Wie kann die jüngste Krise in Gaza entschärft werden? Das israelische Blatt Haaretz sieht Anzeichen dafür, dass sich Tel Aviv auf einen Deal einlassen könnte: Austausch des entführten Soldaten gegen palästinensische Gefangene. Im „militärischen Establishment“, wie die Zeitung schreibt, neige man zu dieser Lösung, weil man sich nicht in der Lage sehe, den Gefangenen militärisch zu befreien. Eine flexiblere Haltung als diejenige des Premierministers Olmert, der jegliche Verhandlungen ablehnt. Sie setze freilich voraus, dass Mörder und Terroristen am Austausch nicht teilnehmen – alles andere wäre gleichbedeutend mit der Botschaft, dass Terror sich auszahle.

Ein weiterer Kommentar in Haaretz stellt die jüngsten Ereignisse im Gaza-Streifen in den Zusammenhang der israelischen Regierungspolitik. „Einzäunen und vergessen“, das sei die Strategie Scharons gewesen, ihr Preis die Vertreibung von 10.000 israelischen Siedlern, und ihr Gewinn gleich Null: „Gaza wurde den Terroristen überlassen“ – und diese blieben eben keineswegs dort, sondern richteten von dort ihre Attacken auf Israel, wie sich jetzt zeige.

Die jetzige Militäraktion Israels bewirke übrigens nichts, fährt der Kommentator fort, denn „den Terroristen ist es egal, ob die Lichter in Gaza ausgehen oder die Regierungsgebäude zerstört werden“. Dem Terror könne nicht mit Feldzügen, sondern nur mit Antiterrormaßnahmen begegnet werden.

Unterdessen fragt die italienische La Republicca , „ob hinter der Operation Sommerregen’ nicht strategische Ziele von größerem Ausmaß stehen: Die Infrastruktur in Palästina zu zerstören und den Gazastreifen von der Regierung Hamas zu säubern“ – eine Strategie, an der, wie Le Figaro befindet, gezweifelt werden darf: „Auch wenn die Hamas als Regierung von den Israelis wie eine Beschimpfung empfunden wird, in ihrer Untergrundversion bedeutet sie jedoch eine viel größere Gefahr. Es ist besser mit einem durchtriebenen Gesprächspartner zu tun zu haben als mit gar keinem.“

Das Scheitern der Scharon-Strategie konstatiert auch die Washington Post . Der Gaza-Streifen ist zur Plattform für Angriffe gegen Israel geworden, und auch in den arabischen Nachbarstaaten wachse die Sorge, die Anarchie könne von dort auf die West Bank überspringen. Allerdings sieht der Washingtoner Kommentator die Andeutung eines Strategiewechsels: Olmert begegne Abbas mit einer Umarmungstaktik und akzeptiere darüber hinaus europäische Bemühungen, palästinensische Selbstverwaltungsstrukturen vor dem Verfall zu bewahren. Die Militäraktion Israels richte sich, bemerkenswert genug, auch nicht gegen jene palästinensischen Verbände, die loyal zu Abbas stehen.

War das alles? Die Kommentare blicken auf die Szenerie und übersehen doch den einen Riesenelefanten in deren Mitte. Er heißt Amerika. Still liegt er da und schweigt .