Recht Stoppschild für Bush
Die Militärtribunale in Guantánamo sind illegal, hat der oberste US-Gerichtshof beschlossen - ein Sieg für die Gewaltenteilung. Ein Kommentar
Der oberste US-Gerichtshof hat die geplanten Militärtribunale gegen Guantánamo-Gefangene für illegal erklärt. Die Tribunale verstießen gegen die Verfassung sowie gegen die Genfer Konvention, urteilten die obersten Richter am Donnerstag. Ein Urteil mit weitreichenden Folgen und ein Sieg für die Gewaltenteilung.
Die Genfer Konvention würde auch für den Präsidenten gelten und sei justiziabel, urteilte das Gericht. Damit hat es die extensive Auslegung der präsidentiellen Autorität korrigiert, die George W. Bush in Anspruch genommen hatte.
Die Grundsatzfrage, wie weit die Macht der Exekutive reicht, ist in den Vereinigten Staaten derzeit ein Politikum erster Güte; ein Beispiel für die Verfassungsauslegung der Bushisten ist die NSA-Abhöraktion, für die der Präsident eigentlich einen Gerichtsbeschluss benötigt hätte. Bush hatte sich indes auf seine Rechte als Präsident berufen: Die Kriegsautorisierung durch den Kongress habe es ihm erlaubt, im Verborgenen vorzugehen. Derartige Argumente haben nun einen schlechteren Stand.
Das erste Stoppschild gegen die präsidentielle Machtanmaßung hatte das oberste US-Gericht bereits vor zwei Jahren erhoben. Damals beschieden die Richter, dass die Gefangenen in Guantánamo Anspruch auf Anhörungen haben und nicht unbefristet und ohne Anklage festgehalten werden können. Die Gefangenen sollten auch nicht mehr inkognito sein, ihre Namen wurden bekannt, sie erhielten Rechtsstatus und konnten sich Anwälte nehmen. Das Militär führte daraufhin Kommissionen ein, vor denen die Anschuldigungen verlesen werden und die Angeklagten Gelegenheit zur Aussage haben. An der Situation der Inhaftierten, die teilweise seit vier Jahren ohne Anklage festgehalten werden, hat das nichts geändert.
Der jüngste Beschluss zu Guantánamo könnte allerdings die geheimen Gefängnisse der CIA vergessen machen. Diese Einrichtungen müssten eigentlich zuerst geschlossen werden. Zudem wären deren Insassen sogar besser in Guantánamo aufgehoben als dort, wo sie sich jetzt befinden - nicht zuletzt, weil sie dann aus der Anonymität heraus kämen.
- Datum 19.12.2008 - 07:08 Uhr
- Quelle ZEIT online
- Kommentare 23
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:





200 Jahre und mehr nach Einführung der Demokratie dachte ich dass wenigstens das Elementare in den Köpfen hängenblieb: Die Gewaltentrennung!
Nun bliebe ja das kleine Prämiz: Im Zweifelsfalle für den Angeklagten. Aber dazu bedarf es ja mal Anklage.
Es muss wohl so sein dass Leute studieren müssen um ihren Geist über das Tierische zu erheben. Das Volk wie es die Geschichte zeigt kommt nicht zu einem vernünftigem Denken.
Es merkt mal nicht wie es dupiert wird, am Freitag zB nahm meine Frau den Zug in Frankreich, es stiegen Behinderte ein und deshalb hat sich die Abfahrt verzögert.
Ich war am Empfangsbahnhof war aber von meiner Frau benachrichtigt über den wahren Sachverhalt. Aber was wuerde als Ursache gegeben: Bombenalarm!
Wie einfach es doch ist Menschen zu manipulieren, weil instinktiv die primären Ängste aufschreien.
Das machten die Nazis genau so, und nicht mal das hat das Volk begriffen.
Es ist schauderhaft zu sehen wie elementar gedacht wird, und das in den Foren der intellektuellsten Zeitungen Deutschlands.
Diese Menschheit wird sich nie ändern: sie ist tierisch!
