Robert Gernhardt Abschied von Robert Gernhardt
Im Alter von 68 Jahren ist der Schriftsteller, Satiriker und Zeichner Robert Gernhardt am Freitagmorgen in Frankfurt an einem Krebsleiden gestorben.
Robert Gernhardt ist tot. Der Schriftsteller starb im Alter von 68 Jahren nach langer schwerer Krankheit am Freitagmorgen in Frankfurt am Main. Das teilte der S. Fischer Verlag unter Bezug auf Gernhardts Ehefrau mit. Gernhardt galt als einer der wichtigsten Lyriker der deutschen Nachkriegszeit.
Geboren wurde er 1937 als Sohn eines Richters in Reval/Estland, dem heutigen Tallin. Zu Kriegsbeginn siedelte die Familie nach Posen über, im letzten Kriegsjahr fiel der Vater. Mit seiner Mutter und den beiden Brüdern flüchtete Gernhardt nach Bissendorf bei Hannover. Später studierte er in Stuttgart und Berlin Malerei und Germanistik.
1964 ging Gernhardt nach Frankfurt am Main, wo er als Zeichner und Autor mit seinen Freunden F.W. Bernstein, F.K. Waechter, Chlodwig Poth, Eckhard Henscheid, Bernd Eilert, Peter Knorr und Hans Traxler die "Neue Frankfurter Schule" mitbegründete. Mit F.K. Waechter und F.W. Bernstein gehörte er zu den bekanntesten Autoren der Satirezeitschrift "Pardon" und Gründern der "Titanic". Gernhardt gab auch Bücher von Otto Waalkes heraus und war am Drehbuch von vier "Otto"-Filmen beteiligt.
Den Durchbruch vom Nonsense-Dichter zu einem der anerkanntesten deutschen Autoren gelang Gernhardt in den 80er Jahren. Für seine Fähigkeit, in Gedichtform eigene Gefühle wie Trauer oder Angst mit Ironie oder Witz zu verbinden, erwarb sich Gernhardt großen Respekt. Hochgelobt bei der Kritik wurde sein 1997 zu seinem 60. Geburtstag erschienener Band "Lichte Gedichte", in denen Gernhardt seine Erfahrungen mit einer Operation nach einem Herzinfarkt verarbeitete. Der Schriftsteller thematisierte auch seine spätere Krebserkrankung, zum Beispiel in den 2004 publizierten "K-Gedichten".
Im 1987 uraufgeführten Bühnenstück "Die Toscana-Therapie" schilderte er, wie die Träume der gehobenen Mittelschicht vom angenehmen Leben in Italien zum Albtraum werden können. Gernhardt selbst hatte seit langem ein Haus in der Toskana, wo er mehrere Monate im Jahr verbrachte. Nach dem Tod seiner ersten Frau Almut im Jahr 1989, mit der er Kinderbücher publizierte, hatte Gernhardt zum zweiten Mal geheiratet.
In den 90er Jahren wurde Gernhardt mit seinen humorigen, aber oft auch sehr ernsten Gedichten zunehmend als Lyriker bekannt. Für sein Werk wurde er vielfach ausgezeichnet, unter anderem 1983 mit dem Deutschen Jugendpreis und 1998 mit dem Bertolt-Brecht-Literaturpreis. Zuletzt wurde Gernhardt 2004 mit dem Heinrich-Heine- Preis der Stadt Düsseldorf als "kritischer Beobachter, Dichter und Karikaturist der deutschen Zustände" gewürdigt. Im Dezember vergangenen Jahres wurde er Gastprofessor an der Universität Düsseldorf und hielt dort Vorlesungen.
- Datum 13.07.2006 - 11:26 Uhr
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