Terror London, ein Jahr später

Was wurde aus den Anschlägen vom 7. Juli 2005 gelernt? Ein Kommentar

Vor einem Jahr, am 7. Juli 2005, hatte der Jihad Großbritannien erreicht. Vier junge britische Muslime sprengten sich in die Luft. 52 Menschen starben, hunderte wurden schwer verletzt und verstümmelt.

Einig sind sich heute die Experten in dem düsteren Befund: Es sei nur eine Frage des Wann, nicht des Ob, dass es auf britischem Boden oder auch anderswo in Europa wieder zu ähnlichen Terrorakten kommen werde. Noch beunruhigender: Der britische Geheimdienst rechnet damit, islamistische Terroristen würden irgendwann eine so genannte „schmutzige“ Bombe in London explodieren lassen.

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Ins trübe Bild passt, dass ein Jahr nach dem Massenmord Polizei und Geheimdienste immer noch weitgehend im Dunkeln tappen. Nicht gegen eine einzige Person wurde Anklage wegen Unterstützung der Suizidbomber erhoben. Man weiß nicht, wer die vier jungen britischen Muslime radikalisierte, ob sie wirklich allein handelten oder ob nicht doch technische und finanzielle Hilfe geleistet wurde.

Eines steht fest: Der Schoß, aus dem der Terror am 7. Juli 2005 kroch, ist so fruchtbar wie zuvor. Das bestätigt die jüngste Untersuchung im Auftrag der Times . Erschreckende 13 Prozent der rund zwei Millionen britischen Muslime sind der Meinung, dass die vier Selbstmordattentäter als „Märtyrer“ betrachtet werden sollten. Sechs Prozent der muslimischen Minorität glauben, die Suizidbomber handelten entsprechend den „wahren Prinzipien“ des Islam, sieben Prozent halten solche Terrorakte gegen Zivilisten unter bestimmten Bedingungen für „gerechtfertigt“.

Die Umfrage bestätigt die Resultate früherer Untersuchungen. Britische Muslime leben in einem Zustand der Verneinung; sie geben sich, darin unterstützt von einem Teil der linksliberalen Medien, einer Mischung aus Verschwörungsglauben und Opfermentalität hin. Sie neigen dazu, „Islamophobie“ für das eigentliche Problem zu halten. 80 Prozent der befragten Muslime halten es für „unakzeptabel“, dass die Polizei ihre Minorität mit besonderem Misstrauen betrachtet und dazu neigt, junge Muslime mit Rucksäcken an den Eingängen der Londoner U-Bahn anzuhalten. Was Ali Miraj, parlamentarischer Kandidat der Konservativen, zu der Bemerkung veranlasste, was denn die Angehörigen seiner Minorität angesichts der Tatsache erwarteten, dass weit mehr als 100.000 britische Muslime in einer Wiederholung des Terroraktes vom 7. Juli 2005 nichts Verwerfliches sähen. Tröstlich an der jüngsten Untersuchung des Gemütszustandes der Muslime ist immerhin eines: 65 Prozent der Befragten sind der Ansicht, dass ihre Minderheit mehr tun müsse, um sich in die britische Gesellschaft zu integrieren.

Polizei und Geheimdienste haben in den vergangenen Monaten versucht, ihren Beitrag zu leisten und muslimische Repräsentanz zu vergrößern. In der Praxis erweist sich dies jedoch als schwierig. Muslimische Extremisten haben versucht, den Geheimdienst MI5 zu infiltrieren , wie jetzt bekannt wurde. Der Vorgang erinnert an die gezielte Unterwanderung des Secret Service durch kommunistische Sympathisanten in den 40er und 50er Jahren. Der MI5 ist einer Reihe von Al-Qaida-Anhängern durch ein „ausgeklügeltes Verfahren“ auf die Schliche gekommen. Allerdings lehrt die Erfahrung, dass ein absolut wasserdichtes System nicht existiert.

Leser-Kommentare
  1. "Ich predige weder weltlicher noch religiöser Arroganz das Wort, sondern Respekt vor dem Individuum und dem Individualrecht."

    Ich weise darauf hin, dass genau dieser Respekt vor dem Individuum und dem Individualrecht im Zuge des "Krieges gegen den Terror"(TM) verloren zu gehen droht. Artikel wie der von Herrn Bittner sind gute Beispiele dafür. Näheres dazu habe ich in meinem ersten hier als "unerheblich" bewerteten Beitrag geschrieben.

    "Wenn Sie meinen, eine defensive Vorgehensweise gegen islamische Fundamentalisten im Westen bringt irgend etwas Brauchbares, dann täuschen Sie sich. In Frankreich hat man damit sehr schlechte Erfahrungen gemacht. Denn zunächst gab es nach Zugeständnissen Ruhe, bald aber wurden bei den Forderungen nachgelegt."

