Pharmaskandal TeGenero gibt auf
Die gefährlichen Nebenwirkungen eines neu entwickelten Medikaments haben die Firma in den finanziellen Ruin getrieben.
Gut vier Monate nach ihrem beinahe tödlichen Medikamententest an Menschen hat die Würzburger Pharmafirma TeGenero jetzt Insolvenz angemeldet. Das Unternehmen könne wegen der Ereignisse im März keine Finanzmittel mehr einwerben und habe deshalb keine »verlässliche Geschäftsperspektive«, teilte der Vorstand des Medikamentenherstellers mit. Zudem seien neue klinische Studien mit dem Wirkstoff TGN1412 unvorstellbar, bis die Ursachen der fatalen Nebenwirkungen bei den Testteilnehmern feststünden.
Unmittelbar nach der ersten Injektion des neuartigen Antikörpers hatten alle sechs Teilnehmer des Tests mit schwersten systemischen Reaktionen zu kämpfen. Zwei der Männer schwebten mehrere Tage in Lebensgefahr. Das Medikament war gegen eine bestimmte Form der Leukämie entwickelt worden, zeigte in Tierversuchen aber eine unerwartete Wirkung auf überschießende Immunreaktionen, wie sie auch bei rheumatischer Arthritis und Multipler Sklerose auftreten. Die Londoner Test sollten erstmals zeigen, ob diese Wirkung auch bei Menschen auftritt.
Doch anstelle des nun erwarteten dämpfenden Effekts reagierten die Probanden mit Multi-Organversagen und extremen Schwellungen, vor allem im Kopfbereich. Zum Teil starben Finger und Zehen ab. Einer der Studienteilnehmer konnte die Londoner Klinik erst am Montag der vergangenen Woche wieder verlassen. Alle sechs Patienten stünden weiter unter regelmäßiger medizinischer Beobachtung, sagte ein Sprecher des Krankenhauses am Dienstag.
Mögliche Schadenersatzansprüche an TeGenero sind nach Angaben der Firma von der Insolvenz nicht berührt, da sie von einer Versicherung betreut würden. Die Versicherung hatte bislang an vier der Männer eine Summe von jeweils 10.000 Pfund (knapp 14.400 Euro) ausgezahlt.
Bei dem misslungenen Medikamententest gab es nach einem offiziellen Untersuchungsbericht keine Fehler von TeGenero. Die fatalen Folgen für die Test-Teilnehmer seien wahrscheinlich auf eine »unvorhersehbare biologische Reaktion« im menschlichen Körper zurückzuführen, urteilte die Aufsichtsbehörde MHRA. Kritik gab es dagegen an der US-Firma Parexel, unter deren Kontrolle der Versuch stattgefunden hatte. Das Unternehmen habe Verfahrensfehler begangen und Patienten-Unterlagen falsch eingeschätzt.
- Datum 05.07.2006 - 14:28 Uhr
- Quelle ZEIT online, dpa;
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