirklich keinen, der Bären nur aus der Haribotüte kennt. Mensch Bruno, Mensch Georg!

    • hago
    • 27.06.2006 um 12:11 Uhr

    Mein Urlaub im Allgäu ist ein paar Wochen her - da fing "Problembär" Bruno erst an sein kurzes Leben in Deutschland zu geniessen. Hier daheim in Berlin habe ich mehr Angst - hier gibt es, trotz Leinenzwang und diverser Auflagen, immer noch zigtausende Problemhunde, die keiner abschiessen will aber die (im Gegensatz zum scheuen Bruno) wirklich Menschen anfallen und verletzen oder gar töten.

    Für die unberührte Natur und den Schutz von Wildtieren eintreten ist sehr einfach. Falls sie dann mal auf einen Besuch vorbeikommt, brennen aber alle Sicherungen durch. Mit allen Bärenmythen aus den Grimms-Märchen im Kopf und der Flinte aus dem Schrank, wird die Natur wieder auf Geranien-vor-dem-Balkon Format zurechtgestutzt.

    Platz für "wilde" Tiere gibt es in Bayern wohl (noch?) nicht. In Deutschlands Osten leben ein paar Wolfsrudel auf Truppenübungsplätzen - das scheint nicht ganz so gefährlich zu sein, wie es sich anhört. Aber hier gibt es auch weniger Geranien.

  1. Was Problembären bedeuten kann man sich auf National Geographic in Berichten aus Kanada ansehen. Nur dort sieht man auch, dass Problembären mit einem Betäubungsgewehr gefangen und dann verfrachtet werden. Die Methode ist da und wenn man Hunde aus Finnland kommen lassen kann, wird man wohl auch noch ein Flugticket über den Atlantik bezahlen können. Ich denke einerseits, dass man einen wilden Bären, der die Nähe des Menschen sucht nicht aushalten wird und schüttele andererseits den Kopf, dass man sich die Lösung so einfach macht ihn einfach abzuknallen. Es bestätigt mein Bild der Jagd und professionelle Spezialisten aus dem Bereich des Artenschutzes sollten die einzigen mit Lizenz zum Schuß auf einen Bären sein, da ihr Horizont einfach weiter ist und eher eine Lösung für Mensch und Bär nebeneinander gefunden wird.

    • mblum
    • 26.06.2006 um 18:37 Uhr

    Da konnte man den Kindern endlich mal beim Frühstück erklären, was die Kaffemilch aus den Alpen mit Bären zu tun hat, da wird das arme Vieh gleich bei der erstbesten Gelegenheit abgeschossen. Jetzt sagen die Kinder, daß auf der Dose mit der Kaffeemilch eigentlich Angsthasen abgebildet sein müßten.

    PS: Bekommen Brunofans in bayrischen Wirtshäusern jetzt wenigstens leckeren Bärenbraten aufgetischt? ZEIT-Redakteure, recherchiert das mal!

  2. Die Argumentation des Artikels ist derart flach, dass man sich des Verdachts nicht erwähren kann, er solle genau das Gegenteil bewirken.

    Wenn man nur stark genug für These A plädiert, dann geht die Meinungsbildung schwerpunktmäßig als Gegenpol zur Gegenthese über.

    Leider scheint der Verfasser sein zartes, ökologisches, fast schon elegisches Gelaber aber ernst zu meinen.
    Man kennt das von Grabreden: der Verstorbene hatte einfach nur positive Seiten.

    Armer Bruno - jetzt wird er auch noch von den Redakteuren der Zeit für deren Zwecke instrumentalisiert.

    Vergessen wir nicht ganz: Problembären werden auch woanders beseitigt - weil man auch dem Menschen manche Gefahren nicht zumuten möchte.

    Sehr geehrte Redakteure, machen Sie doch demnächst mal Urlaub in Kanada und sich ein eigenes, weniger mediengefärbtes Bild von Bären.

    Vielleicht werden auch Sie feststellen, dass diese Teddys nicht einfach nur kuschelig sind. Und dass gesellschaftspolitische, ideoloogische Überlegungen reichlich egal sind.
    Vielleicht.

    • Anonym
    • 27.06.2006 um 9:15 Uhr

    "Verkehrte Welt" muß ich bei einigen Kommentaren denken. Es ist einfach schrecklich, was da zum Teil geschrieben wird, angefangen mit dem Kommentar. Haben wir verlernt, zwischen Mensch und Tier zu unterscheiden? Ob auch so ein "Wirbel" gemacht worden wäre, wenn dieser niedliche und ach so harmlose Bär einen Menschen angefallen hätte? Wahrscheinlich hätte es dann an dem falschen Verhalten des Menschen gelegen, der nicht verstanden hat, daß der Bär nur "kuscheln" wollte. Mir kommen wirklich die Tränen und deshalb kann ich nicht weiterschreiben.

  3. Mir ist dieser Artikel zu heiter. Bruno hat nichts mit Karl dem Käfer und auch nicht mit Maulwurf Grabowski zu tun.
    Wieder einmal hat die Gattung Homo Sapiens ihre Unfähigkeit bewiesen. Bruno hat das nicht verdient. Er wollte nur seine Freiheit genießen.

    Ich bin sehr traurig. Wäre es ihm doch nur gelungen....

  4. Ne,ne,ne,ne!!! Ich habe heute Bruder Bruno gesehen. Er ist doch hier!!! Warum suchen Sie nicht ihn? Er ist SO GROSS, sanft und schüchtern, das ich ihn adoptieren möchte!!!

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