    Ich habe grundsätzlich etwas gegen Fundamentalisten. Aber die freiheitlich demokratische Ordnung zeichnet sich eben gerade durch etwas Gelassenheit im Umgang mit solchen Leuten aus. Die NPD ist aus gutem Grund nicht verboten worden (diese Geschichte enthält nebenbei ebenfalls ein schönes Beispiel für das Wirken der Geheimdienste). Ganz sicher nicht, weil die Verfassungsrichter mit der Bande symphatisieren würden. Ich sehe auf beiden Fronten im "Krieg gegen den Terror"(TM) sowohl verblendete Fundamentalisten als auch eiskalt berechnende Machtmenschen. Beide Seiten treten meine Werte mit Füßen. Nur behauptet die eine auch noch frech, im Namen dieser Werte anzutreten.

    "Die Kriege in Afghanistan und im Irak halte ich für bedenklich. Doch darf man nicht übersehen, dass die Taliban in Afghanistan hemmungslos wüteten und Sadam im Irak Massenmorde durchführen ließ."

    Was soll ich dazu sagen? Soll ich sagen: "Sie sind ja auch vom Westen gut ausgebildet worden?" Oder wollen wir Tote gegeneinander aufrechnen? Bringt alles nichts. Ich will nur nciht hören, diese Kriege seien geführt worden, um den armen Menschen dort zu helfen. So funktioniert nämlich die Welt nicht.

  2. Na so geht´s natürlich auch.
    Aber ist das nicht gerade das Verhalten, dass bei Ausländern, muslimischen zumal, so scharf kritisiert wird? Dichtmachen, die Vorurteile über die "bösen Anderen" pflegen und zurückziehen, um sich ja nicht eines Besseren belehren lassen zu müssen.

  3. Natürlich finden sich in der Bibel, besonders im Alten Testament, Textpassage, die denen des Koran sehr ähneln, genauso radikal sind etc. Zum einen mag das daran liegen, dass Mohammed den Islam nach gründlicher Studie der anderen beiden Religionen heraus gebildet und gegründet hat.

    Was den Unterschied ausmacht ist, welche Bedeutungen diesen Schriftwerken in der Gesellschaft und für einen selber beigemessen werden. Die Bibel und mit Abstrichen die Thora für die Juden haben eine verschwindend geringe Bedeutung für unsere Gesellschaft und fallen daher kaum ins Gewicht. Selbst die Kirche warnt die Gläubigen, alles in der Bibel stehende wortwörtlich zu nehmen und die Interpretation doch bitte den Geistlichen zu überlassen. Hinzu kommt, dass das Neue Testament bei weitem gemässigter ist und dieses, wenigstens für das Christentum, eine höhere Bedeutung als das Alte Testament hat.

    Im Falle des Islam, ist die Bedeutung des Koran viel höher einzuschätzen, das wird niemand von ihnen verneinen können. Aufgrund dieser Tatsache sind Aussagen des Korans mit Vorsicht zu geniessen, da die Leute ja darauf hören, das ist das Problem. Geistliche im Islam sind auch nicht gerade erpicht, den Gläubigen klar zu machen, dass nicht alles wortwörtlich genommen werden sollte, ganz im Gegenteil, sie puschen die Leute dazu. Ich habe keinen Priester erlebt, der in seiner Predigt dazu aufrief, irgendjmd. zu verachten. Sicherlich mag es da Gegenbeispiele geben und es steht fest, dass die Kirche nicht gerade 2positiv" zu bewerten ist.

    Der maßgebliche Unterschied ist also, was mehr unser Leben bestimmt: weltliche Regeln oder spirituelle/religiöse Regeln. In unserem Fall sind es weltliche Regeln, beim Islam religiöse. Wenn jetzt Moslems sich das Recht herausnehmen, uns zu kritisieren, weil wir nicht religiöser gestrickt sind, dann nehme ich mir das Recht heraus, deren religiös-fanatisches Verhalten an den Pranger zu stellen, denn die Basis ihrer Regeln und Rechtssprechung ist ein Buch, dass vor hunderten von Jahren geschrieben worden ist, während unser Rechtsverständnis auf Verfassungen basiert, die 50 Jahre alt sind. Das mag man finden, wie man will, ich finde es jedenfalls extrem gefährlich.

    Ich selbst kenne viele Muslime, alle in der Lage, zwischen weltlicher und religiöser Ebene zu unterscheiden, das würde ich mir von allen wünschen. Bin ich deswegen intolerant, rückständig?

  4. Irgendwie kriege ich den Eindruck viele haben Angst vor Menschen muslimischen Glaubens ohne auch nur einen davon je kennengelernt zu haben. Das finde ich nicht fair! Sie dürfen Islamisch glaeubige Menschen nicht generell verurteilen, wie dies hier in den Kommentaren teilweise geschieht.

