Stiftungen Monopol der Wohltaten
Mit den Buffet-Milliarden erweitert die Gates-Foundation ihre finanziellen Möglichkeiten auf das Doppelte. Kontrolliert der Microsoftchef nach der Softwarebranche nun auch die globale Gesundheit?
Es ist erst ein paar Tage her, da überraschte uns die 50-jährige Softwarelegende Bill Gates mit der Entscheidung, sich in den kommenden zwei Jahren vollständig aus dem Tagesgeschäft von Microsoft zurückzuziehen. Der reichste Mann der Welt wird zwar im Vorstand des Unternehmens bleiben, doch seine Energie will er künftig nicht mehr ins Geldeinnehmen, sondern ins Geldausgeben stecken. Nur noch Gutes will er auf seine alten Tage tun, und das Instrument seiner Wohltaten wird eine Stiftung sein, die in ihren Proportionen ganz Gates' Firma entspricht: Gemeinsam mit seiner Ehefrau und Vater William H. Gates gründete der Multimilliardär bereits vor sechs Jahren die Bill and Melinda Gates Foundation. Mit rund 27 Milliarden Dollar Kapital ist es die derzeit größte private Stiftung weltweit.
Und nun wird sie noch größer. Amerikanischer Tradition folgend hat der 75-jährige Warren Buffet, ein Freund der Gatesfamilie und ebenfalls milliardenschwer, beschlossen, den Löwenanteil seiner Dollar nicht den verwöhnten Kindern zu hinterlassen - sondern der Gatesstiftung . Mit dem Buffet-Vermögen verfügt die Foundation künftig über die doppelt gigantische Summe von 64 Milliarden Dollar. Damit kann das Microsoftpaar mehr denn je die Welt verbessern - eine Idee, die nicht jedem Freudentränen in die Augen treibt. Von einer "Supermacht" ist schon die Rede, und das klingt durchaus bedrohlich. Viel Geld bedeutet viel Macht - insbesondere, wenn man die Reichweite des Stiftungsengagements betrachtet.
Der letzte Jahresbericht der Stiftung (englisch) dokumentiert eindrücklich, wie umfangreich die Gates Foundation Bildungsförderung, Gesundheitsinitiativen, Bibliotheksaufbau und zahlreiche andere Vorhaben unterstützt - und zwar in mehr als 100 Ländern der Erde. Fast drei Viertel aller finanziellen Hilfen werden global verteilt, nur ein kleiner Teil der Spenden wandert in US-amerikanische Projekte. Und die Beträge, mit denen die Stiftung hilft, sind enorm - in vielen Fällen übersteigen sie die Größe jener Finanzspritzen, die westliche Regierungen oder internationale Institutionen wie die Weltgesundheitsorganisation den Initiativen und Entwicklungsländern zukommen lassen.
Der Schwerpunkt des Stiftungs-Engagements liegt dabei klar auf dem Kampf gegen Krankheiten: Malaria, Aids, Tuberkulose, kaum ein Gräuel, das die Gates nicht von der Weltkarte putzen wollen. Auch andere Infektionen, wie zum Beispiel die Masern , die in Entwicklungsländern jährlich mehrere Hunderttausend Kinder das Leben kosten - während sie in den Industrienationen kaum noch Beachtung finden -, sollen mit Hilfe der Gates-Dollar endlich unter Kontrolle gebracht werden. Die Taktik für den medizinischen Feldzug heißt Impfung, und zwar schon im Kindesalter. Insbesondere das im Jahr 2000 gegründete Public Private Partnership Global Alliance for Vaccines and Immunization (GAVI) bekommt von der Stiftung Milliarden für die Etablierung von Impfprojekten auf der ganzen Welt. Der Grundgedanke: Krankheit erzeugt Armut, und wer die Armut bekämpfen will, muss zunächst dafür Sorge tragen, dass der Nachwuchs gesund bleibt. Die Unterstützung von konkreten Impfprojekten ergänzt die Stiftung, indem sie auch wissenschaftliche Grundlagenforschung fördert.
