Internet Kann Werbung stören?
Skyscraper, Videos, Wallpaper - animierte Werbeformen im Internet erfreuen sich wachsender Beliebtheit. Aber werden sie vom Leser auch wahrgenommen?
Im Werbemarkt Internet ist Musik. Die Phase der Dotcom-Pleiten ist vorbei, das Netz wird als Transaktionsplattform wieder ernst genommen. Das gilt auch für die Werbung. Die Etats steigen, die Anzeigen werden lauter und aufdringlicher. Aber auch wirksamer? Viele Nutzer schalten sie ab - und das wird immer einfacher.
Online-Werbung wächst zweistellig, so zumindest lautete das Ergebnis von der Firma Nielsen Media Research, die Bruttowerbeinvestitionen analysiert hat. Um so effektiv wie möglich an den Konsumenten heranzukommen, sollten Unternehmen ihre Investitionen in Online-Werbung verdreifachen, wie aus der aktuellen Studie A Day in the Life: An Ethnographic of Media Consumption der US-amerikanischen Online Publishers Association (OPA) hervorgeht", schreibt Martin Fiutak bei ZDNet.de . Denn das Internet steigere die Effektivität und die Reichweite aller Medien".
Diese Liste der Erfolgsmeldungen ließe sich fortsetzen. Online-Magazine, die für Werbeeinblendungen kassieren, hören das selbstverständlich gern. Anzeigen sind schließlich die wichtigste Einnahmequelle.
Online-Werbung ist anders
Im Vergleich zu anderen Medien bietet das World Wide Web der Werbung klare Vorteile. Zum einen kann Werbung hier kontext-sensitiv geschaltet werden. Das bedeutet, dass die beworbenen Produkte zum Inhalt der Webseite passen - und damit, so geht die Hoffnung, zum Interesse des Lesers. Zweitens ist die Erfolgskontrolle genauer als anderswo. Man kann nicht nur nachzählen, wie oft eine Anzeige eingeblendet wurde (Page Impressions"), sondern auch, wie oft die Surfer darauf geklickt haben (Click through").
Der Hauptunterschied allerdings liegt darin, wie Online-Werbung im Vergleich zu anderen Werbeformen funktioniert.
Printwerbung wirkt simultan: Der Leser einer Zeitung sieht eine Doppelseite, auf der sowohl redaktionelle Artikel wie auch Werbung untergebracht sind. Er sieht also beides gleichzeitig. Dass er sich trotzdem auf die Lektüre konzentrieren kann, liegt daran, dass die Werbung ebenso unbewegt und leise ist wie die Texte. Die Anzeigen verlangen keine höhere Aufmerksamkeit als andere Inhalte der Seite.
Werbung im Radio und im Fernsehen dagegen funktioniert sequenziell: Mal kommt ein inhaltlicher Beitrag, dann eine Werbung, dann wieder Inhalt. Egal, was gerade gesendet wird, es verlangt ungeteilte Aufmerksamkeit. Diese serielle Abfolge wird mit gutem Grund strikt eingehalten: Man stelle sich nur einmal vor, in ein Radiointerview würde plötzlich eine Werbebotschaft für ein neues Automodell eingeblendet, während der Reporter gerade fragt oder der Politiker antwortet. Trotz garantiert erhöhter Aufmerksamkeit - eine "Werbung" im Sinne eines positiven Eindruckes wäre das nicht. Und der negative Eindruck träfe nicht nur die Werbung und das Produkt, sondern auch das Medium, das so etwas zulässt.
Onlinewerbung wiederum geht eigene Wege. Sie nutzt beispielsweise Wallpaper", die den ganzen Bildschirm einnehmen und über denen die eigentlichen Inhalte erscheinen, Popups", die separate Fenster über, Popunders", die sie unter das eigentliche Browserfenster legen.
Die Inhalte solcherart Anzeigen beschränken sich nicht auf Texte. Bunte Grafiken werden eingeblendet, viele dieser Grafiken bewegen sich (Animationen), oder sie nutzen gar proprietäre Dateiformate für Videosequenzen. Rich Media" heißt so etwas im Fachjargon der Werbewirtschaft. Dabei ist auch unter Werbern unumstritten, dass dieser exzessive Einsatz von Technik wenig Positives bringt.
- Datum 13.11.2006 - 03:03 Uhr
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P.