    In London funktioniert das Zusammenleben von Menschen unterschiedlicher Hautfarbe und Religion, meiner Meinung nach, sehr gut und man lernt schnell die unterschiedlichsten Menschen kennen und schätzen!! Fahren sie selber mal hin und erleben Sie, dass es weitaus mehr in dieser Stadt gibt als 100.000 islamische Bürger die Terrorismus nicht verurteilen. Und die überwiegende Mehrheit der Moslemisch-glaeubigen Menschen in London sind friedfertige Menschen die Terrorismus zutiefst ablehnen!!
    Vielleicht sollten Sie hier mal wieder mehr den Blick für das Wesentliche und die Ursachen und vernuenftigen Loesungen schaerfen als hier in Panik und aus irgendeiner undefinierten Angst heraus ganze Menschengruppen zu verurteilen!
    Der islamische Glaube dient Terroristen auch 'nur' als Rechtferigung um Ängste und Hass zu rechtfertigen und diese durch Terrorismus auszudrücken.
    Das wird sicherlich genauso wenig im Sinne des Islamischen Glaubens sein wie die Kreuzzüge und Hexenverbrennung im Sinne des Christentums waren.

    Und ich bitte Sie vielleicht auch an die etwas wahrscheinlicheren Bedrohungen des Lebens zu denken. In London ist es bisher immer noch um einiges wahrscheinlicher erstochen oder erschossen zu werden als in einem terroristischen Anschlag zu sterben.. ganz zu schweigen vom Herzinfarkt oder Magengeschwür aufgrund des Arbeitsdrucks und Stress! Wie verhält es sich mit diesen viel akuteren Problemen?. die sollte man nicht vergessen wenn man immer nur über Terrorismus und die Gefahr die daraus entsteht redet.. Es gibt auch noch andere Gefahren!

    Trotz alle dem muss natuerlich Terrorismus (wie jedes andere unmenschliche Verhalten!) bekämpft werden! Ich bitte Sie nur dabei einen kühlen Kopf zu bewahren und vorbildlich und vernueftig dabei zu bleiben!

    Vielen Dank

  5. Welch eine geistige Rückständigkeit kommt hier in gewissen Kommentaren zum Vorschein! Das sind die Einstellungen, die für Bushs und Blairs neokolonialen Kriege (und auch zur Unterstützung unserer Jungs am Hindukusch) gebraucht werden.

    Und Herr Bittner, das ist die Ernte, die Sie mit Artikeln wie diesem einfahren. Gefällt sie Ihnen?

    • Colon
    • 07.07.2006 um 15:21 Uhr

    Angsichts solcherart Korrespondenzen aus dem Mutterland der Demokratie, bleibe ich kopfschüttelnd zurück und frage, was diesen ZEIT-"Kommentar" letztlich vom Abdruck einer übersetzten
    Regierungserklärung des Premierministers oder einer der diversen Stellungnahmen des Innenministers und seiner Polizeichefs unterscheidet?

  6. 7. Akila6

    ich gehe Muslimen nicht aus dem Weg mache aber auch keine Bemuehung um sie zu treffen oder gar kennenzulernen.Sicherlich im taeglichen Leben kann man sich die die Leute,mit denen man beruflich verkehr nicht aussuchen aber privat nehme ich mir das Recht. Aber konstante Berichte die sich mit gewaltaetigen Islamisten beschaeftigen,in dem der Westen bedroht wird haben in mir eine gewisse Ablehnung aufgebaut.
    Berichte wie heute wieder in den Zeitungen erscheinen machen mir auch wenig Hoffnung dass der Islam ins 21 .Jahrhundert gebracht werden kann -denn schliesslich ist es doch die Rueckstaendigkeit im Islam die die Ursache dieses Hasses und der Greueltaten. Ich akzeptiere dass sie anders denken und handeln, es muss mir aber nicht gefallen....und wenn Muslime sich dazu durchringen Menschen,die anders denken und glauben endlich mal Respekt und Toleranz entgegen zu bringen dann aendere ich vielleicht auch meine Haltung.Aber so wie die Sache steht muss noch viel Wasser den Berg runterlaufen.Ich war immer der Meinung dass Religion etwas Privates ist -erst durch die Attentate in New York,dann in Madrid und London wurde mir gewusst wie gefaehrlich diese Fanatiker sind - da diese Menschen nicht rational handeln kann man ihnen mit Logik auch nicht kommen...

  7. ...wenn morgen die Katholiken anfangen Bomben zu basteln und irgendwo in der Welt U-Bahnen oder Busse in die Luft zu sprengen wuerde ich diese Taten genauso verurteilen und beurteilen.Aber ganz offenbar sind Mulime eher bereit Tod und Schrecken zu verbreiten um zu beweisen wie sie ueber den Rest der Welt denken.Nirgendwo werden Andersglaeubige schlechter behandelt als in muslimischen Laendern waehrend Muslime fuer sich selber Respekt und Toleranz fordern.Wenn werden diese Menschen erkennen dass sie nichts als Verachtung ernten mit diesen menschenverachtenden Taten.

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