Um der bisher bemerkenswert rüpelhaften Diskussion etwas Niveau zu geben, folgt ein Artikel aus der NNZ Online vom 1. Juli. Wer will, kann ihn dort auch nachlesen. Die Zeit scheint leider keine so fähigen Journalisten zu besitzen, welche das Guantánamo-Problem auch sachlich darstellen können. So muss der naive Leser sich über die Qualität dieser Diskussion hier sich nicht wundern. Der folgende Artikel entspricht nebenbei gesagt auch meiner Meinung zu diesem Problem!
Starker Widerhall nach dem Urteil des Obersten Gerichts der USA
Mit dem Urteil gegen die Militärtribunale in Guantánamo ist Präsident Bush zum wiederholten Mal für einen Rechtsbruch im Anti-Terror-Krieg gerügt worden. Am Dilemma zwischen Sicherheitsinteressen und rechtsstaatlichen Erfordernissen ändert das Urteil jedoch nichts.
A. R. Washington, 30. Juni
Das Urteil des Supreme Court über die fehlende Rechtmässigkeit der Militärtribunale im Lager Guantánamo hat in den USA wie eine Bombe eingeschlagen. Die Reaktionen in der Öffentlichkeit reichten dabei von Jubel über Skepsis bis zu Verbitterung. Einig waren sich dagegen viele Beobachter, dass das Oberste Gericht ein überraschend breites Terrain abgesteckt hatte. Die Feststellung, dass selbst die Terroristen al- Kaidas Anspruch auf eine Behandlung gemäss den Mindeststandards der Genfer Konventionen haben, gilt dabei als besonders weitreichend. Die Administration Bush hatte jahrelang den Standpunkt verfochten, dass der «Krieg gegen den Terror» ein neuartiger Konflikt sei, in dem die Konventionen nicht anwendbar seien. Rechtsexperten vermuten, dass die gegenteilige Ansicht des Verfassungsgerichts Auswirkungen über die Frage der Militärtribunale hinaus haben wird.
Exekutivmacht hat Grenzen
Der sogenannte gemeinsame Artikel 3 der Genfer Konventionen von 1949 schreibt nämlich nicht nur vor, dass Prozesse vor regulären Gerichten und unter Einhaltung anerkannter Rechtsgarantien ablaufen müssen, was bei den vielkritisierten Ad-hoc-Tribunalen in Guantánamo nicht der Fall war. Der Artikel verbietet auch eine grausame, entwürdigende und erniedrigende Behandlung der Gefangenen. Die Regierung wollte diesen Standard bisher nicht als verbindlich akzeptieren. Beispielsweise haben Hardliner wie Vizepräsident Cheney bisher verhindert, dass bei der Neufassung des Handbuchs über die militärischen Verhörregeln auch der obige Grundsatz aufgenommen wird.
Das Urteil vom Donnerstag wird kaum ohne Einfluss auf die regierungsinternen Debatten bleiben. Auch das Verschwindenlassen von mutmasslichen Top-Terroristen in Kerkern des Geheimdiensts CIA ist eine Praxis, die mit Artikel 3 unvereinbar scheint, zumal die Genfer Konventionen auch dort nicht angewendet werden. Vorläufig wird sich die Regierung jedoch kaum gezwungen sehen, die höchstrichterliche Ansicht in der Nebelwelt der Geheimdienste konkret umzusetzen. Präsident Bush hat die verheerenden Anschläge vom September 2001 mit gutem Grund als Kriegserklärung interpretiert. Energisch nahm er das Heft in die Hand, wobei er seine Vollmachten als Oberkommandierender äusserst breit auslegte. Vereinfacht gesagt, betrachtet er alle Schritte als legal, die er für seine Hauptaufgabe, den Schutz der nationalen Sicherheit, für notwendig hält. Diese expansive Auffassung hat verständliche Befürchtungen geweckt und ist durch die andern Staatsgewalten schrittweise zurückgedrängt worden. Vor zwei Jahren untersagte es ihm das Oberste Gericht, amerikanische Terrorverdächtige auf unbestimmte Zeit festzuhalten, ohne ihnen die Chance einer Anhörung vor einer neutralen Instanz zu geben. Es wies auch die Auffassung zurück, dass der Stützpunkt Guantánamo auf Kuba eine Art rechtsfreier Raum sei, und gab den dortigen Gefangenen das Recht zur Anrufung amerikanischer Gerichte. Im Herbst beschloss der Kongress gegen enorme Widerstände der Regierung ein absolutes Folterverbot. Und nun hält das Oberste Gericht fest, dass Bush mit den Militärtribunalen amerikanisches und internationales Recht verletzt hat.
