BND-affäre Wiedersehen in Karlsruhe
Die Bundesregierung hat zwei Geheimdienst-Agenten im BND-Untersuchungsausschuss eine öffentliche Aussage untersagt. Die Opposition will diese nun gerichtlich erzwingen.
»Ein Untersuchungsausschuss unter dem Ausschluss der
Öffentlichkeit macht keinen Sinn«, sagte Grünen-Obmann Hans-Christian
Ströbele am Donnerstag bei einer Ausschusssitzung in Berlin. Die
Koalition unterstützte dagegen den Ausschluss der Öffentlichkeit und
verwies auf mögliche Gefahren für das »Wohl des Bundes« und das Leben
der beiden Agenten.
Die Opposition will die öffentliche Befragung der Agenten über die
Entführung des Deutsch-Libanesen Khaled el Masri Anfang 2004 in
Mazedonien nun notfalls vor Gericht erzwingen. Die frühere
Botschafterin in Skopje, Irene Hinrichsen, widersprach bei ihrer
Vernehmung der Darstellung, die Botschaft habe schon frühzeitig von der
Festnahme El Masris gewusst. Sie habe erstmals am 27. August 2004 von
dem Fall El Masri durch eine Anfrage des Polizeipräsidiums Schwaben
gehört - damals war der Deutsch-Libanese bereits seit drei Monaten
wieder frei.
Der unter dem Decknamen Harald Cordes bekannte BND-Funktechniker und
sein als »P.M.« bezeichneter Vorgesetzter aus der mazedonischen
Hauptstadt Skopje sollten Auskunft darüber geben, wann genau sie von
der Entführung El Masris erfuhren. Cordes hatte rund zwei Jahre nach
der Verschleppung angegeben, im Januar 2004 in einer Behördenkantine in
Skopje von der Festnahme El Masris erfahren zu haben. Nach eigenen
Angaben gab er die Information aber nicht weiter. Die Botschafterin
sagte, sie habe Cordes gut gekannt, mit ihm aber nie über den Fall
gesprochen.
Cordes berief sich in der nicht-öffentlichen Sitzung auf sein Recht auf
Aussageverweigerung. Der Ausschussvorsitzende Siegfried Kauder (CDU)
betonte, aus »gewissen Gründen« sei die weitere Vernehmung deshalb
zurückgestellt worden. Es sei aber denkbar, dass der Agent noch einmal
in den Ausschuss geladen werde.
Hinrichsen relativierte in der mehrfach durch namentliche Abstimmungen
im Bundestag unterbrochene Ausschusssitzung die Aussage des früheren
Telekom-Managers in Skopje, Wolf-Dietrich Mengel. Er hatte vorige Woche
erklärt, er habe die Botschaft in Skopje im Januar 2004 - schon wenige
Tage nach der Festnahme El Masris - telefonisch von der Festsetzung
eines Deutschen informiert.
Von einem solchen Anruf sei ihr nichts bekannt, betonte die
Botschafterin. Sie sei auch sicher, dass der Anruf Mengels entweder an
sie oder die Konsularabteilung der Botschaft weiter gereicht worden
wäre. Für ihre damaligen Mitarbeiter lege sie die »Hand ins Feuer«,
sagte Hinrichsen, die jetzt Botschafterin in Lusaka (Sambia) ist.
El Masri war am Silvestertag 2003 an der serbisch-mazedonischen Grenze
festgenommen, nach Afghanistan verschleppt und erst Ende Mai 2004
wieder freigelassen worden. Der Untersuchungsausschuss soll klären, ob
und in wieweit deutsche Behörden von der Entführung El Masris wussten
oder sie sogar begünstigten. »Die Bundesregierung macht die Schotten
dicht. Wir sehen uns in Karlsruhe wieder«, sagte Ströbele mit Blick auf
die eingeschränkte Aussagegenehmigung für die BND-Beamten. Der
CDU-Politiker Hermann Gröhe betonte dagegen, die »Legende als Agenten«
dürfe nicht in Gefahr geraten.
Die Opposition hielt dagegen, dass es durchaus Möglichkeiten gebe, die beiden Agenten öffentlich zu hören, ohne deren Identität zu enthüllen. Der Obmann der Linksfraktion, Wolfgang Neskovic, schlug unter anderem vor, die Zeugen - wie etwa bei Drogenprozessen - mit einer »Maskerade« auftreten zu lassen. Die nächste Ausschusssitzung findet nach der Sommerpause in September statt.
- Datum 29.06.2006 - 08:02 Uhr
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- Quelle ZEIT online, dpa
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