Rock Ringelreihen mit Gekreisch

Die Strokes aus New York spielen in Berlin. Oben auf der Bühne stehen sie wie die Statuen, unten drehen die Mädchen schier durch. Um Himmels Willen, was ist hier los… Schulfest?

Im Jahre 2001 erschienen sie aus dem Nichts als Retter des Rock. Die Kritik überschlug sich. Das Debüt Is this it: schnörkellos, minimal. Fünf Zwanzigjährige spielten Rock’n Roll, der klang, ja, wie früher. Wie Velvet Underground oder Iggy Pop. Die Puristen lobten ihre Rückkehr zur Gitarre, die jüngeren Fans begeisterten sich für die Röhrenjeans und die alten Sakkos.

Die Sensation aus New York also, die Singles Last Nite und Hard to Explain, ausverkaufte Konzerte. Wortlos betraten sie die Bühne, wortlos gingen sie wieder. Dazwischen spielten sie ihre Songs in der gleichen Reihenfolge wie auf dem Album. Schüchtern, nonchalant, filigran, cool.

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Das ist nun fünf Jahre her. Die Strokes sind jetzt ein großes Ding mit Talkshows, Titelbildern, Homestories. Sie spielen als Attraktion auf den Musikfestivals dieser Welt. Den Rock retten inzwischen andere. Die Reinheit auch noch der zweiten Platte Room On Fire ist weg. Statt dessen zu hören auf First Impressions of Earth: mehrfach aufgenommene Gitarren, Gesangseffekte, komplizierte Lieder.

Jetzt touren die Strokes wieder durch Europa. Das eine von zwei Clubkonzerten in Deutschland spielen sie in Berlin, in der Arena in Treptow, einer schwülen Backsteinlagerhalle. Die füllt sich nur langsam. Und was ist hier los… Schulfest? Grüppchen sitzen im Kreis herum, fotografieren sich und trinken Bier. Viele Mädchen, unter zwanzig, gehüllt in modische Ringel und Pünktchen. Selbst beim halbstarken Achtziger-Jahre-Rock’n Roll der Eagles of Death Metal bleiben noch einige sitzen. Sie warten auf ihre Helden.

Um halb zehn ist es dann soweit. Unten 4000 Leute, oben die Strokes. Hier hysterisches Kreischen, da die Anfangsakkorde von Juicebox, der ersten Single des neuen Albums. Mehrere Lichtorgeln befeuern die Band, blitzschnell wechselnde Farben zittern und zucken durch die Halle. Textsicher ist das Publikum, jeder Song wird begrüßt. Der Klang ist matschig, im Gedränge kümmert das keinen. Die Hitze ist schlimmer. Bereits nach dem vierten Song Modern Age hüpfen viele zum Bierstand – ein paar Mädchen nur noch im BH. Boy-Group-Stimmung in Berlin. Julian Casablancas wird seine Lederjacke bis zum Ende nicht ausziehen.

Zum Titelsong des ersten Albums schultern kräftige Jungs ihre Mädchen, es wird geschunkelt, und es flackern ein paar Feuerzeuge. Aber selbst der langsamste Song des Abends bleibt merkwürdig fahl – wie die ganze Show der Strokes. Was früher schüchtern wirkte, erscheint nun arrogant. Wenn Julian Casablancas zu seinen Anhängern spricht, findet er es „fucking awesome“ hier in Berlin, und ihr alle seid „fucking fantastic“.

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