Da haben wir es wieder: Irgendwer häkelt publikumswirksam an (s)einer attraktiven Legende und alle anderen reißen sie ihm gierig und ohne den geringsten Arg noch vor der endgültigen Fertigstellung aus den geschickten Fingern!
Leider konnte ich in der Kürze der Zeit nicht in Erfahrung bringen, wer oder was ZDNet.de ist und worin das Unternehmen seine Aufgabe sieht. Die Startseite verrät es jedenfalls nicht. Ich pflege also mal ein liebes altes Vorurteil und nehme (vorerst) unwidersprochen an: Es handelt sich hier um ein Unternehmen, welches davon lebt, dass es Menschen mit weniger Selbstwertgefühl die Welt erklärt, sie also "führt". In diesem Fall direkt in den absoluten Markterfolg.
Wer, liest man, "so effektiv wie möglich" an den Konsumenten herankommen will, der braucht nach ZDNet.de lediglich die "Investitionen in seine Online-Werbung verdreifachen" (vorausgesetzt natürlich, sie liegen momentan bereits bei größer Null, denn - wie jeder Grundschüler weiß - 3x0=0). Wer nach dieser sensationellen Eröffnung also schnell und sicher reich werden will, der braucht nun eigentlich bloß noch bei ZDNet.de oder irgend einem anderen Welterklärer seiner Wahl anzufragen, auf welches Konto er denn bis wann seinen eigenen Werbeetat komplett überweisen soll, schon ist jeder weitere (eigene!) Gedanke und jede zusätzliche Arbeitsstunde überflüssig. Fein, ZDNet.de, so lieben wir es!
Man braucht kein Ethnologe (oder -graph) zu sein um zu wissen, dass es genau so läuft in der Werbung: Stelle eine Behauptung auf und halte an dieser Behauptung so vehement fest, dass keiner auch nur auf die Idee kommt nachzufragen, ob du sie denn auch irgendwie beweisen kannst. Es ist für mich wirklich immer wieder erstaunlich, dass sich dieser uralte Trick schon so lange und so prima bewährt!
Und heute? Heute treibt man diese Art der Volksverdummug auf die Spitze. Nicht nur, dass man Leute, die selber denken und selbst ausprobieren wollen, zu unzeitgemäßen, unwissenden Kulturbanausen erklärt, man redet ihnen auch noch ein, das Geblinker und Gedudel auf dem Schirm ließe sich im Sinne der guten Sache unmöglich umgehen.
Ich kann mir nicht helfen, aber wenn zur ohnehin ätzenden Werbung auch noch geschmacklos-laute Musik und/oder ein nervöses Geflacker kommt, ist die "Effektivität des Mediums" in meinem Fall gleich null. In Extremfällen geht sie sogar auf - 100% zurück und es würde mich echt wundern, wenn ich ausgerechnet in diesem ganz speziellen Fall mal jemand ganz besonderes wäre...!
Reichweite hin oder her: ich wünsche mir in derartigen Fällen nie den Besitz des beworbenen Produktes, sondern immer nur die alsbaldige Verabschiedung ein Gesetzes, welches den diversen Marketing-Genies bei Strafe von 5 Jahren Knast vorschreibt, jedes ihrer Produkte oben rechts mit einem kleinen scharzen Kreuz auszurüsten. Und die Clicks, die auf dieses Kreuz-Kästchen gerichtet werden, die müssten von den übrigen Clicks abgezogen werden, bevor das Zählergebnis an den ahnungslosen Trottel von einem Endverbraucher (in diesem Fall die werbenden Unternehmen) weitergemeldet werden darf.
Wissen Sie was, Herr Ude? Ich kann mir wirklich beim besten Willen nicht vorstellen, dass ich mit diesem Bedürfnis ganz allein bin auf der großen, weiten Welt...
Grundsätzlich kann ich die meisten der in Ihrem Beitrag beschriebenen Fakten bestätigen. Leider vergessen oder verdrängen Sie zwei weitere sehr wichtige Informationen:
1) Werbung kommt immer öfter auch ohne Kennzeichnung daher.
Beispiel: Eine neue Technik zum Thema Sicherheit im Automobil wird in einem Artikel vorgstellt. Obwohl verschiedene Hersteller zu diesem Thema wichtige Informationen liefern können, kommt nur ein Hersteller zu Wort und das mehrfach. Zugegegen, das ist kein Internet-typisches Problem. Es findet aber immer häufiger auch bei "seriösen" Angeboten statt.
