Tour de France Tour der Leiden

Wieder ein Zweikampf zwischen einem Deutschen und einem Amerikaner?

Nach dem gestrigen Ruhetag konnte sich an diesem Dienstag Oscar Freire (Rabobank) in der neunten Etappe von Bordeaux nach Dax (169,5 Kilometern) durchsetzen. Serhiy Honchar (T-Mobile) behält das gelbe Trikot. Am Mittwoch sodann soll der großen Kletterkampf der Sieganwärter in den Pyrenäen beginnen. Doch wer ist von den Favoriten eigentlich noch da? Der große Patron, Lance Armstrong, hat nach siebenjähriger Dominanz seinen Podestplatz freigegeben. Die aussichtsreichste  Anwärter, Jan Ullrich(T-Mobile) und Ivan Basso (CSC), bremste ein Dopingskandal aus. Und nicht zu vergessen Francisco Mancebo (ag2r), der als guter Rundfahrer bekannt ist, aber ebenfalls von den Dopingmachenschaften des Doktor Fuentes überrollt wurde.

Der traurigste Unglückrabe der Tour 2006 ist der Kasache Alexander Vinokourov (Astana-Würth), dessen Mannschaft ebenfalls unter die Räder des Doping-Skandals kam. Und das dermaßen heftig, dass das zulässige Fahrerkontingent seiner Mannschaft unterschritten wurde. Vinokourov durfte nicht starten, weil in seiner Mannschaft zu wenig „saubere“ Fahrer übrig blieben. Sehr schade für den Kasachen, der viele Jahre für T-Mobile in die Pedale trat und es dieses Jahr, mit neuem Team, auf eigene Faust versuchen wollte.

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Aber damit ist die Liste der Touropfer noch nicht am Ende. Der spanische Rundfahrtspezialist Alejandro Valverde (Caisse d'Epargne) stürzte auf der fünften Etappe so schwer, dass er aufgeben musste. Genauso wie Bobby Julich, der seit dem Ausscheiden von Basso zum erweiterten Käpitänskreis des Teams CSC gezählt wurde. Im ersten langen Zeitfahren stürzte er und verließ das Rennen mit gebrochenem Kahnbein. Den Gerolsteiner Kapitän Levi Leipheimer erwischte es zwar nicht so hart wie Julich, dennoch war das Zeitfahren das Aus für den US Amerikaner. Wegen der sechs Minuten Zeitverlust ist sein Platz auf dem Podium an einen anderen vergeben.

Damit sind bis jetzt sieben Favoriten aus dem Rennen, und wenn man die Sache auf die Spitze treiben möchte, kann man das schlechte Abschneiden der Discovery Channel-Fahrer hinzurechnen. Die drei Topfahrer der amerikanischen Mannschaft George Hincapie, Paolo Salvodelli und Yaroslav Popovich müssen sich nach dem durchwachsenden Zeitfahrergebnis schon sehr anstrengen, um noch vorne zu landen.

Einzig das gebeutelte T-Mobile-Team, Dennis Menchov (Rabobank) und Floyd Landis (Phonak), konnten bis jetzt auf ganzer Linie überzeugen. Doch auch in diesem Fall taucht ein Fragezeichen auf. Der Phonak-Kapitän Landis leidet unter Knochenfraß und wird im Oktober eine neue Hüfte erhalten. Seine doch sehr ungewöhnliche Zeitfahrposition zeugt von den Schmerzen. Gehört die Krankheitsqual zu den Charakteristika der amerikanischen Rennfahrer?  Armstrong kehrte nach seiner schweren Krebskrankheit phänomenal zurück, Tyler Hamilton fuhr entweder mit gebrochenem Schlüsselbein oder kaputter Schuler eine Rundfahrt. Hamilton quälte sich dabei so sehr, dass er nach der Italienrundfahrt seine Zähne sanieren ließ, da er sie vor Schmerzen zerbissen hatte. Und jetzt noch Floyd Landis, der kaum laufen kann und nur langsam auf sein Rad steigt. Aber er wird durchhalten, vermutlich.

Unter Umständen wird es dann wieder zum Zweikampf zwischen einem Deutschen und einem Amerikaner kommen. Klöden gegen Landis. Von Mittwoch an ist die Arena in den Pyrenäen für sie geöffnet.

 
Leser-Kommentare
  1. Der Autor malt m.E. ein einseitig positives Bild der derzeitigen Tour-Situation. Seine Aufzählung der Favoriten ist zwar nicht falsch, auch wenn man auf die Form Andreas Klödens in den Bergen wirklich gespannt sein darf; durch seine lange Verletzungspause sollte man hier doch eher Skepsis an den Tag legen. Doch was wirklich unangenehm auffällt, ist der unkritische Umgang mit den (ertappten und/oder vermeintlichen) Dopingsündern. Die Leistungen Armstrongs, Hamiltons und Landis' werden unkritisch gewürdigt - trotz der Vorkommnisse der letzten Jahre (nicht nur der letzten zwei Wochen). Über dem Namen des siebenmaligen Toursiegers liegt ein nicht zu übersehender Schatten. Hamilton ist derzeit wegen Dopings gesperrt; ihm wurde gar sein Olympiasieg aberkannt. Und Landis fährt für das Phonak-Teams - das ist eigentlich nur dafür bekannt, in beachtlicher Regelmäßigkeit Dopingsünder zu produzieren. Von alledem kein Wort in diesem Artikel. Das ist nicht ZEIT-würdig.

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