Leidenschaftslos, langweilig, unbrasilianisch – das sind die Umschreibungen, mit denen das Spiel der „Seleção“ bei dieser Weltmeisterschaft beschrieben worden ist. Obwohl die Anzahl an Superstars, die in der brasilianischen Auswahl auflaufen, ihresgleichen sucht – vergebens – haben es Ronaldinho & Co bisher versäumt, die erwartungsfrohe Weltöffentlichkeit in ihren Bann zu schlagen. Ein 1:0 gegen Kroatien, ein 2:0 gegen Australien, immerhin 4:1 gegen die Japaner. Und der 3:0 Achtelfinalsieg über Ghana.

Nun gut, an den Ergebnissen allein lässt sich nicht festmachen, dass Brasilien bei dieser WM bisher eine Enttäuschung ist – andere, so genannte Favoriten, haben noch wesentlich weniger gezeigt, besonders was die Torausbeute anbelangt. Aber Brasilien ist ja nicht irgendein Mitfavorit. Brasilien wurde gewissermaßen bereits vor der WM der Titel verliehen. „Magisches Viereck“ schrieben die Experten, und meinten damit den Angriff mit Ronaldinho, Kaka, Adriano und Ronaldo. „Beste Brasilianer aller Zeiten“ – das schloss gnädigerweise auch den Rest der Mannschaft mit ein.

Ob man die wenig begeisternden Auftritte an vier oder elf Spielern festmacht, spielt eigentlich kaum eine Rolle – allen fehlt die oft bewunderte brasilianische Spielfreude, die Leichtigkeit, mit der angeblich nur Brasilianer den Ball über das Feld und durch eigene und gegnerische Reihen laufen lassen können. Besonders gegen Ghana wurde deutlich, dass das Geheimnis des brasilianischen Erfolges in den letzten Jahren weniger in atemberaubender Spielkultur als im schonungslosen Aufdecken gegnerischer Schwächen zu finden ist.

Ghana spielte durchaus nicht schlecht, kombinationssicher, laufstark, variantenreich – Eigenschaften, die den Einzug ins Achtelfinale als verdient bestätigen. Was den Afrikanern fehlte, war ein durchsetzungsfähiger Sturm bzw. ein Stürmer mit Torinstinkt und der nötigen „Coolness“ im Abschluss. Asamoah Gyan, Ghanas bester Angreifer, zweifelsohne talentiert, technisch stark und einsatzfreudig, ist eben doch kein Stürmer vom Kaliber eines Miroslav Klose oder eines Ronaldo.

Allen Unkenrufen zum Trotz trifft Ronaldo auch in zweifelhafter körperlicher Verfassung das Tor. Mittlerweile wieder fast nach Belieben. Damit verhöhnt er beinahe einige andere Weltklassestürmer im Turnier. Man denke an die unter Ladehemmung leidenden van Nistelroy, Shevchenko und Henry. Genau das macht aber den Unterschied aus. Ohne große Mühe und ohne daraus ein Spektakel veranstalten zu müssen, befördern die Brasilianer den Ball ins Netz.

Ghana erweist sich trotz einiger Möglichkeiten als unfähig, ein Tor zu erzielen, dann machen es eben die Brasilianer vor. Die Kombination aus technischem Können und dem Wissen, was in welcher Situation zu tun ist, wann welcher Pass zu spielen und wann der eigene Torschuss anzubringen ist, das zeichnet die Brasilianer ziemlich genau seit ihrem Weltmeistertitel von 1994 aus. Was darauf folgte, ist bekannt: Finale 1998 und der Titel im Jahre 2002.