2) Der Wettlauf zwischen Browser-Technik (Ausblend-Mechanismen von Werbung) und den Entwicklern von Marketing-Instrumenten ist so alt, wie die Werbung selbst. Auch im Print-Bereich wird immer wieder über verdeckte Anzeigen nachgedacht. Im TV kennen wir das auch schon lange.
Weshalb sollten sich die Online-Anbieter da nicht auch ins Zeig legen.
Ein Leserbrief an die Spiegel-Online Redaktion zum Thema "nervige Banner" mitten über den Text gelegt, bewirkte lediglich eine arrogante Antwort einer Redaktions-Praktikantin. Sinngemäß schrieb Sie:"Stellen Sie sich nicht so an, schließlich müssen wir ja von Werbung leben." Grundsätzlich ist das richtig. Aber die Abwanderung zu Angeboten mit weniger Werbung ist doch vorprogrammiert. Lein Mensch kauf eine Zeitung, weil er die Werbeindustrie sponsorn möchte.
Noch ein letzter Punkt: Clicks kann man manipulieren, bzw. von maschinell erzeugen lassen. Manche Werbekunden haben das erkannt und denken über neue Erlösmodelle nach. Ich kann mir gut vorstellen, dass in naher Zukunft auch der Umsatz in direkter Relation zum Vergütung eine große Rolle spielen wird.
Ralf Bernert
Hamburg
Auf XP und Windows 2000 befindet sich die Datei "hosts" im Verzeichnis C:\Windows\system32\drivers\etc bzw. C:\WINNT\system32\drivers\etc. Die Datei lässt sich mit einem Text-Editor, z.B. notepad.exe bearbeiten. Sie dient zur Umleitung von Anfragen an Server im Netz auf andere Servernamen. Der Server mit der IP-Adresse 127.0.0.1 ist dabei der "localhost", d.h., der eigene Rechner. Fügt man ans Ende der Datei "hosts" zeilenweise Einträge wie
127.0.0.1 nervserv.de
127.0.0.1 ad.klickauf.de
undsoweiter, so leitet man deren Zugriffe ins Leere um. Als Resultat bleiben die Reklameflächen, die von dem genannten Server geladen werden, auf jeder website, auf der sie eingebunden werden, blank.
Vorher muss man die Datei speichern - und dabei aufpassen, dass der Editor nicht das Suffix "txt" daran hängt.
Die fraglichen Server-Namen bekommt man z.B. mit dem Firefox , Mozilla oder SeaMonkey heraus über das Menü "Ansicht|Seiteninformationen|Medien". Dort steht eine Liste aller auf der zur Zeit angezeigten Webpage eingebundenen Grafiken, Banner, SWF-Dateien etc.
Weiter unten werden zu jedem dieser Elemente Informationen eingebunden, die man zwecks Eintrag in die Hosts-Datei kopieren kann.
Es sollten nur die wirklich nervenden Einträge mittels der Hosts-Datei ausgeblendet werden. Das Internet wird über Reklame finanziert. Blendet man sie vollständig aus, so ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis das Content-Bezahl-Netz die freien Inhalte ersetzt.
Eine Seite, die ich regelmäßig besuchte wurde plötzlich von fliegenden Katalogen heimgesucht, die das Lesen sehr erschwerten, weil sie immer über den Text liefen.
Ich habe dann den Betreiber der Seite angeschrieben, dass es mir nicht mehr möglich ist seine Seiten zu Lesen und ich daher auf den Besuch verzichte.
Die Kataloge verschwanden augenblicklich.
Bei nervender Radiowerbung schreibe ich den Hersteller des Produkts an. Zuletzt Meica/Bratmaxe: "Wenn ich noch öfter von diesem nervig kreischenden Kind geweckt werde, werde ich nur noch Fische grillen" Auch das Nervbalg verschwand umgehend aus dem Radio.
Es ist recht wirkungsvoll, den Konsumboykott nicht nur in aller Stille zu vollziehen, sondern auch den Herstellern klar zu machen das es an seiner Werbung liegt.
Ansonsten: Internet nur mit ausgeschaltetem Lautsprecher, Fernsehen nur über DVD-Recorder und Werbung überspringen. Spart auch Zeit.
