Robert Gernhardt ist tot. Der Schriftsteller starb im Alter von 68 Jahren nach langer schwerer Krankheit am Freitagmorgen in Frankfurt am Main. Das teilte der S. Fischer Verlag unter Bezug auf Gernhardts Ehefrau mit. Gernhardt galt als einer der wichtigsten Lyriker der deutschen Nachkriegszeit. Der Schriftsteller, Lyriker und Karikaturist Robert Gernhardt, 2004 im Heinrich-Heine Institut Düsseldorf.© Bernd Thissen/dpa BILD

Geboren wurde er 1937 als Sohn eines Richters in Reval/Estland, dem heutigen Tallin. Zu Kriegsbeginn siedelte die Familie nach Posen über, im letzten Kriegsjahr fiel der Vater. Mit seiner Mutter und den beiden Brüdern flüchtete Gernhardt nach Bissendorf bei Hannover. Später studierte er in Stuttgart und Berlin Malerei und Germanistik.

1964 ging Gernhardt nach Frankfurt am Main, wo er als Zeichner und Autor mit seinen Freunden F.W. Bernstein, F.K. Waechter, Chlodwig Poth, Eckhard Henscheid, Bernd Eilert, Peter Knorr und Hans Traxler die "Neue Frankfurter Schule" mitbegründete. Mit F.K. Waechter und F.W. Bernstein gehörte er zu den bekanntesten Autoren der Satirezeitschrift "Pardon" und Gründern der "Titanic". Gernhardt gab auch Bücher von Otto Waalkes heraus und war am Drehbuch von vier "Otto"-Filmen beteiligt.

Den Durchbruch vom Nonsense-Dichter zu einem der anerkanntesten deutschen Autoren gelang Gernhardt in den 80er Jahren. Für seine Fähigkeit, in Gedichtform eigene Gefühle wie Trauer oder Angst mit Ironie oder Witz zu verbinden, erwarb sich Gernhardt großen Respekt. Hochgelobt bei der Kritik wurde sein 1997 zu seinem 60. Geburtstag erschienener Band "Lichte Gedichte", in denen Gernhardt seine Erfahrungen mit einer Operation nach einem Herzinfarkt verarbeitete. Der Schriftsteller thematisierte auch seine spätere Krebserkrankung, zum Beispiel in den 2004 publizierten "K-Gedichten".