Dieser Tag ist irgendwie anders als die Tage zuvor. Ruhiger. Heute Abend wird niemand hupend durch die Straßen fahren, die Kneipen werden leer sein, kein Gegröle aus offenen Wohnzimmerfenstern tönen. Heute ist Mittwoch, der 28. Juni – der erste WM-Tag ohne Spiel.

Ich muss bekennen, dass ich kein großer Fußballfan bin und mit der Ruhe folglich ganz gut zurecht komme. Die meisten deutschen Spieler habe ich bei der Weltmeisterschaft zum ersten Mal gesehen und den Unterschied zwischen Ronaldo und Ronaldinho auch erst vergleichsweise spät kapiert. Trotzdem würde es mich natürlich freuen, Deutschland und Brasilien im Finale zu sehen.

Wenn aber – wie heute – kein Spiel stattfindet und man obendrein auch keine Ahnung vom Thema hat, ist es nicht besonders einfach, über Fußball zu schreiben. Trotzdem prägt der Sport meinen Tag. Wir haben bei uns im Wirtschaftsressort nämlich einen Tischkicker. Ein Modell von Longoni mit sehr glatter Spielfläche, nichts für Taktiker. Er wurde vor Jahren zum letzten Mal sauber gemacht, deswegen ist er auch nichts für Leute mit Hygienefimmel. Und da der eigentliche Sinn unserer Spiele darin besteht, uns wechselseitig zu beleidigen, ist eine Runde am Kicker auch nichts für zarte Seelen. Aber wir brauchen das.

Der Anpfiff erfolgt pünktlich nach dem Mittagessen. Ich spiele im Sturm, mein Verteidiger ist ein hochgeschätzter Kollege, den ich hier mal lieber "Franz" nenne, obwohl er natürlich anders heißt, aber ich will nicht, dass er mir böse ist, wenn ich seinen richtigen Namen verrate. Gegenüber stehen Kollege "Andrej" (hinten) und Praktikant "Rüdiger" (vorne).

Mein Tipp ist, immer aus dem Mittelfeld raufzuhämmern. Das bringt erstaunlich gute Ergebnisse und demoralisiert den Gegner. Am besten gleich am Anfang ein paar Tore rein, dann gewinnt man spielpsychologisch gesehen die Oberhand. Die Klinsmannschaft hat es gegen Schweden ja auch so gemacht, aber ich will hier nicht den Bundestrainer geben.

Leider geht mein Plan nicht sofort auf, was vor allem an Andrej liegt. Er macht hinten gut dicht und erzählt prompt einen von "Talent" und "wahrer Größe". Das Unberechenbare an Andrej ist seine Leistung. Es gibt Tage, da saugt sein Tor die Bälle an wie ein Staubsauger alte Brötchenkrümel – dann ist er eine wahre Freude für jeden Gegner. Zu anderen Zeiten ist er wie eine Gummiwand, die alles blockt. Heute ist so ein Gummiwand-Tag.