Verschiedene Kommentatoren sprechen von einem Sieg des Rechtsstaats. Anhänger einer Präsidentschaft mit grosser Machtfülle argumentieren dagegen weiterhin, dass eine Verrechtlichung des Kriegs dem Präsidenten die Hände binde und ihn an einer erfolgreichen Kriegführung hindere. In Wirklichkeit könnte sich das Urteil durchaus für Bush selber als segensreich erweisen. Es baut ihm eine Brücke, um zusammen mit dem Kongress nach faireren Prozessregeln zu suchen, die im In- und Ausland grössere Legitimität geniessen. Seine Gefangenen-Politik mag aus den Zwängen der Notlage von 2001 heraus verständlich erscheinen; politisch hat sie sich jedoch als desaströs erwiesen. Guantánamo ist zum Symbol von Machtmissbrauch und Rechtsbruch geworden, ohne dass die Regierung dort auch nur einen einzigen Gefangenen abgeurteilt hätte.
Zwiespalt bei der Terrorbekämpfung
Das grundsätzliche Dilemma bleibt jedoch bestehen: Was soll mit den Gefangenen aus dem Anti-Terror-Krieg geschehen? Bringt man sie vor ein ziviles Gericht oder ein ordentliches Kriegsgericht, sind die prozessualen Hürden so hoch, dass es der Regierung wohl in vielen Fällen schwer fiele, die Schuld der Angeklagten «jenseits vernünftiger Zweifel» zu beweisen. Der Gedanke, dass islamistische Fanatiker, die in Afghanistan erklärtermassen eine Terror-Ausbildung durchlaufen haben, mangels Beweisen auf freien Fuss gesetzt werden, dürfte aber für viele Leute alles andere als beruhigend sein. In dieser Situation wird sich die Regierung am ehesten entscheiden, auf Strafprozesse weitgehend zu verzichten und die Terrorverdächtigen unbefristet festzuhalten. Dass das Militär die Kompetenz dazu hat, bestreitet auch das Oberste Gericht nicht.
Zur Schliessung Guantánamos, wie sie vor allem in Europa gefordert wird, wird es daher auf absehbare Zeit nicht kommen. Die internationale Kritik wird deshalb nicht verstummen. Viel Kritik hätte sich Bush ersparen können, hätte er die Kaida-Mitglieder und Taliban als Kriegsgefangene gemäss Genfer Konvention anerkannt, anstatt sie zu «illegalen feindlichen Kämpfern» abzustempeln. Kriegsgefangene können nämlich für die ganze Dauer eines militärischen Konflikts eingesperrt werden, ohne dass sie Anrecht auf einen Prozess haben.
Die selbsternannte Elite schwingt sich mal wieder nach alter Gutsherren-Art auf, zu erklären, wer eine Meinung haben darf und wie diese auszusehen hat (Habilitataion ist bitteschön Voraussetzung).
Es scheint sie also noch zu geben, diese gewissen Kreise in der Republik, die nicht einmal auch nur ansatzweise ein Problem damit haben, Menschen in Lager einzupferchen, wohin man sie zuvor gefesselt, geknebelt und verbundenen Augen gebracht hat. Immerhin reist man heute etwas komfortabler im Flugzeug....