1,7 Millionen Kinderleben hat GAVI nach Angaben der Foundation bereits gerettet, weitere zehn Millionen sollen es in der kommenden Dekade sein. Daran kann kaum etwas zu kritteln sein, möchte man denken, zumal andere Geldgeber - wie die Weltbank und der amerikanische Medienunternehmer Ted Turner - dieselben oder ganz ähnliche Impfprojekte wie die Gatesstiftung finanzieren. Doch Kritik gibt es sehr wohl, und im Mittelpunkt dieser Kritik steht das "wie" und "an wen" der Gatesschen Gesundheitsoffensive. Zu bürokratisch sei es geworden, an eine Förderung der Stiftung zu kommen, sagen Kritiker, und zu häufig würden Gelder mehrfach für den gleichen Zweck ausgegeben, etwa indem die Stiftung verschiedene Projekte unterstütze, die im Prinzip das gleiche Ziel verfolgten.
Der amerikanische Expräsident Jimmy Carter, selbst Stifter und im globalen Gesundheitskampf engagiert, bemängelte zudem schon im Dezember 2004, dass die von Gates unterstützten wissenschaftlichen Forschungsprojekte zu weit von der Realität entfernt seien, weil viel zu langwierig und riskant. Dieser Vorwurf wird auch dem neuesten Projekt im Spendenreigen der Stiftung zuteil: Für Grand Challenges in Global Health wurden aus 1000 Bewerbungen 48 wissenschaftliche Pläne ausgewählt, die sich vor allem durch Forscher-Ehrgeiz auszeichnen und noch dazu fast ausschließlich von Labors aus entwickelten Ländern stammen. Auch Peter Piot, Direktor der Aids-Organisation der Vereinten Nationen (UNAIDS), empfindet das als befremdlich: Die Grand Challenges würden sich mit Angelegenheiten der National Institutes of Health (der US-staatlichen Forschungsinstitute) befassen, dabei habe er immer gedacht, die Stärke der Gates-Stiftung liege darin, dass sie die Arbeit in den Entwicklungsländern vorantreibe.
Was sie ja - zumindest in ihren Impfprojekten - ebenfalls tut. Das finanzielle Engagement für GAVI zum Beispiel kommt sowohl der Forschung an neuen Impfstoffen, als auch den so genannten Bottom-Up -Projekten zugute. Letztgenannte ermöglichen es den Entwicklungsländern, aus eigenem Antrieb (also von unten, dem bottom aus) an vorhandene Medikamente und Impfungen ( up ) zu kommen und eigenständig ein System aufzubauen, das diese Mittel an die bedürftigen Kinder verteilt. Auch dieser Ansatz ist unter Experten umstritten, viele befürworten Top-Down -Modelle, bei denen von außen implementierte Pilotprojekte später auf die breitere Bevölkerung ausgeweitet werden. Solche Projekte gibt es allerdings, doch finanziert werden sie auf anderen Kanälen als der Gates-Stiftung, heute und weiterhin.
Im Zentrum der Kritik steht demnach weniger die Tatsache, dass Bill und Melinda Gates überhaupt in diesem massiven Umfang spenden und damit Einfluss ausüben. Als störend wird eher empfunden, dass das Paar samt Vater in der Auswahl der geförderten Projekte seiner eigenen Philosophie folgt - und diese nicht von allen im Public-Health-Sektor tätigen Experten und Wissenschaftlern geteilt wird. Warren Buffet aber kann sich scheinbar sehr gut mit der Stiftung und ihren Zielen identifizieren. Dass die Gatesphilosophie nun massiven Vorschub durch seine Milliarden erhält, wird Spuren im globalen Gesundheitsmanagement hinterlassen, und es werden die Spuren von Bill Gates sein. Doch wäre es sicher nicht besser gewesen, Buffet hätte das Geld an seine Kinder verteilt.
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- Datum 12.03.2008 - 06:04 Uhr
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- Quelle ZEIT online, 28.06.2006
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Darf ich aus Ihren Worten entnehmen, dass es "moralischer" ist den Afrikanern keinen Gen-behandelten Reis zu schicken, selbst wenn dadurch Tausende sterben werden, als sie mit Gen-behandeltem Reis vor einer Hungersnot zu bewahren. Nur weil in Europa die Meinungen lanciert werden, Gen-behandelter Reis sei gefährlich.
Soweit mir bekannt sind etwa 70 % des in den USA geernteten Reis genbehandelt. Und was für die Bewohner der USA unbedenklich ist soll für die Afrikaner, vor einer Hungersnot stehen, nicht gut genug sein.
Ist Ihnen schon einmal der Gedanke gekommen, dass sich hier Interessengruppen in Europa auf Kosten und Gesundheit von Afrikanern ihren Einfluss konservieren wollen ?
Ihre Aussagen wie die auch von Bart, sind ein Grund mehr, der Gates Stiftung viel Erfolg zu wünschen.
@Faustus34 - Lies doch einfach hier: LINK GELÖSCHT
@konradi: Warum Sie die ZEIT lesen, ist mir fraglich. Sie scheinen sich mit dem humanistischen Gedankengut überhaupt nicht anfreunden zu können. Sie scheinen auch Milliardäre für ganz normal zu halten.
Wofür Milliardäre das der Gesellschaft entwendete Geld spenden, sollte in der Tat der demokratischen Kontrolle unterliegen. Logisch! Sonst würden ja ERNEUT die Interessen Einzelner unverdientermaßen in den Vordergrund gerückt und könnten ERNEUT diese schädliche Wirkung entfalten, die schon beim ersten Mal zum Aufbau der irrsinnigen Milliardenvermögen geführt hat. In der Tat ist das schädlichste nicht das Spendenverhalten der Milliardäre, sondern die Milliardenvermögen selbst. Das Geld wird - nun im Interesse angeblich wohltätiger Zwecke - WEITERHIN wie Unternehmen verwaltet und wird gemäß der Natur der Stifter um jeden Preis vermehrt. Stiftungsvermögen dieser Dimension sind nichts anderes als vampirartig Geld aufsaugende Private Equity Fonds mit einer etwas umfangreicheren Corporate Social Responsibility Abteilung...
Sie haben recht, das ist grenzwertig. Ich will aber darauf verweisen, daß der Kapitalismus die beste Publicity hat, uns weiß machen will, die Kapitalistische Welt, wär die beste, menschenfreundlichste und moralischste aller (vorstellbaren)
Welten. Man müsste Forscher beauftragen, den Bodycount zu zählen, die, vor allem, "leisen" Verbrechen des Kapitalismus. Immerhin sagt der UN-Nahrungsbeauftragte (weiß gerade den korrekten Titel nicht) explizit, jedes verhungernde Kind ist ein ermordetes Kind und dieser (Massen-) Mord, wie er sagt, geht auf Kosten des herrschenden Wirtschaftssystems, das für Millionen tödliche Ungleichheiten und Ungerechtigkeiten erzeugt. Bill Gates ist ein Aushängeschild dieses Wirtschaftssystems, er hat seine Milliarden mit teilweise moralisch fragwürdigen
Methoden verdient. Da sind Zweifel an seiner Integrität erlaubt. Außerdem sind in meinen Augen die Überlegungen von
Hefe60 mit einzubeziehen, wieviel Publicity-Gründe da im Spiel sind oder Steuerersparnisgründe (die der öffentlichen Hand dann wieder fehlen).
Stellen Sie sich vor, das geht so weiter, dann wird Bill Gates oder ein anderer mit einem befreundeten Pharmakonzern zusammenarbeiten (daß er mit Monopolsituationen kein Problem
hat, hat er zur Genüge bewiesen), wenige Menschen würden dann untereinander Absprachen treffen und stark in die Geschicke der Welt eingreifen. Daß es ein moralisches Unding ist, solche Summen zusammenraffen zu können und damit so viel Macht zu bündeln, einmalig in der Weltgeschichte für Privatpersonen, die von niemand legitimiert sind, ist meine persönliche Meinung.
MfG
Was bedeuten denn nun Ihre Aussagen für die Tätigkeit der Gates-Stiftung?
Soll Sie ihre Tätigkeit aufgeben, weil sie zwar wohltätig handelt, dabei aber die Finanzmärkte "aufsaugt" ?
Welch ein Weltbild ! ES erinnert mich an die Taten einiger Umweltverbände vor zwei oder drei Jahren in Sambia. Dort stand eine Hungersnot kurz vor dem Beginn.
Die US hatten 30.000 to genbehandelten Mais mittels der Welthungerhilfe dorthin geschickt, um die Not zu lindern.
Vertretern von Friends of the Earth haben dann den Sambischen Präsidenten davon überzeugt, dass Genbehandlung so etwas sei wie Aids, worauf die Sendung nicht gelöscht werden konnte und zurückgeschickt wurde.
Oder wenn man an die Verhinderung des Einsatzes von DDT denkt und die Hunderttausende von Toten, die die Opfer sind..
Es ist nicht zu glauben.
Prima Idde, hefe68 -
Bill Gates und Warren Buffett sollten ihre Milliarden doch direkt auf die Schweizer Konten von Charles Taylor, Mengistu Haile Mariam, Hissène Habré und General Nkunda überweisen - oder weiter nördlich an die Regierung in Addis Abeba!
Die Hungerhilfe ist z.B. der zweitgrößte Wirtschaftszweig Äthiopiens. Sie wächst schneller als die Landwirtschaft und ist mit schuld daran, dass die Äthiopier immer ärmer werden. Von 1984 bis 2002 ist die Lebensmittelproduktion von 450 Kilo auf 140 Kilo pro Kopf gesunken.
Aber Fakten wie diese passen nun einmal nicht in das Weltbild der glühenden Rächer turbokapitalistischer Auswüchse. Ihrem letzten Satz, hefe60, stimme ich aber gern zu:
Wenn bei der ganzen Debatte wirklich was nervt, dann das Gutmenschen-Denken unbedarfter geistiger Fertighäuser.
Es gibt einige Menschen, die nachdem sie Umstände und Zusammenhänge für sich bewertet haben, die Chance, reich zu werden, ausgeschlagen haben. Das sind meine Vorbilder.
Mit freundlichen Grüßen und im Moment einkommenslos und auf die Hilfe der Familie angewiesen.
sind einzige auf der Welt und ich wette dass sie mit dem gestifteten Geld mehr machen als wenn man es dem Staat geben wuerde.Private Stiftungen sind entschieden besser als staatliche Inkopetenz immer wieder beweisst.
Es ist bedauerlich dass es Leute (Neider denke ich) die sich mokieren oder gar wilde Vermutungen aufstellen.Ich warte ab was geschieht!
Ich stimme ihnen zu, dass eine solche Machtfülle in Händen einer Person besorgniseregend ist. Allerdings bin ich auch der Meinung dass es auf dieser Welt Personen mit einer noch größeren Machtfülle gibt, welche mir persönlich größere Sorgen bereiten (welchen der Diktatoren man sich dabei aussucht ist eigentlich gleichgültig. Dass dies kein Grund ist darauf zu verzichten über die Möglichkeit der Beschränkung solcher Macht nachzudenken steht ausser Frage. Man sollte meiner Meinung nach nur die Relationen nicht vergessen.
Die Aussage, dass jedes verhungerte Kind ein ermordetes Kind ist teile ich, dass das System Kapitalismus für diesen Hunger verantwortlich ist halte ich nicht für erwiesen.
Vor allem da Daten existieren welche nachweisen, dass Hungersnöte ausschließlich in nichtdemokratischen Staaten stattfinden, nicht in demokratischen ob diese arm sind oder nicht. (Amartya Sen, "Nobody Need Starve", Granta 52, 1995)
Eine solche Relation lässt mich am Kapitalismus als Verursacher zweifeln.
Des weiteren bin ich der Meinung, dass wir der Ehrlichkeit wegen eingestehen müssen, dass wir alle Teil dieses Systems sind, Mr. Gates dieses wohl besser (oder auch nur mit mehr Glück)genutzt hat. Auch würden wohl nur die wenigsten die Möglichkeit reich zu werden wenn sie sich bietet nicht nutzen. Womit Mr. Gates welcher ja immerhin einen Teil seines Geldes für Wohltätige Zwecke ausgibt, weder besser noch schlechter als der durchschnittliche Mensch sein dürfte.
MfG
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