Der Hammer fiel am Freitag kurz nach halb Zehn im feinen Golfclub von Plobsheim im Elsass: Jan Ullrich, der Spanier Oscar Sevilla und der sportliche Leiter Rudy Pevenage wurden wegen ihrer möglichen Verwicklung in den spanischen Doping-Skandal bis auf weiteres suspendiert und dürfen nicht an der 93. Tour de France teilnehmen, die am Samstag in Straßburg beginnt. Am Freitag Mittag folgte dann die zweite Suspendierungs-Nachricht: Das Team Geroldsteiner schließt die Radprofis Ivan Basso aus Italien sowie die Spanier Francisco Mancebo und Joseba Beloki von der Tour aus.

"Als wir heute morgen ein Fax des Tour-Veranstalters ASO mit den Namen der Fahrer, gegen den die spanische Polizei ermittelt, erhalten hatten, mussten wir reagieren. Die neuen Erkenntnisse reichen aus. Wir haben begründete Zweifel an deren Beteuerungen, mit der Affäre nichts zu tun zu haben", erklärte Christian Frommert, der Kommunikations-Leiter von T-Mobile.

Selbstverständlich hätten Ullrich, Sevilla und Pevenage die Möglichkeit, ihre Unschuld zu beweisen. Jan Ullrich könnte seine Unschuld durch eine DNA-Analyse beweisen. In der Praxis der Mediziner Eufemiano Fuentes und Merino Batres hat die spanische Polizei Blutbeutel und Unterlagen gefunden, die auf Ullrich hinwiesen. Die Proben wurden durch eine Anreicherung mit roten Blutkörperchen manipuliert.

Ullrich hatte am Mittwoch jegliche Verwicklung in die Affäre bestritten. "Ich beteure nochmals meine Unschuld. Ich habe damit nichts zu tun", sagte er. "Ich habe noch nie in meiner Karriere betrogen". Auch die Vorwürfe der spanischen Tageszeitung El País wies Ullrich nachdrücklich zurück: "Ich habe mit den Spekulationen einer spanischen Tageszeitung nichts zu tun. Ich habe einen Anwalt eingeschaltet."

Nachdem der Ermittlungsrichter Antonio Serrano die Geheimhaltung aufgehoben hatte, waren 12 Fahrernamen genannt worden. Neben Ullrich, Sevilla, Basso, Mancebo und Beloki stehen noch die Namen von zwei weiteren Profis in der noch gültigen Starterliste der Tour: Juan-Antonio Flecha (Spanien) und Giovanni Lombardi (Italien).

Fünf Wochen nach der Aufdeckung des Skandals haben die Ermittler insgesamt 58 angeblich verwickelte Radprofis nach Informationen der Zeitung El País identifiziert. In einem 500 Seiten starken Bericht der Guardia Civil sind die gegen die Sportler vorliegenden Indizien aufgelistet. T-Mobile hat nach Aussage von Sprecher Stefan Wagner die Liste von der Guardia Civil am Donnerstag angefordert. Jens Voigt (Berlin) reagierte am Donnerstag in Straßburg, kurz bevor bekannt wurde, dass auch sein Kapitän Ivan Basso verwickelt sei, heftig: "Zieht sie raus und werft sie auf den Scheiterhaufen. Anscheinend ist das eine größere Geschichte als der Festina-Skandal von 1998. Ich hätte nicht geglaubt, dass so eine große Sache jahrelang illegal funktioniert. Da kann was Schlimmes auf uns zukommen." Erik Zabel hatte am Vortag von einem drohenden Flächenbrand gesprochen, der nicht mehr zu löschen sei.

"Ich glaube, Jan wollte nach einem möglichen Toursieg seine Karriere sowieso beenden. Jetzt muss er es eben drei Wochen früher tun", sagte seine ehemaliger Team-Kollege und Eurosport-Kommentator Jens Heppner, der 1997 mithalf, Ullrich zum Toursieger zu machen. Zur selben Zeit fuhr auch Rolf Aldag an Ullrichs Seite. "Das ist jetzt natürlich ganz hart, aber vielleicht auch eine Chance für den Radsport, richtig aufzuräumen. Wenn man fünf Millionen verdient, ist die Neigung vielleicht größer, große Risiken auch für die eigene Gesundheit einzugehen. Ich glaube, dass der Radsport jetzt größere Lehren aus dieser Affäre zieht, als er es 1998 nach dem Tour-Skandal tat", sagte Aldag, der für das ZDF kommentiert.

Der 32-jährige Kapitän verdient bei T-Mobile pro Saison schätzungsweise rund 2,5 Millionen Euro. Dazu hat er mehrere lukrative Werbeverträge, die jetzt sicher einer besonderen Prüfung unterliegen.