Gutes Geld Vom Protest zur MarktreifeSeite 2/2

Auf ähnliche Kritik wie der Dow Jones Sustainability Index stößt auch der FTSE4Good, der von der  Londoner Börse und der Financial Times aufgelegt wurde. Der Dachverband der Kritischen Aktionäre bezeichnete ihn als „Mogelpackung“, denn auch der FTSE4Good enthält Chemiekonzerne wie BASF und Bayer. Grundsätzlich ausgeschlossen sind hingegen Tabakfirmen, Waffenproduzenten sowie Unternehmen, die in der Atomtechnik engagiert sind. Am FTSE4Good-Index orientiert sich u.a. die UBS mit einem Zertifikat.

Negativ- und absolute Positivkriterien zugleich wendet hingegen der Domini 400 Social Index an, einer der ältesten Nachhaltigkeitsindizes, der 1990 von der Ratingagentur Kinder, Lydenberg, Domini und Co aufgelegt wurde. Seine Macher wählen aus dem Standard-&-Poor-Index 400 amerikanische Großunternehmen aus. Zunächst schließen sie Alkohol, Tabak oder Rüstungsgüter produzierende Firmen und Betreiber von Atomkraftwerken aus. Daneben gilt ihr Augenmerk dem Schutz der Menschenrechte, der Einbeziehung von Frauen und Minderheiten in Führungspositionen, der Umweltschutzpolitik und den Mitarbeiterbeziehungen im Unternehmen. Mit dieser Strategie haben sie es nach eigenen Angaben geschafft, rund 1,2 Milliarden Dollar einzusammeln und ihren Fonds zum weltweit größten ethischen Fonds zu machen.

An christlichen Kriterien orientiert sich der Ethical Index Global. Anders als der Domini-Index konzentriert er sich nicht nur auf die USA, sondern umfasst 300 Aktien aus 24 Ländern und soll sogar vom Vatikan abgesegnet sein. Seine Entwickler schlossen Alkohol, Tabak, Glückspiel, Pornografie, Militär, Nukleartechnik und Pharmaunternehmen, die Verhütungsmittel herstellen, vom Zustrom katholischer Gelder aus. Ihr Kapital geht an Unternehmen, die gesellschaftliche Verantwortung übernehmen und nachhaltig produzieren. Für die ethische Qualität verantwortlich ist ein unabhängiges Komitee aus Salesianern, Jesuiten und Kapuzinern.

Nach dem Ethical Index Global legt beispielsweise der Fonds Liga-Pax-Cattolico-Union an, dessen bedeutendste Aktienpositionen die Deutsche Post und die Allianz sind. Mit einem Volumen von etwa 50 Millionen Euro verfügt er über eine Größe, die ein Großteil der nachhaltigen Aktienfonds nicht erreicht. Etwa die Hälfte dieser Fonds vereint nach Angaben von Feri Rating und Research jeweils weniger als 30 Millionen Euro an Kapital auf sich und ist deshalb sogar vom Risiko einer möglichen Schließung bedroht.

Ganz streng gibt sich der Natur-Aktien-Index NAI, der nur 25 Aktien weltweit einbezieht. Er wurde von der Zeitschrift Natur & Kosmos entwickelt und wird seit einigen Jahren von Securvita betreut. Auch hier gelten Ausschlusskriterien wie Atomenergie und Waffen, Kinderarbeit oder Tierversuche. Positiv beurteilt werden Unternehmen, die nach ökologisch und sozial nachhaltigen Lösungen suchen. Der NAI-Ausschuss, der unter anderen aus Mitgliedern  von Germanwatch und  Südwind besteht, übernimmt die Auswahl. Nach dem NAI legt der GreenEffects Fond mit einem Volumen von etwa 50 Mio. Euro an. Er enthält Unternehmen wie Solarworld, Aixtron, Starbucks und Severn Trent.

Ob er die strengen Kriterien des NAI teilt, lieber mit dem Ethical Index Global gut katholisch investieren möchte oder sich der relativen Anlagestrategie von Dow Jones oder FTSE4Good anschließt, muss letztlich jeder Anleger selbst entscheiden. Einen wichtigen Grundsatz sollte er aber beachten: Je weiter ein Fonds sich durch strenge Auswahlkriterien von der Marktbreite entfernt, je mehr Branchen er beispielsweise ausschließt, desto riskanter ist seine Anlagestrategie. "Moralische Rigidität kann Performance kosten, während moralisches Verhalten, das gewisse Grautöne zulässt, vermutlich nicht performancegefährdend ist", fasst Werner Krämer, Anlageexperte bei Lazard Asset Management, das Dilemma zusammen.

 
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