Ich möchte Ihrem gerechten Zorn da nicht im Wege stehen, nur leider richtet er sich wohl gegen die falsche Person. Der Journalist von ZDNet berichtet nur von einer Studie, er hat sie nicht selbst verfasst, das steht übrigens auch im Zeit-Artikel.
Insofern dreschen Sie hier gerade auf den Kurier, nicht auf den Verfasser der schlechten Nachricht.
Inwiefern diese Studie objektiv ist, ist die andere Frage, die reine Berichterstattung zumals sie bei ZDNet auch nicht sonderlich gewertet ist, mag doch erlaubt sein.
Noch ein Wort zu ZDNet: Dem normalen Surfer ist sie wohl nicht so bekannt, meine Person aber, die ich mein Geld im IT-Sektor verdiene ist sie sehr bekannt.
ZDnet steht seit Jahren für News rund um die IT und eine hervorragend administrierte Sammlung von Links zu Free- und Shareware, sie finanziert sich wie alle Seiten dieser Art (Traffic ist sehr teuer) hauptsächlich über Werbung und gesponsorte Downloads.
Die von der Zeit erwähnten Ad-Blocker findet man dort übrigens auch.:-)
Insofern ist der Kurier in IT-Kreisen durchaus eine seriöse Informationsquelle und rangiert bei IT-Leuten gleich hinter Golem und Heise was die Spartennews angeht.
Ihren Zorn gegen Werbung indes teile ich, zu Hause kann ich meinen Brwoser mit entsprechenden Ad-Blockern ausstatten, auf der Arbeit bin ich dem auch schutzlos ausgeliefert...
@StephanieB": Danke für die Aufklärung. Ich freue mich immer, wenn sich eines meiner Vorurteile als nicht haltbar erweist. In diesem Fall kann ich zu meiner Rechtfertigung eigentlich nur zwei Dinge vorbringen:
Erstens ist die Formulierung: [..., schreibt Martin Fiutak bei ZDNet.de. Denn das Internet steigere die Effektivität und die Reichweite aller Medien".] extrem missverständlich, wie Sie wohl zugeben müsen. Der Verweis auf die per Werbung gesteigerte Effektivität kann, in dieser Form geäußert, gut und gerne als autorisierte Meinungsäußerung des Herrn Fiutak durchgehen. Einem erfahrenen Journalisten sollte so etwas nicht unbedingt passieren, finde ich. Geschützt ist man gegen so provozierte Irrtümer nämlich nur dann, wenn man - wie Sie, aber anders als ich - in der glücklichen Lage ist, den "Boten" bereits als absolut vertrauenswürdig zu kennen. Genau deswegen wollte ich mir ja auch ganz gern wenigstens einen oberflächlich Eindruck von ZDNet.de verschaffen. Was mir aber leider (und damit sind wir bei meiner zweiten Rechtfertigung) nicht gelungen ist. Die Homepage, auf die der Link im Text führt, schweigt sich komplett aus über die Ziele und das Selbstbild der Firma. Schade eigentlich. Gerade von IT-Leuten, die dem Open-Sorce-Gedanken nahestehen, darf man doch wohl erwarten, dass sie in ihrer Homepage nicht nur eine Tapetentür für Eingeweihte sehen, sondern auch das Aushängeschild für alle, die - so wie ich - rein zufällig und ohne böse Absicht aber mit viel Neugier des Wegs kommen.
Nichts für ungut also. War nicht bös gemeint. Und mit Ihrer Hilfe, sehr geehrte Frau B, habe ich ja sogar noch etwas gut gemacht bei der ganzen Sache. Im Ergebnis meines Irrtums nämlich hat der Name ZDNet.de in meinem Hirn offenbar Wurzeln geschlagen. Und das, muss ich zu meiner Schande gestehen, gelingt nicht vielen Namen auf Anhieb.
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Ja, richtig gelesen. Das ist unsere Homepage. Nicht ganz normal, zugegeben. Aber warum soll die Zielgruppe schließlich immer zu Ihnen zu Besuch kommen, wenn Sie eigentlich etwas von der Zielgruppe wollen? Alles zu hinterfragen und es wenn nötig auf den Kopf zu stellen, gehört zur Philosophie von Red Bull Creative.
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