In Guantanamo leben Menschen in 5qm-Zellen, werden geschlagen und in Dunkelhaft genommen, wenn sie es wagen, (lager-)ärztlich verordnete Kniebeugen durchzuführen, stehen unter 24-stündiger Dauerbeschallung und -bestrahlung. Der jüngste Guantanamo-Häftling ist 13 Jahre alt! Es sitzen Leute ein, den Fehler begangen haben, ein hochrangiges Al-Qa´ida-Mitglied unbekannterweise im Taxi mitzunehmen.
Aber wenn es schon kein größeres moralisches Problem darstellt, Kinder einzusperren (ihnen droht keine Todesstrafe, da haben sie aber noch mal Glück gehabt!), warum nicht gleich die gute alte Sippenhaft anwenden?
Bliebe nur noch zu entscheiden, wo man sortiert: direkt in Kabul oder erst auf Guantanamo.
Ich glaube, die alten Gutsherren hätten viel Freude daran.
Na endlich, wird auch von einem amerikanischem Gericht anerkannt, was ohnehin offensichtlich und geltendes Völkerrecht ist.
Der nächste Schritt wäre eine Anklage der US- Administration vor einem internationalem Gericht wg. Führen eines Angriffskrieges (Irak!), Mißachtung der Genfer Konvention, Duldung und Ausübung von Folter und weitere Abscheulichkeiten.
Wer für den Tod so vieler Menschen verantwortlich ist wie George W. Bush gehört zur Verantwortung gezogen. Auch wenn es sich dabei um den Regierungschef des mächtigsten Landes der Erde handelt.
Und für diejenigen, die jetzt meinen das sei eine einseitige Sichtweise: Ich finde, dass alle die für den Tod oder die Misshandlung von Menschen verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden sollten! Und zwar vor einem ordentlichen Gericht und entsprechend der Maßstäbe des internationalen Völkerrechtes.
Ich habe nicht sehr viel Vertrauen in sogenannte "Rechtsstaaten"
Der Supreme Court in den USA will mich warscheinlich eines besseren belehren und ich nehme diese Lehre gern an.
Es ist also doch nicht nur moralisch verwerflich, willkürlich Menschen zu inhaftieren, sondern auch juristisch anfechtbar.
Wenn jetzt bitte noch jemand den Krieg im Besonderen(Irak) und den Krieg im Allgemeinen rechtlich überprüfen lässt, wäre es die Krönung, und ich müsste ernsthaft mein Meinung zur Rechtstaatlichkeit überprüfen.
Vielen Dank, Oberstes Gericht, für diesen Denkanstoß!
Was ist denn mit den US-Gerichten los?
Wollen die Amerika retten?
thwadewitz verspricht: "Aber die menschliche Dummheit kann auch sehr anstrengend sein [...] Deshalb werde ich mich nie wieder an solchen Foren, beteiligen, an welchen ich mich ja nur beteiligt habe, um etwas Erheiterung zu finden. Adieu!" -- Yesss!!
Man atmet tief durch. Immerhin hat das Oberste Gericht einmal ein deutliches Zeichen gesetzt, wenn damit auch noch keine rasche Beseitigung der katastrophalen Missstände in der aktuellen Politik der Bush-Administration verbunden sein wird.
Die Neokonservativen (bei uns: Neoliberalen) sind Kriminelle in dem Sinn, dass sie, wie gewöhnliche Kriminelle, hartnäckig Recht und Gesetz missachten, wenn es der Durchsetzung ihrer Interessen im Wege steht. Mit der offenkundigen Lüge, man befinde sich in einem Krieg, hat die Bush-Administration einen Kahlschlag ausgerechnet dort veranstaltet, wo sie besonders behutsam hätte vorgehen müssen.
Die wichtigsten "Werte", die angeblich überall auf der Welt verbreitet werden sollen, werden mit Füssen getreten, vom Völkerrecht über das eigenen Verfassungsrecht bis hin zum gewöhnlichen Strafrecht. Mord und Totschlag, Freiheitsberaubung und Folter, Betrug und Unterschlagung gehören zu den täglichen Aktionen dieser unsäglichen Regierung.
Hoffentlich hat diese Gruselveranstaltung bald ein Ende.
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren