Stühle rücken in Teheran. Allerdings sind es derzeit nicht die politischen Ämter, deren Besetzung sich ändert, sondern die fußballerischen. Nach der sportlichen Schlappe in Deutschland werden hohe Fußballfunktionäre reihum abgesetzt. Das ist das Thema, das die iranische Presse bestimmt, und nicht die Benzinrationierungen, von denen seit dem heutigen Dienstag die Rede ist. Die freilich dürften auch jenseits der veröffentlichten Meinung einige Unruhe schüren, sollten sie in Kraft treten. War nicht gerade auf den Wirtschaftsseiten der Teheraner Blätter zu lesen, dass der Automobilkonzern BMW im kommenden Jahr 3000 Limousinen ins Land bringen wolle (und, wichtiger noch, langjährigen Service zusicherte)? Den Reichen dürfte es auch in Zeiten der Rationierung nicht schwer fallen, ihre Wannen voll zu tanken.

Doch sollte niemand glauben, die wachsenden sozialen Spannungen im Lande würden bereits die Macht des Präsidenten Ahmadineschad untergraben, schreibt der britische Guardian an diesem Dienstag: „Viele einfache Iraner, die gegenwärtig über niedrige Löhne, Inflation und Beschränkungen der persönlichen Freiheit klagen, billigen gleichwohl den ‚nationalen Diskurs’, den Ahmadineschad mittels vierzehntägiger Reisen durch die Provinzen pflegt“ – und der das Blatt an die Propagandamethoden Tony Blairs erinnert. Die britische Analyse geht freilich weiter und legt dar, dass Ahmadineschad wohl „dazugelernt“, seine Rhetorik etwas gedämpft habe und im Übrigen nicht einfach als Marionette der Mullahs anzusehen sei. Im 27. Jahr nach der Revolution durchziehe eine antiklerikale Stimmung das Land, getragen von der Unzufriedenheit mit Machtmissbrauch und Korruption, und Ahmadineschad verstehe es, sich von dem ungeliebten Status Quo zu distanzieren. Er sei weder der Mann der Mullahs noch der reformorientierten Mittelklasse, sondern vielmehr einer eigenen, neuen Wählerschicht, die sich aus Arbeitern und Jugendlichen zusammensetze. Ihr freilich müsse er auch etwas bieten, was ihm auf Dauer schwer fallen dürfte.

„Politisch rechts, ökonomisch links“, so skizziert ein iranischer Experte im Guardian die Position des Präsidenten. Seine in jüngsten Tagen etwas moderateren Töne werden unterdessen begleitet von schrillen Äußerungen der Ultrarechten, die Gespräche mit den Vereinigten Staaten rundheraus ablehnen. Im Teheraner Radikalenblatt Kayhan wettert Hussein Schariatmadari, der Feind wolle Verhandlungen nur nutzen, um das Regime zu stürzen. Der bekannte Extremist, dessen Meinungen nicht ohne Einfluss sind, beobachtet offenbar mit Sorge, dass Iran zu Zugeständnissen im Atomstreit bereit sein könnte, erklärt das Angebot des Westens an sein Land für „wertlos“ und geht sogar so weit zu behaupten, dass der Atomwaffensperrvertrag praktisch nicht mehr existiere. Anzumerken ist, dass in Kayhan auch schon einmal zu lesen war, das Vertragswerk hindere das Land an der Entfaltung seiner Potenziale.

Die wütenden Attacken von rechts sind jedenfalls ein Signal dafür, dass sich in der Teheraner Führung etwas bewegt . Die internationale Presse dieses Dienstags hat viel mehr als das nicht zu bieten – aber das immerhin.