Deutsche Bank Kirchhof geht

Ex-Verfassungsrichter Paul Kirchhof verlässt den Aufsichtsrat der Deutschen Bank. Das Geldhaus weist Spekulationen jedoch zurück, dies sei aus Kritik an den Bezügen des Aufsichtsratschefs Clemens Börsig geschehen

Vielmehr wolle Kirchhof seinen "vielfältigen juristischen und wissenschaftlichen Aufgaben und Interessen" mehr Zeit widmen. Man habe sich "im besten Einvernehmen" von Kirchhof getrennt und bedauere dessen Weggang, betonte ein Banksprecher am Dienstag.

Kirchhof gehörte dem 20-köpfigen Kontrollgremium der Deutschen Bank erst seit Ende 2004 an. Sein Eintritt ging auf die Initiative Rolf Breuers zurück, des damaligen Aufsichtsratschefs, der im Mai wegen der Kirch-Krise zurücktreten musste.

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Für ihn sprang Clemens Börsig ein, zuvor Finanzvorstand der Deutschen Bank. Börsig lässt sich seinen Positionswechsel gut bezahlen: Alleine für die Auflösung seines Vorstandsvertrags, der eigentlich noch vier Jahre lief, zahlt die Bank ihm bis 2010 in mehreren Schritten insgesamt 17 Millionen Euro. Zum Vergleich: Börsigs Vorgänger Rolf Breuer erhielt im Jahr 2005 für seine Arbeit als Aufsichtsratschef 346.000 Euro.

Die Financial Times Deutschland hatte berichtet, Kirchhof sei nicht mit der Höhe von Börsigs Bezügen einverstanden gewesen. Die Deutsche Bank weist das zurück. Börsig habe lediglich die "in Deutschland üblichen Rechte eines Vorstandsmitglieds" in Anspruch genommen, hieß es. Kirchhof selbst war für eine Stellungnahme noch nicht zu erreichen.

Der Verfassungsrechtler und Juraprofessor Kirchhof war in einer turbulenten Phase in den Aufsichtsrat eingetreten. Er ersetzte den ehemaligen Vorstand Ulrich Cartellieri, der das Gremium wegen unterschiedlicher Auffassungen zur Strategie der Bank verlassen hatte. Cartellieri, die "graue Eminenz" der Bank, plädierte für eine stärkere Ausrichtung des deutschen Instituts auf seinen Heimatmarkt und kritisierte die aus seiner Sicht zu große Macht der angelsächsischen Investmentbanker, konnte sich damit aber nicht durchsetzen.

Ab dem 15. Juli soll nun Theo Siegert Kirchhofs Position im Aufsichtsrat der Deutschen Bank übernehmen. Er leitete bis Ende 2005 den Duisburger Mischkonzern Franz Haniel. Siegert ist Honorarprofessor an der Ludwig-Maximilans-Universität in München.

 
Leser-Kommentare
  1. Paul Kirchhof erweckt den Eindruck, daß er nicht so recht ein ausgewogenes Verhältnis von theoretischer und praktischer Vernunft in seiner Persönlichkeit zustande gebracht hat.

    Silesius

    • kawumm
    • 06.07.2006 um 16:27 Uhr

    er mochte nicht länger den hemmungslosen Plünderungen an Mitarbeitern und Kunden durch ein derangiertes Führungsgremium beiwohnen.

    Es gibt ja, zumindest theoretisch, eine Begrifflichkeit namens Ethik und Moral.

    Und man muss sich wirklich fragen, ob die Bezüge einiger Persone wirklich den erbrachten Leistungen entsprechen.
    Bei der Höhe kann man schon fast von entsprechen KÖNNEN, sprechen, nicht wahr.

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