Auslöser der Operation war die Verschleppung eines israelischen Soldaten am Sonntag. Die israelische Armee war deshalb am Mittwoch erstmals seit ihrem Abzug vor mehr als neun Monaten wieder in den Gaza-Streifen eingerückt. Es wird vermutet, dass der Soldat dort in einem Palästinenserlager gefangen gehalten wird.
Israelische Artilleriegeschütze feuern im Gaza-Streifen© Atef Safadi/dpa BILD

Im Westjordanland wurden neben zahlreichen führenden Mitgliedern der regierenden, radikal-islamischen Hamas mindestens sechs ihrer Minister und eine Reihe von Parlamentsabgeordneten festgenommen, darunter der stellvertretende Ministerpräsident Nasser al-Schair sowie Arbeitsminister Mohammed al-Barguti. Israel kündigte an, sie wegen Beteiligung an Terroraktivitäten vor Gericht zu stellen

Palästinenserpräsident Mahmud Abbas verurteilte die Festnahme der Minister und Abgeordnete. Er rief die internationale Gemeinschaft auf, sich für eine Beendigung der israelischen Maßnahmen einzusetzen. Die Europäische Union beorderte ihren Nahost-Sondergesandten, den Belgier Marc Otte, in die Krisenregion. Dieser soll binnen weniger Stunde mit den Konfliktparteien in Kontakt treten.

Eine israelische Armeesprecherin sagte, eine Freilassung der festgenommenen Hamas-Politiker sei zunächst nicht zu erwarten. Sie sprach von einer »direkten und andauernden Beteiligung der Hamas-Führung an Terroraktivitäten«. Es gebe aus israelischer Sicht keine Trennung zwischen politischer und militärischer Führung der Hamas.

Berichte über eine Ausweitung der israelischen Militäroffensive auf den nördlichen Teil des Gazastreifens wurden indes von beiden Seiten dementiert. Die israelische Armee und palästinensische Sicherheitskreise teilten mit, die Truppen hielten sich weiter am Rande des Gazastreifens auf. Dagegen setzen israelische Soldaten ihre Operation mit dem Codenamen »Sommerregen« zur Befreiung des verschleppten 19-jährigen Soldaten Gilad Schalit im Süden des Gaza-Streifens fort. In der Nacht hatten israelische Kampfflugzeuge unter anderem eine Lagerhalle in Chan Junis unter Beschuss genommen, in der angeblich Waffen und Kassam-Kleinraketen gelagert wurden.

Derweil bestätigte Israel den Tod eines entführten israelischen Siedlers. Der 18-Jährige sei vermutlich schon kurz nach seiner Verschleppung im Westjordanland am Sonntag erschossen worden. Die radikale Palästinensergruppe Volksbefreiungskomitee hatte gedroht, Ascheri zu töten, sollte die in der Nacht zum Mittwoch begonnene israelische Armeeoffensive im Gazastreifen nicht beendet werden. Zu dem Zeitpunkt war der Entführte aber offenbar schon tot.